Stäfa

Alterszentrum bleibt nach Widerstand selbstständig

Der Gemeinderat wollte das Alterszentrum Lanzeln in eine Stiftung ausgliedern, damit das Heim mehr unternehmerische Freiheiten hat. Nach Kritik aus der Bevölkerung krebst er nun zurück.

Um das moderne Alterszentrum Lanzeln herrschte jahrelang ein politisches Seilziehen.

Um das moderne Alterszentrum Lanzeln herrschte jahrelang ein politisches Seilziehen. Bild: Archiv Manuela Matt

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Es ist ein Trend, der am Zürichsee seit einiger Zeit zu beobachten ist: Mehrere Gemeinden haben ihre Alterszentren ausgelagert oder hatten dies zumindest vorgesehen. Mit diesem Schritt erhofften sie sich jeweils mehr Effizienz und Professionalität. Zudem sollten die Heime grössere unternehmerische Freiheit erlangen und schneller auf Veränderungen im Markt reagieren können, wenn nicht mehr alle Entscheidungen den politischen Weg nehmen müssen.

Erlenbach und Herrliberg etwa haben den Betrieb ihrer Heime an die private Pflegeheimgruppe Senevita übergeben. Die Männedörfler Stimmberechtigten haben eben erst im letzten Monat Ja gesagt zur Umwandlung des Altersheims Allmendhof in eine Aktiengesellschaft. Und in Hombrechtikon stand die Privatisierung des Altersheims Breitlen zur Diskussion. Die Bürgerinnen und Bürger lehnten dies allerdings im vergangenen Jahr an der Urne ab.

Prominenter Fürsprecher

Auch der Stäfner Gemeinderat wälzt seit langem Pläne, das Alterszentrum Lanzeln aus der Gemeindeverwaltung zu lösen. In Stäfa war vorgesehen, die Lanzeln in eine Stiftung umzuwandeln, ähnlich wie das Alterszentrum Platten in Meilen organisiert ist. Sogar ein prominenter künftiger Präsident für die Stiftung war bereits gefunden, lange bevor den Stimmberechtigten überhaupt eine Abstimmungsvorlage unterbreitet wurde: SP-Ständerat Daniel Jositsch aus Stäfa.

Mit diesem Schachzug wollte der Gemeinderat unter anderem die lokale SP-Partei einbinden. Denn diese beäugte das Projekt von Beginn weg kritisch, weil sie befürchtete, die Gemeinde könnte ihren Einfluss auf die Altersinstitution einbüssen. Die SP war zwar mit ihren Vorbehalten am sichtbarsten, aber bei weitem nicht allein: Als die Pläne bekannt wurden, sprach sich auch der im Dorf gut verankerte Verein für Altersfragen dagegen aus. Und im Alterszentrum selber lösten die Pläne Unruhe und Ängste vor der Zukunft aus, wie von gut unterrichteten Quellen zu erfahren war.

Er hätte Präsident der Stiftung Lanzeln werden sollen: SP-Ständerat Daniel Jositsch. Bild: Thomas Egli

Mit mehreren Vernehmlassungen versuchte der Gemeinderat daraufhin, Kritiker ins Boot zu holen. Nun macht er aber zumindest vorläufig einen Rückzieher: Das Projekt werde sistiert, teilt er mit. Die Behörde begründet dies in erster Linie mit der Revision der Gemeindeordnung, welche die Stimmberechtigten im vergangenen Jahr angenommen haben. Diese musste an das neue kantonale Recht angepasst werden und sieht ausserdem vor, dass das Alterszentrum nicht mehr wie bis anhin der Fürsorgebehörde, sondern einzig dem Gemeinderat unterstellt ist. Er übernimmt somit die strategische Führung.

«Unruhen» vermeiden

Das Heim bleibt also – anders als es bei der Ausgliederung in eine Stiftung der Fall gewesen wäre – ein Teil der Verwaltung. Wegen der überwältigenden Zustimmung zur Gemeindeordnung werde dies nun zunächst so bleiben, heisst es in einer Mitteilung des Gemeinderats sinngemäss. Das Argument dafür: So kurz nach der Abstimmung zur Gemeindeordnung sei eine Vorlage über die Ausgliederung des Alterszentrums in eine Stiftung «nicht angemessen».

Was der Gemeinderat in seiner Mitteilung nicht sagt: Eine solche Vorlage wäre für ihn wohl auch kaum zu gewinnen gewesen. Darauf geht die Behörde lediglich beiläufig ein, indem sie bemerkt, «die kontrovers geführten Vernehmlassungen zur Ausgliederung hätten nicht in einem breiten Konsens abgeschlossen werden können».

War der politische Widerstand also zu gross? Gemeindepräsident Christian Haltner (FDP) räumt ein, dass es schwierig geworden wäre, die Vorlage problemlos durchzubringen. «Unser oberstes Credo ist, dass es nicht zu unnötiger Unruhe kommt», sagt er. Wichtig sei, dass der Betrieb weiterhin so gut laufe wie jetzt und man mit einer politischen Vorlage nicht alles aus dem Gleichgewicht bringen wolle. «Die Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Personal sollen sich wie bis anhin in der Lanzeln sehr wohlfühlen – unabhängig davon, wie das Alterszentrum organisiert ist.»

Haltner sagt zudem: «Die Leute möchten, dass die Gemeinde aktiv die Zügel in der Hand behält.» Zwar wäre der Gemeinderat im neuen Modell im Stiftungsrat vertreten gewesen, und er hätte zudem mittels Leistungsvereinbarung weiterhin Einfluss auf das Heim nehmen können. Verbleiben die Kompetenzen aber bald ganz beim Gemeinderat, ist sein Gestaltungsraum grösser.

Ständerat Jositsch, der nun somit nicht Präsident der einst geplanten Stiftung wird, sagt: «Dass Gemeinderat und Fürsorgebehörde den Zeitpunkt nicht als reif betrachten, um über die Gründung der Stiftung abzustimmen, kann ich nachvollziehen. Politische Prozesse verlaufen selten nach Plan.»

SP sieht sich bestätigt

Die Stäfner SP wiederum ist froh, dass die Ausgliederung in eine Stiftung vorerst vom Tisch ist. «Es ist ein guter Entscheid, dass das Projekt beerdigt wurde», sagt SP-Präsident Rafael Mörgeli. «Der Gemeinderat hat endlich eingesehen, dass die Vorlage keine Mehrheit gefunden hätte.» Die neue Organisation stelle einen Mittelweg dar, bei dem nicht mehr die Fürsorgebehörde, sondern der Gemeinderat die Verantwortung für das Alterszentrum habe. «Die Lanzeln ist nun nicht ausgegliedert, aber neu organisiert», sagt Mörgeli.

«Es ist ein guter Entscheid, dass das Projekt beerdigt wurde», sagt SP-Präsident Rafael Mörgeli. Bild: Sabine Rock

Auch über diese Neuerung in der überarbeiteten Gemeindeordnung war die SP ursprünglich nicht erfreut. Die Partei anerkennt jedoch, dass sie von der Bevölkerung angenommen wurde. Der Gemeinderat müsse nun aber die Chance packen und eine Vision für die Zukunft entwickeln, sagt Mörgeli, beispielsweise ein neues Altersleitbild angehen und die Spitex stärker einbinden.

«Wir schubladisieren nicht»

Tatsächlich hat der Gemeinderat bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die Vorschläge unterbreiten soll, wie das Alterszentrum künftig zu führen ist. Die Idee der Stiftung ist aber noch nicht ganz vom Tisch. «Wir schubladisieren sie nicht», sagt Gemeindepräsident Haltner. Der Gemeinderat werde später entscheiden, ob sie allenfalls doch weiterverfolgt werde. Einen konkreten Zeitpunkt hat er dafür nicht bestimmt. «Wir müssen jetzt zuerst mit dem neuen Modell unsere Erfahrungen machen.»

Erstellt: 21.03.2019, 17:09 Uhr

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