Küsnacht

Anwohner wehren sich erfolglos gegen Privatklinik

Die Klinik Pyramide plant, ihr Spital nach Küsnacht zu verlegen und ist dort auf Widerstand gestossen. Nun hat das Baurekursgericht Einsprachen gegen den Neubau abgewiesen.

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Zehn Rekurse aus der Nachbarschaft sind gegen den Neubau der Klinik Pyramide im Küsnachter Ortsteil Itschnach eingegangen. Das Privatspital will seinen Sitz vom Zürcher Seefeld an die Goldküste verlegen - an den Standort der ehemaligen Klinik St. Raphael. Anwohner im noblen Quartier sorgen sich um ihre Ruhe, die sie vor allem durch den Verkehr gestört sehen, den das Spital mit sich bringen würde. Juristisch haben sie sich aber auch dagegen gewehrt, dass die Gemeinde Küsnacht die sogenannte Villa Nager, das Hauptgebäude des früheren Spitals, aus dem kommunalen Denkmalschutz entlassen hat. Erst der Abriss dieses Trakts würde den Ausbau der Klinik überhaupt ermöglichen.

Das Baurekursgericht hat die Einsprachen nun aber abgewiesen, wie die Klinik Pyramide am See am Montag mitteilte. Damit sei die Rechtmässigkeit der Baubewilligung für die Klinik und die Entlassung des Gebäudes aus dem kommunalen Denkmalschutz in jeder Hinsicht bestätigt, schreibt die Klinik mit 120 Mitarbeitern in ihrer Medienmitteilung.

Öffentliches Interesse überwiegt

«Mit dem Neubau und der Standortverlegung der Klinik Pyramide kann die lange medizinische Tradition in Itschnach und die erfolgreiche Geschichte der Pyramide in eine neue Ära geführt werden», sagt Glen George, designierter Direktor der neuen Klinik, dazu. Das Baurekursgericht habe mit seinem Urteil das öffentliche Interesse an einer Privatklinik klar bestätigt. Allerdings könnten die Anwohner das Urteil noch anfechten.

Die Klinik soll 2023 eröffnet werden. Geplant sind 94 Betten verteilt auf 62 Einer- und Zweierzimmer sowie Suiten im Attikageschoss. Die Klinik wird am neuen Standort wie bisher als Vertragsspital das Segment der zusatzversicherten und selbstzahlenden Patienten aus dem In- und Ausland bedienen. In vier Operationssälen und einem Herzkatheterlabor sollen jährlich 3000 bis 5000 operative Eingriffe durchgeführt werden.

Das Spektrum soll sich gegenüber heute verbreitern. Vorgesehen ist ein Schwerpunkt auf Orthopädie inklusive Wirbelsäulenchirurgie sowie ein weiterer auf rekonstruktiver Chirurgie, vor allem der Brustkrebschirurgie. Geplant sind weitere Bereiche: Gynäkologie (ohne Geburtshilfe), Viszeralchirurgie, Urologie, endokrine Chirurgie und allgemeine Chirurgie, Hals-, Nasen- und Ohrenchirurgie, Kiefer-, Gesichts- und Augenchirurgie sowie Kardiologie, Onkologie, Rheumatologie und Gastroenterologie.

Von Vandalen heimgesucht

Das Gebiet Hinterriet in Itschnach hat schon früh das Interesse von Medizinern auf sich gezogen. 1937 liess der renommierte Ohrenarzt Felix Nager dort sein Wohnhaus errichten. Die nach ihm benannte und später geschützte Villa wurde von den Architekten Otto und Werner Pfister im sogenannten Landistil erbaut.

1961 erwarben Ordensschwestern aus der Stadt Zürich die Villa Nager mitsamt Umschwung und eröffneten die Klinik St. Raphael. 1999 steigt die Klinik Pyramide als Mehrheitsaktionärin ein, in der Absicht, eine moderne Klinik zu bauen. Weil es dagegen Rekurse gab - unter anderem auch gegen die Entlassung der Villa Nager aus dem kommunalen Denkmalschutz - und weil im Verlaufe der Zeit mehrere der am Projekt beteiligten Ärzte absprangen, wurde das Projekt 2009 aber aufgegeben.

Seither steht die Klinik leer. Eine Zeit lang wurde sie durch ein Künstlerkollektiv besetzt, später drangen vermehrt Vandalen in das Gebäude ein, weshalb die Klinik Pyramide die Liegenschaft mit einem Zaun vor weiteren Eindringlingen sichern liess.

Erstellt: 24.06.2019, 13:42 Uhr

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