Gemeindewahlen

An der Goldküste kandidieren ältere bürgerliche Akademiker

Bei den Kommunalwahlen sind nicht alle Bevölkerungsgruppen gleich gut vertreten. Vor allem Junge und Linke sind im Kandidatenpool deutlich unterrepräsentiert.

Männlich, mit Hochschulabschluss und bürgerlicher Gesinnung: Das Kandidatenprofil für die bevorstehenden Gemeindewahlen an der Goldküste könnte vielfältiger sein.

Männlich, mit Hochschulabschluss und bürgerlicher Gesinnung: Das Kandidatenprofil für die bevorstehenden Gemeindewahlen an der Goldküste könnte vielfältiger sein. Bild: Symbolbild/Manuela Matt

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Männlich, um die 60 Jahre alt, Akademiker und bürgerlich – so sieht der typische Gemeinderatskandidat im Bezirk Meilen aus. Die ZSZ hat den Kandidatenpool der Goldküste analysiert und festgestellt: Junge, Frauen und Linke sucht man auf den Wahlzetteln vieler Gemeinden vergebens.

Gemäss den amtlichen Anzeigen hat jeder vierte Kandidat einen betriebs- oder volkswirtschaftlichen Hintergrund. Gut vetreten sind auch die Juristen und Gewerbler. Zehn der 97 Kandidaten haben einen Abschluss in Rechtswissenschaften, elf geben an, Unternehmer zu sein. Deutlich geringer ist der Anteil der Kandidaten mit einer Berufslehre. Angesichts der Bevölkerungsstruktur im Bezirk Meilen ist das wenig überraschend. 49 Prozent haben einen Hochschulabschluss. Zum Vergleich: Für die gesamte Schweiz beträgt die entsprechende Quote 33 Prozent.

Mit Abstand am meisten – nämlich 38 – Kandidaten stellt die FDP, gefolgt von der SVP (19) und der GLP (7). Die CVP kommt auf fünf Kandidaten. Damit sind die Gemeinderatsgremien im Bezirk fest in bürgerlicher Hand. Die SP stellt lediglich sechs Kandidaten. Diese stammen alle aus den grossen Gemeinden Stäfa (2), Meilen (2), Männedorf (1) und Küsnacht (1). Bei den Nationalratswahlen 2015 holte die FDP im Bezirk Meilen 26 Prozent, die SP 16 Prozent der Wählerstimmen. Auf Kommunalebene sind die Freisinnigen somit im Vergleich um 13 Sitze besser, die Sozialdemokraten um neun Sitze schlechter vertreten.

Junge stark untervertreten

Untervertreten sind auch die Jungen. Mehr als jeder vierte Kandidat ist über 60-jährig. Am höchsten dürfte das Durchschnittsalter im Männedörfler Gremium werden: Dort sind fünf der sieben Kandidaten 60 oder älter. In acht der elf Gemeinden ist keiner der Kandidaten unter 40 Jahre alt.

«Auf kommunaler Ebene kann man zwar am meisten Konkretes bewirken», sagt Rafael Mörgeli, Präsident der SP des Bezirks Meilen. Dennoch sei es schwierig, Kandidaten für die Gemeindeämter zu finden. «Das ist ein Problem durch alle Altersgruppen hinweg.» Hinzu komme, dass es viele Junge aus dem Bezirk zum Wohnen in die Stadt ziehe. Nicht zuletzt liege das mangelnde Engament aber auch an den Themen: «Die kantonale Politik kann interessanter wirken als die kommunale, weil sie sich umfassender mit Bereichen wie etwa der Gesundheits- oder Bildungspolitik beschäftigt.»

Eva Lea Empting war früher Präsidentin der Jungfreisinnigen des Bezirks Meilen. Um beruflich Fuss zu fassen, hat sie ihren Posten aufgegeben. «Für viele junge Erwachsene liegt die Priorität auf der Karriere», sagt die 24-Jährige. Für ein aufwändiges Kommunalamt bleibe keine Zeit. Oft fehle aber auch das Interesse. «Von der Gemeindepolitik sind zwar alle direkt betroffen und doch haben viele dazu keine Meinung.» Statt über einen kommunale Fernwärmeverbund, diskutiere man lieber über die Flüchtlingspolitik. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.04.2018, 15:50 Uhr

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