Hombrechtikon

Am Lützelsee bläst eine weitere Alphornbläserin zum Rückzug

Musiker mit Alphörnern sind am Lützelsee im Gegenwind: Nach einem Duo aus Hinwil muss sich auch eine Alphornbläserin aus Hombrechtikon mit Reklamationen herumschlagen. Der Gemeindepräsident will nun vermitteln.

Übt in der Freizeit gern mit ihrem Alphorn: Luzia Schönbächler aus Hombrechtikon.

Übt in der Freizeit gern mit ihrem Alphorn: Luzia Schönbächler aus Hombrechtikon. Bild: Sabine Rock

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Am Lützelsee tauchen immer mal wieder Alphornbläser auf, um dort ein Ständchen zu halten oder für ein halbes oder ganzes Stündchen zu üben: Zu ihnen gehört Luzia Schönbächler, die in Hombrechtikon lebt und als Gruppenleiterin bei der Stiftung Brunegg arbeitet, welche Wohn- und Arbeitsplätze für Menschen mit einer geistigen Behinderung anbietet. In ihrer Freizeit holt Schönbächler gerne mal ihr Alphorn hervor, um damit an der frischen Luft Musik zu machen.

Das tut sie etwa dreimal pro Woche, und zwar an wechselnden Orten – unter anderem an ihrem Lieblingsplatz am Lützelsee. Dort, beim Wäldchen an der Ostseite, kennt sie ein «Bödeli», vom dem aus ihre Alphorntöne besonders schön über den See erklingen, wie sie der ZSZ erzählt. Kommt dazu, dass ihr Mann ihr dort ein eigenes «Bänkli» gespendet hat, welches das Paar erst kürzlich mit dem örtlichen Verkehrsverein eingeweiht hat.

Reklamationen mit Folgen

Doch seit dem ersten August-Wochenende ist Schönbächler die Freude an Auftritten am See vergangen. Grund: Sie wurde von einem Anwohner vertrieben. Der Mann sei mit dem Auto zu ihr hingefahren und habe gesagt, er habe keine Lust mehr, ständig Alphörnern zuhören zu müssen. Er werde «das abstellen», habe er ihr zugerufen, berichtet die Hombrechtikerin. Dann sei ein Spaziergänger dazu gekommen und habe seinerseits mit dem reklamierenden Mann gestritten. «Ich kam deshalb nicht mehr dazu, mit ihm zu reden und weiss bis heute nicht, wie er heisst.»

«Wenn ich es nicht mehr mit Freude machen kann, ist es für mich belastend.»
Luzia Schönbächler, Alphornbläserin

Als Folge des Zwischenfalls hat Schönbächler am Lützelsee zum Rückzug geblasen. «Ich überlege jetzt schon, ob ich da überhaupt nochmals hingehe», meint sie, «obwohl die Spaziergänger immer sehr freundlich und positiv auf meine Musik reagiert haben.» Im Moment überlege sie sich sogar, mit ihrem Hobby aufzuhören: «Wenn ich es nicht mehr mit Freude machen kann, ist es für mich belastend», sagt sie und betont, dass sie ja niemanden stören wolle und Rücksicht nehme, wenn es nötig sei.

Mit Wysel Gyr auf Tournee

Luzia Schönbächler reagiert mit ihrem Rückzug gleich wie das Alphornduo Wildbach aus Hinwil: Dieses hat sich nach mehrfachen Reklamationen aus der Anwohnerschaft vom Lützelsee zurückgezogen, wie die ZSZ jüngst berichtete. Wie die zwei Hinwiler ist auch Schönbächler keineswegs eine Amateurin: Sie war lange Jahre in der Volksmusikszene unterwegs und Mitte der Neunzigerjahre sogar mit dem einstigen «Ländlerpapst» des Schweizer Fernsehens, Wysel Gyr, auf einer Tournee in Japan und Südkorea.

Zur Gruppe der Anwohner, denen Alphornauftritte am Lützelsee offenbar mächtig auf den Wecker gehen, gehört eine Frau, die bereits dem Alphornduo Wildbach die Leviten gelesen hat. Die Frau, deren Name der Reaktion bekannt ist, behauptet gegenüber der ZSZ, dass die Alphörner nicht nur sporadisch zu hören seien, sondern praktisch jeden Tag. Das «Geblase» gehe nicht nur ihr auf die Nerven, sondern vielen Leuten in der Umgebung, bekräftigte sie mit Verweis auf mehrere Einwohner. Ein Mann, der zu den grössten Alphorngegnern vor Ort gehören soll, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Sicher ist aber auch: Die Alphornbläser am Lützelsee haben viele Sympathisanten. Das bestätigt etwa Xaver Eberhard von der Gartenbeiz Hasel: «Ich kenne ausser diesen stänkernden Anwohnern niemanden, der an den Alphornbläsern keine Freude hat», sagt er. Die Ausflügler und Touristen, von denen es im Sommer viele gebe, seien sogar begeistert. Ins gleiche Horn blasen Martina Baumberger und Walter Schaerer: «Die Allermeisten freuen sich doch über diese beruhigenden Töne», erklären die beiden Hombrechtiker in einer Zuschrift an die ZSZ. Es sei zu hoffen, dass sich die Alphornbläser nicht vertreiben liessen und auch künftig «Freude und Fröhlichkeit» verbreiten würden.

Appell an die Toleranz

Erstaunt über die Hombrechtiker Alphorn-Kritiker zeigt sich Urs Holdener von der Fachkommission Alphornblasen des Eidgenössischen Jodlerverbands. Der in Horgen wohnhafte Volksmusik-Kenner kann sich nicht an ähnliche Vorfälle erinnern: «Derartige Reklamationen gibt es wohl nur ganz selten», sagt er.

Und was meinen die Behörden? Gemeindeschreiber Jürgen Sulger bestätigte schon letzte Woche, dass es keine rechtlichen Bestimmungen für ein Alphornverbot auf öffentlichem Grund gibt. Interventionen seien allenfalls bei Nachtruhestörungen ab 22 Uhr möglich, das sei hier aber kein Thema. Gemeindepräsident Rainer Odermatt (FDP) lässt auf Anfrage durchblicken, dass der schwelende Streit bei den Behörden angekommen ist. «Ich werde versuchen zu vermitteln – mit dem Ziel, die Wogen zu glätten», teilt er mit. Ansonsten appelliert Odermatt an den gegenseitigen Respekt und die Toleranz: Was für die einen Mitbürger entspannende Volksmusik sei, sei für andere halt eher eine Belastung: «Es sollte aber möglich sein, im Dialog einen Konsens zu finden», sagt er, «letztlich geht es um das richtige Mass.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.08.2018, 15:14 Uhr

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