Hombrechtikon

An Nachtruhe ist nicht zu denken

Die Theatergruppe Amaryllis führt im 30. Jahr ihres Bestehens gleich selber Regie – wie in den Anfängen. In «Guet Nacht Herr Huser» gibts Trubel und Wahnsinn auf der Bühne.

Wie kommt man zu genügend Schlaf? Die Frage treibt die Hauptdarsteller im neusten Stück der Amateurgruppe Amaryllis um.

Wie kommt man zu genügend Schlaf? Die Frage treibt die Hauptdarsteller im neusten Stück der Amateurgruppe Amaryllis um. Bild: Moritz Hager

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Es waren alles vom Theaterspiel angefressene und schauspielbegeisterte Pfadimitglieder, die 1989 die Theatergruppe Amaryllis ins Leben riefen. Seither ist das Ensemble mit seinen Aufführungen aus dem Dorfleben in Hombrechtikon nicht mehr wegzudenken. Inszenierte die Amateurgruppe in den Anfängen die Stücke noch selber, wurde 2004 mit Roland Rüegg erstmals ein Profi als Regisseur engagiert.

Dieser attestierte den Laiendarsteller grosses Talent, schätzte ihre Motivation und blieb ihnen bis 2017 treu. Die letztjährige Produktion stand unter der Leitung von Alice Hauschild, die fürs Jubiläumsjahr wegen Weiterbildung nicht mehr zur Verfügung stand.

Was tun also, wenn professionelle Regisseure teuer sind, Amaryllis aber weder die günstigen Tickets noch die Preise für ihr Essensangebot anheben wollte? Vereinspräsidenten Sabina Häusler kennt die Antwort: «Wir haben die Regieführung wieder mal selber übernommen.» Die langjährige Schauspielerin teilt sich nun diese Aufgabe mit Reto Graf, ein alter Fuchs auf der Amaryllis-Bühne. Will heissen, die beiden verfügen über reichlich Erfahrung, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Wobei erschwerend hinzukommt, dass sie noch mitspielen, Reto Graf zudem in einer grösseren Rolle.

Die Frau schnarcht

Dass diese Kombination funktioniert, bewies die Premiere von Freitagabend im ausverkauften Gemeindesaal Blatten. Auf der Bühne stehen acht Darsteller, die zum harten Kern von Amaryllis gehören. Das aktuelle Stück mit dem Originaltitel «Mordgedanke oder schnarcht Ihri Frau au?» von Andreas Heck haben die Hombrechtiker als «Guet Nacht Herr Huser» neu inszeniert und damit die Rollen auf die verfügbaren Spieler, ihren Stärken entsprechend, zugeschnitten. Was sich in dem auf einen Wahnsinn zusteuernden Stück ausbezahlt hat.

Darin erwartet den eher arbeitsscheuen Heinz Huser die Beförderung zum Abteilungsleiter. Um seinem Chef zu demonstrieren, dass er der richtige Mann ist, beschliesst er, jeweils früh ins Bett zu gehen, um ausgeschlafen als Erster im Büro zu erscheinen und dieses als Letzter zu verlassen. Es wäre nun nicht lustig, wenn alles so geregelt ablaufen würde.

Kurz, Heinz’ Schlafpläne werden durchkreuzt: Mal schnarcht seine Helga an seiner Bettseite, dass die Wände zittern, mal nervt das ständig klingende Telefon. Wenn gerade die Nachbarn nicht stören, kreuzt der etwas verwirrte Vater von Heinz auf, den Reto Graf übrigens brillant verkörpert. Idealerweise ist die Bühne zweigeteilt in Wohn- und Schlafzimmer, was das Hin und Her der Schauspieler erleichtert und den Fluss der Story aufrechterhält.

Heinz ist fix und fertig

An Nachtruhe ist also nicht zu denken, und das Tag für Tag, was Heinz zum Wahnsinn treibt. Genau hier liegt die Herausforderung für den Hauptdarsteller Sven Flütsch, der Heinz mit vollem Körpereinsatz mimt: Er dosiert dessen zunehmende Verzweiflung so, dass er sie mit jeder Bettszene steigern kann, und zwar glaubwürdig und nicht einfach nur laut und überdreht. Abgeschafft und gereizt kehrt er jeweils nach Hause, dass ihn sogar seine Frau (Susi Soltermann) nicht wiedererkennt. Man leidet mit Heinz, ahnt, dass er, kaum unter der Decke eingekuschelt, gleich wieder aus dem Schlaf gerissen wird.

Schliesslich schmeisst er das befreundete Ehepaar Nora (Sabina Häusler) und Norbert (Alex Facchinetti) mitsamt der ständig von Liebeskummer geplagten Tochter Nadine (Barbara Hohl) und auch noch den eigenen Vater raus. Heinz ist fix und fertig, denn sein Chef hat ihn am Pult schlafend erwischt. Den Abteilungsleiter kann er sich ans Bein streichen, oder? Da Amaryllis nächstes Wochenende nochmals auftreten, wäre es schade, hier schon zu verraten, was Heinz tatsächlich noch blüht.

Nächste Vorstellungen am 29. und 30. März um 20 Uhr, Türöffnung und Küche ab 19 Uhr, im Gemeindesaal Hombrechtikon. www.theater-amaryllis.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.03.2019, 15:34 Uhr

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