Küsnacht

Angeblicher Rassismus eines Pöstlers ist nicht beweisbar

Ein 35-jähriger Pöstler soll in Küsnacht eine Kundin beleidigt und geblendet haben. Am Bezirksgericht Meilen wurde er freigesprochen. Um die Vorwürfe zu prüfen, liess sich ein Oberrichter vom Lesegerät blenden.

Der Pöstler soll die Frau als Hure bezeichnet und sie mit seinem Lesegerät geblendet haben. Die Vorwürfe liessen sich vor Gericht nicht erhärten.

Der Pöstler soll die Frau als Hure bezeichnet und sie mit seinem Lesegerät geblendet haben. Die Vorwürfe liessen sich vor Gericht nicht erhärten. Bild: Symbolbild/Keystone

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Die Vorwürfe an die Adresse der Küsnachter Pöstler sind happig. Seit Jahren sollen sie eine dunkelhäutige Kundin gemobbt und schikaniert haben. Aus rassistischen Gründen, wie ihr Anwalt am Zürcher Obergericht ausführt. Nach dessen Darstellung will seine Mandantin endlich Gerechtigkeit. Darum hat sie den Freispruch für einen Pöstler am Bezirksgericht Meilen an die nächste Instanz weitergezogen.

Konkret soll der Schweizer sie auf Italienisch als Hure bezeichnet und sie mit seinem Lesegerät geblendet haben. Sie kann sich das nur mit einer generellen Abneigung erklären. Er wiederum streitet beide Vorwürfe ab. Gibt aber zu, dass er die Dame als «schwierige Kundin» bezeichnet habe. Und, dass es möglicherweise passiert sei, dass der Laser des Geräts sie per Zufall geblendet haben könnte. Der Anwalt der Klägerin fordert, dass die Stärkeklasse des Lasers überprüft wird. Denn seine Mandantin habe Verletzungen davongetragen, die bis heute nachwirken.

Gesundheitliche Probleme

Ein Richter will es genau wissen. Er fordert den Pöstler auf, mit dem Lesegerät in seine Richtung zu blenden. Tatsächlich spürt er etwas. Für den Klägeranwalt ist der Vorfall erwiesen, der Pöstler, der seit zehn Jahren angestellt ist, habe die Kundin geblendet, dann von oben bis unten gescannt, ihr schliesslich die Pakete verweigert und sie beim Weggehen beschimpft. Was er sagt, sei nicht realitätsnäher, als ihre Seite der Geschichte.

Der Verteidiger kann mit dieser Version nichts anfangen. Das Fehlverhalten liege bei der Kundin, die unter anderem geäussert haben soll, der Pöstler könne ihr gar nichts sagen, er sei schliesslich nur der Paketbote. Die Pakete habe er wieder mitgenommen, weil sie nicht unterschreiben wollte. Der Verteidiger zweifelt insbesondere die anhaltenden gesundheitlichen Probleme der Klägerin an. Sie habe bei jeder neuen Einvernahme die Schäden und die Schwere der Tat grösser gemacht. Die gesundheitlichen Probleme könnten auch von einer Nebenhöhlenentzündung stammen, die sie sich ein paar Wochen vorher zugezogen hatte.

Schäden sind möglich

Fraglich ist, ob der Pöstler überhaupt italienisch kann beziehungsweise das Wort «Puttana» kannte, bevor er angeklagt wurde. Er behauptet, dass er bloss deutsch und etwas französisch kann. Auf Nachfrage sagt er, dass er auch schon in Italien war und Wörter wie «grazie» kennt. Mittlerweile hat der Richter das Lesegerät studiert. Es ist mit einer Warnung versehen und hat Klasse 2. Sichtkontakt ist hier zu vermeiden. Für das Urteil spielt es aber letztlich keine Rolle, wie stark das Gerät ist. Es gebe so viele Zweifel an den Taten, dass der Präsident von einem «glasklaren in dubio pro reo» spricht. Die Aussagen der Kundin seien mit sehr viel Vorsicht zu geniessen. Immer wieder habe sie sich über die Post beschwert, etwa dass Post aufgerissen wurde oder Pakete zu weit weg abgestellt wurden. Der Pöstler habe differenziert ausgesagt, sich nicht nur in einem guten Licht dargestellt. Bei ihren Aussagen gebe es zuviele Widersprüche.

Ob sie ihren Kampf um Gerechtigkeit ans Bundesgericht weiterzeihen will, bleibt offen. Zwei Gerichte konnten bisher kein rassistisches Mobbing in Küsnacht feststellen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.06.2018, 17:58 Uhr

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