Küsnacht

An der Kesb führt kein Weg vorbei

Wozu braucht es eigentlich einen Vorsorgeauftrag? Darüber informierte am Montag eine Veranstaltung der Küsnachter Fachstelle Alter und Gesundheit.

Am Montagabend kam es im Alters- und Gesundheitszentrum Tägerhalde in Küsnacht zu einer Informationsveranstaltung mit dem Thema «Vorsorgeauftrag und Kesb»

Am Montagabend kam es im Alters- und Gesundheitszentrum Tägerhalde in Küsnacht zu einer Informationsveranstaltung mit dem Thema «Vorsorgeauftrag und Kesb» Bild: Keystone

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«Wir brauchen das doch nicht amtlich», sagt der Vater seelenruhig. «Du und dein Bruder, ihr regelt das dann schon.» Und mit einem beruhigenden Blick zur Tochter fährt er fort: «Die können das nicht einfach so machen.» Beruhigt ist die Tochter damit keineswegs, im Gegenteil. Soeben hat sie versucht, dem Vater Sinn und Zweck eines Vorsorgeauftrags beizubringen. Erfolglos. Obwohl sie ihn eindringlich davor warnt, dass eben «die» – die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) – ihn sonst «einfach ins Heim stecken» können. Dass es nicht reiche, zu hoffen, die Familie würde sich schon zusammenraufen, wenn es drauf ankäme.

Die Szene ist fiktiv und Inhalt eines kurzen Films. Dieser lief am Montagabend im Alters- und Gesundheitszentrum Tägerhalde in Küsnacht anlässlich einer Informationsveranstaltung. Deren Themen: Vorsorgeauftrag und Kesb. Themen, die auf Interesse stossen – gut 230 Personen füllen den Saal bis auf den letzten Platz. Damit sind sie der Einladung der Küsnachter Fachstelle Alter und Gesundheit und von Gemeinderätin Pia Guggenbühl (FDP), Vorsteherin des Ressorts Gesellschaft, gefolgt.

Handschriftlich verfasst

Der Grund, warum die Vorsorge im Falle einer Urteilsunfähigkeit wichtig ist, liegt im neuen Erwachsenenschutzrecht. 2013 ist es in Kraft getreten. Und seit diesem Zeitpunkt spielt denn auch die Kesb als Nachfolgerin der Vormundschaftsbehörde eine Rolle. «Zentral an dem neuen Recht ist die stärkere Selbstbestimmung», erklärt Kurt Giezendanner, Präsident der Kesb Bezirk Meilen. Das Instrument, um die Selbstbestimmung auch bei Urteilsunfähigkeit zur Geltung zu bringen, sei der Vorsorgeauftrag, daneben die Patientenverfügung: Mit Ersterem setzt man eine oder mehrere Personen als Vertreter seiner Interessen gegenüber Dritten – Heimen, Krankenkassen, Banken und so weiter – fest.

Wie aber ist nun ein Vorsorgeauftrag zu formulieren? Man unterscheide drei Bereiche der Vorsorge, sagt Karin Schmidiger von Pro Senectute Kanton Zürich. «Personensorge, Vermögenssorge und Rechtsverkehr.» Man könne für alles dieselbe Person betrauen, oder aber je eine andere. Zudem gelte die formelle Vorgabe, dass der Vorsorgeauftrag vollumfänglich handschriftlich verfasst sein müsse. «Eine Kopie ist ungültig.» Besser lasse man ihn durch einen Notar beurkunden.

Nicht ratsam sei, eine Person im Vorsorgeauftrag zu erwähnen – und diese nicht darüber zu informieren, sagt Giezendanner. Lehne diese Person das verantwortungsvolle Mandat ab, dann nütze der Vorsorgeauftrag nichts. Sei keine Ersatzperson genannt, setze die Kesb einen Beistand ein. «Und: Zerrüttete Familienverhältnisse werden mit einem Vorsorgeauftrag meist noch schlimmer», gibt der Jurist zu bedenken.

Begrenzte Alternativen

Die Kesb komme in jedem Fall mit der Urteilsunfähigkeit des Betroffenen ins Spiel: wenn also der Vorsorgeauftrag zum Zug kommt. «Wir überprüfen, ob die eingesetzte Person urteilsfähig, willig und geeignet ist», sagt Giezendanner. Das geschehe mit einem Gespräch. Wer aber darauf baue, die Sache «innerfamiliär», also ohne Vorsorgedokument zu regeln, gehe Risiken ein: «Die Handlungsbefugnis für Angehörige ist begrenzt», erklärt Giezendanner. «Etwa bei umfangreichen Geschäften.» Dann ernenne die Kesb einen Beistand. Auch Vollmachten seien kein vollwertiger Ersatz. «Bei Banken etwa verlieren diese oft die Gültigkeit, sobald jemand nicht mehr urteilsfähig ist.»

Gesetz fordert Überprüfung

Und was ist mit dem Schreckensszenario, dass einen die Kesb gegen den Willen in ein Heim stecken könne? Giezendanner erklärt dies als Fall einer Fürsorgerischen Unterbringung. Sie werde bei medizinischen Angelegenheiten als Ultima ratio ergriffen: bei einer schweren psychischen Störung, geistigen Behinderung oder Verwahrlosung. «Das ist nicht primär Kompetenz der Kesb, sondern eben eine medizinische Kompetenz.» Sie sei erstaunt über den bürokratischen Aufwand des Vorsorgeauftrags, moniert eine Anwesende. «Wir haben die gesetzliche Pflicht, zu prüfen, dass die formellen Vorgaben erfüllt sind und sich die beauftragten Personen für ihre Aufgabe eignen», erwidert Giezendanner.

Ob diese der Kesb regelmässig Bericht liefern müsse, fragt ein anderer Gast. Nein, es sei denn, die Kesb erhalte eine Gefährdungsmeldung. Wiederholte Fragen nach dem Überprüfungsverfahren zeigen ein gewisses Misstrauen gegenüber der Behörde. Dennoch erfreuen sich die bereitgelegten Informationsbroschüren eines hohen Absatzes.

Mehr Infos: www.kesbmeilen.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.03.2019, 15:46 Uhr

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