Zumikon

Diese Bauten kosten Zumikon Millionen

Mehr Steuern, mehr Schulden, mehr sparen: Auf Zumikon kommen harte Jahre zu, weil die Gemeinde über 50 Gebäude aus den 70er-Jahren erneuern muss.

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In der Tiefgarage unter dem Zumiker Dorfplatz tropft es von der Decke. Im Gemeindehaus bricht in einem Büro der Verputz der Decke ab. Im Feuerwehrgebäude rinnt das Dach. Beim Zumiker Schulhaus Farlifang ist die Fassade in desolatem Zustand, im Gemeinschaftszentrum ebenso. Zumikon hat die vergangenen Jahre von der Substanz gelebt – von alter Bausubstanz, die auf den Wachstumsschub der Gemeinde ab Ende der 60er-Jahre zurückgeht. Nun müssen viele Gebäude saniert werden. Das soll aber nicht alles auf einmal geschehen.

«Wir brauchen eine Sicht auf die nächsten 20 bis 30 Jahre », sagte Richard Staubli von der Wifpartner AG an einer Informationsveranstaltung der Gemeinde. Die Firma, die auf den Erhalt von Infrastrukturen spezialisiert ist, hat vom Zumiker Gemeinderat den Auftrag erhalten, eine Studie über den Zustand der Gemeindeliegenschaften zu erstellen.

Noch sind nicht alle Gebäude in schlechtem Zustand. Aber auch bei jenen, an denen heute noch keine Schäden sichtbar sind, lässt sich dank eines komplexen Alterungsmodells abschätzen, wann sich eine Sanierung aufdrängen und wie viel das ungefähr kosten wird.

Mehrere Indikatoren werden in diesem Berechnungsmodell angewendet, beispielsweise der Typ des Gebäudes. «Heute weiss man, wie viel ein Kubikmeter Schulraum kostet», sagte Bauingenieur Staubli. Ebenso kennt man den Wert einzelner Bauteile. Ein Dach hat einen anderen Wert als ein Fenster.

4 bis 5 Millionen pro Jahr

Für ihre Studie hat die Firma die 15 wichtigsten Zumiker Liegenschaften begutachtet und den Zustand der jeweiligen Bauteile bestimmt. Aufgrund von Erfahrungswerten lässt sich dadurch der Sanierungsbedarf grob abschätzen. Das Ergebnis wurde sodann auf die 43 weiteren Liegenschaften der Gemeinde hochgerechnet, die nicht eigens analysiert wurden.

Das Fazit der Studie: In den nächsten zehn Jahren sind in Zumikon jährlich durchschnittlich 4 bis 5 Millionen für die Sanierung der Liegenschaften nötig. «Ziel ist es, eine Belastungsspitze zu vermeiden», sagte Liegenschaftenvorstand Thomas Epprecht (FDP).

«Wir werden Darlehen aufnehmen müssen und die Schulden lange nicht zurückzahlen können.»Barbara Messmer, Finanzvorsteherin

Deshalb braucht es einen Bau- und einen Finanzplan, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. Beides liegt für die Jahre 2018 bis 2026 vor. Gemäss Epprecht ist rasches Handeln angesagt. «Warten kostet Geld, weil wir dann das Risiko von Notreparaturen eingehen – etwa, wenn irgendwo eine Heizung aussteigt.» Und schalkhaft sagte er auch: «Es ist gleich wie bei den Menschen: In diesem Alter muss man damit anfangen, zu reparieren.»

Zumikon fehlt das Geld

Verfügt die Gemeinde Zumikon aber über genügend Geld für diese Investitionen? Finanzvorsteherin Barbara Messmer (CVP) verneinte. «Unsere Liquidität ist gleich null», sagte sie. «Wir werden Darlehen aufnehmen müssen und die Schulden lange nicht zurückzahlen können. Das ist eine neue und schwierige Situation für Zumikon.»

Die Finanzplaner gehen gegenwärtig davon aus, dass sich Zumikon mit bis zu 38 Millionen Franken verschulden wird. Das allein reicht aber noch nicht. Die Gemeinde wird sparen müssen. Und: «Eine Steuererhöhung wird in den nächsten Jahren unumgänglich sein», sagte Messmer.

Der Steuerfuss beträgt heute 85 Prozent. Eine Erhöhung um einen Prozentpunkt würde jährlich 05, Millionen Franken zusätzlich in die Gemeindekasse spülen.

Unmut wegen Finanzausgleich

Liegenschaftenvorstand Epprecht machte darauf aufmerksam, dass die Gemeinde in den 70er-Jahren den Steuerfuss kurzzeitig sogar auf 105 Prozent erhöhte. Das ginge heute aber nicht mehr, da der Finanzausgleich, in den die Gemeinde derzeit rund 28,6 Millionen Franken pro Jahr einzahlt, den Spielraum einenge.

Im Publikum war eine gewisse Unmut über den kantonalen Finanzausgleich zu spüren. Jahrelang, so der Tenor, habe Zumikon für finanzschwächere Gemeinden bezahlt – und nun fehle das Geld für die Erneuerung der eigenen Infrastruktur. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.06.2017, 09:18 Uhr

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