Baubranche

Auf den Baustellen in der Region gibt es nur selten Hitzeferien

Baufirmen und ihr Personal arbeiten in der Regel bei der grössten Hitze weiter. Immerhin werden zum Schutz der Arbeiter eine Reihe von Massnahmen ergriffen.

Im Küsnachter Oberwachttunnel wird trotz der Hitze weitergearbeitet.

Im Küsnachter Oberwachttunnel wird trotz der Hitze weitergearbeitet. Bild: Sabine Rock

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Zu den Leuten, die besonders von Hitze und dauerhaftem Sonnenschein betroffen sind, gehören die Arbeiter auf den Baustellen. Davon gibt es auch am Zürichsee derzeit viele: So ist allein der Kanton als einer der grössten Bauherren derzeit für über zehn Baustellen in den Bezirken Meilen und Horgen verantwortlich. Bei den meisten handelt es sich um Strassenbauprojekte wie an der Seestrasse in Kilchberg oder in Herrliberg. Weitere Bauarbeiten in der Region sind etwa in Horgen, Stäfa oder Küsnacht im Gang, dort unter anderem rund um den Tunnel beim Bahnhof.

Doch ist es für Bauarbeiter überhaupt zumutbar, bei Temperaturen von mehr als 30 oder gar 35 Grad einfach weiterzuarbeiten? Oder gibt es einen Punkt, an dem Baufirmen von sich aus die Arbeiten unterbrechen? Bei der kantonalen Baudirektion heisst es dazu, dass der Gesundheitsschutz der Arbeiter nicht in der Kompetenz der Auftraggeber liege: «Dafür sind die ausführenden Unternehmen selber zuständig», sagt Isabelle Rüegg von der Medienstelle.

Empfehlungen der Branche

Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV), die Suva und die Gewerkschaften haben zwar eine Reihe von Empfehlungen und Hitzetipps zuhanden der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer herausgegeben, die auf ihren Websites abrufbar sind. Eine Anweisung zum Baustopp ab einer gewissen Temperatur ist in der Branche aber nicht vorgesehen, wie Philipp Senn von der Kommunikationsabteilung des SBV sagt. «Massnahmen wie eine Arbeitsunterbrechung oder in den Morgen vorverschobene Arbeitszeiten sind nicht undenkbar, sie sind jedoch ganz klar den einzelnen Firmen überlassen», sagt er. Aber auch ein früherer Arbeitsbeginn als um 7 Uhr, sei nur möglich, wenn die Gemeinden damit einverstanden seien.

Direkt von der andauernden Hitze betroffene Baufirmen am Zürichsee sind zum Beispiel die Unternehmen Strabag und Kibag. Strabag ist unter anderem an mehreren Strassenprojekten und in Horgen auch am Ausbau des Berufsbildungszentrums beteiligt. Die Firma achtet gemäss dem technischen Direktionsleiter Peter Fringeli vor allem darauf, dass die Arbeiter während Hitzeperioden mit genug Wasser und dem nötigen Sonnenschutz versorgt werden. «Diese Massnahmen haben Priorität», sagt er.

Sinnvoll sei ausserdem, dass die Poliere genug Pausen an schattigen Plätzen gewähren würden. Von Vorteil seien ferner die gut durchlüfteten Arbeitshosen, die man dem Personal zur Verfügung stelle. Den Helm dürften die Leute hingegen auch bei der grössten Affenhitze nicht abnehmen, der sei nun mal vorgeschrieben. Die Strabag-Sicherheitsdienste diskutieren laut Fringeli derzeit noch über zusätzliche Massnahmen, zumal die Hitze im Sommer immer stärker zum Thema werde: «So sind neuerdings auch Warnungen vor möglichen Bränden auf Baustellen angebracht.»

Paletten mit Wasser

Die gleichen Prioritäten zum Schutz der Arbeiter hat man bei der Kibag, wie Marcel Stadler, Geschäftsführer des Bereichs Strassen-, Tief- und Rückbau, bestätigt. Die Kibag ist etwa am Um- und Neubauprojekt rund um den Oberwachttunnel in Küsnacht beteiligt. «Wir versorgen die Arbeiter jeweils mit ganzen Paletten mit Trinkwasser», sagt er. Weiter schaue man dazu, dass man bei den Arbeitszeiten und bei der Gewährung von Ferien in Hitzeperioden möglichst flexibel sei.

Roman Kohler, Geschäftsführer bei der Meilemer Baufirma Hagedorn, ergänzt zum Thema Ferien, dass von den 230 Mitarbeitern Ende Juli und anfangs August nur noch «etwa zehn Prozent» im Einsatz seien. Diese müssten Arbeiten – zum Beispiel in Schulen – erledigen, die man eben nicht verschieben könne. Der Grossteil des Personals mache aber Ferien, auch in Absprache mit Auftraggebern.

Stopps nicht ausgeschlossen

Dass Bauprojekte aus Hitzegründen ganz gestoppt und Baustellen vorübergehend geschlossen werden, ist durchaus denkbar. Das bestätigt Peter Fringeli vom Grossunternehmen Strabag, welches in der Schweiz rund 1000 Angestellte beschäftigt. «Gerade in der heissen Ferienzeit kann ein Bauunterbruch schon mal vorkommen, vor allem wenn es sich um private Auftraggeber handelt und die Arbeiter ohnehin Ferien beziehen.» Bei grossen öffentlichen Bauaufträgen – etwa vom Kanton, von Gemeinden oder von den SBB – sei dies aber ausgeschlossen, weil man hier ja an die Vorgaben der Auftraggeber gebunden sei. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 03.08.2018, 13:48 Uhr

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