Bezirksgericht Meilen

Familienvater soll für Prügelattacken ins Gefängnis

Ein Mann soll seine Familie mit dem Tod gedroht, sie regelmässig verprügelt und gewürgt haben. Dennoch sagen seine Kinder, er sei ein guter Vater. Der Staatsanwaltschaft ist dies egal. Sie fordert einen Landesverweis.

Ein Familienvater aus dem Bezirk Meilen soll Frau und Kinder während fünf Jahren immer wieder geschlagen und gewürgt haben. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe sowie ein Landesverweis.

Ein Familienvater aus dem Bezirk Meilen soll Frau und Kinder während fünf Jahren immer wieder geschlagen und gewürgt haben. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe sowie ein Landesverweis. Bild: Manuela Matt

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Vater, Mutter, Tochter, Sohn – Was nach einer Bilderbuchfamilie klingt, offenbart sich vor dem Bezirksgericht Meilen als ein Martyrium von häuslicher Gewalt. Immer wieder soll ein am rechten Zürichseeufer wohnhafter Mann in den Jahren 2013 bis 2018 gegenüber seiner Frau und den gemeinsamen Kindern handgreiflich geworden sein.

Von Tritten, Faustschlägen, Kopfnüssen und starken Ohrfeigen in Verbindung mit verbalen Auseinandersetzungen ist in der Anklageschrift die Rede. Auch gewürgt haben soll der gebürtige Südeuropäer seine Familienmitglieder. Zwischen ihm und seiner Tochter im Sekundarschulalter soll es gar zu einem derart heftigen Streit gekommen sein, dass der Vater sie am Hals packte und ihr gleichzeitig für eine unbestimmte Dauer Mund und Nase zu drückte. Die junge Frau sei daraufhin in Atemnot geraten und in ihrem Gesicht seien diverse Punkteinblutungen entstanden. Zuvor soll der Vater zudem den Kopf des Kindes mehrmals gegen die Wand geschlagen haben.

Schubsereien gehörten dazu

Vor Gericht deutet nichts auf den aggressiven und unkontrollierten Vater hin, den Mutter und Kinder in ihren Aussagen beschreiben. Den von einer Dolmetscherin übersetzten Anklagepunkten, mehrfache Tätlichkeiten, mehrfache schwere Drohung und Gefährdung des Lebens, lauscht der tattowierte Mann mit graumeliertem Haar ruhig und erklärt schliesslich: «Wir hatten viele, heftige Auseinandersetzungen und haben uns wirklich sehr schlimme Dinge an den Kopf geworfen, aber geschlagen habe ich meine Familie nie.»

Hingegen gibt der Mann zu, dass er Frau wie Kinder während den Streitereien schon mal gegen eine Wand oder auf das Bett geschubst habe. Geständig ist der Mann auch bezüglich einer Ohrfeige, die er seinem Sohn verpasst haben soll «Er hat seine Schwester beleidigt und ich wollte ihm mit dem Klaps zu verstehen geben, dass er sich nicht so zu verhalten habe.»

Ungenaue Erinnerungen

An viele Ereignisse, auf die die Richter ihn ansprechen, kann sich der Mann nicht mehr so genau erinnern. Dennoch sagt er: « Ich glaube nicht, dass die Auseinandersetzungen so heftig waren. Ich würde nie so etwas machen.»Zu den Erinnerungslücken des Mannes passt dafür, dass sowohl seine Ehefrau als auch die beiden Kinder in ihren Einvernahmen davon sprechen, dass es immer dann zu Streit und Gewalt kam, wenn der Vater getrunken habe. So zitiert der Richter etwa eine Aussage des Sohnes, wonach dieser sich ein Vater wünsche, der nicht mehr trinke und schlage. Beide Kinder bezeichneten ihren Vater abseits der Prügelattacken denn auch als guten und liebevollen Vater.

Wenn er abends nachhause gekommen sei, dann habe er schon mal Bier und Wein getrunken, gibt der Beschuldigte zu.

Wenn er abends nachhause gekommen sei, dann habe er schon mal Bier und Wein getrunken, gibt der Beschuldigte zu. Auch Kokain habe er gelegentlich konsumiert. Vor einigen Jahren sei er gar in ambulanter Behandlung gewesen deswegen. Ein Suchtproblem will er aber nicht haben.

Für die Staatsanwältin wiegen die Vorwürfe und Beweise gegen den Beschuldigten schwer. Sie fordert eine Freiheitstrafe von drei dreiviertel Jahren sowie ein Busse von 2000 Franken und einen Landesverweis für sieben Jahre. Die Zeugenaussagen seien im Kern allesamt stimmig, nachvollziehbar und detailreich. Auch die ärztlichen Gutachten würden die Schilderungen von Mutter und Kindern stützen. Auf der anderen Seite habe sich der Beschuldigte immer wieder in Widersprüche verstrickt.

Übersetzungsprobleme

Die Verteidigerin des Beschuldigten fordert derweil einen Freispruch ihres Mandanten bezüglich der Gefährdung des Lebens als auch der mehrfachen schweren Drohung. Für die Schubsereien und die Ohrfeige, welche ihr Mandant gestanden hat, sei lediglich eine Busse von 2000 Franken auszusprechen. Die widersprüchlichen Angaben ihres Mandanten rührten von einer ungenauen Übersetzung her, erklärt die Verteidigerin. So habe jene Dolmetscherin, welche die Einvernahmen ihres Klienten begleitet habe, einen anderen Dialekt gesprochen, als der Beschuldigte. Hingegen gäbe es keine Erklärung dafür, dass die Aussagen der Tochter in den unterschiedlichen Einvernahmen variieren würden. Für die Unschuld des Vaters spreche auch, dass das Mädchen seiner Grossmutter, der sie sehr nahe stehe, nichts von den Vorfällen erzählt habe. Und für die Ehefrau seien die Vorwürfe und die Anzeige schliesslich ein guter Grund gewesen, für eine Trennung, da sie angeblich bereits seit längerem eine Beziehung mit einem anderen Mann führe.

Das Urteil des Bezirksgerichts steht noch aus.

Erstellt: 13.11.2019, 16:04 Uhr

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