Männedorf

Advent, Advent, der Postbote rennt

Die Vorweihnachtszeit bedeutet für die Angestellten der Post vor allem eines: Stress pur. Die ZSZ hat sich für einen Tag an die Fersen des Paketboten Mathias Özdemir geheftet und mit ihm fast 350 Pakete ausgeliefert.

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Funkelnde Lichterketten an den Häuserfassaden, schneebedeckte Landschaften, gemütliches Beisammensitzen oder der Duft von Mandarinen und Glühwein - all dies sind mit Weihnachten verbundene Assoziationen. Fragt man aber Mathias Özdemir und seine Kollegen, was sie mit dem Fest der Liebe verbinden, dann bekommt man eine weitaus weniger romantische Antwort. «Weihnachten bedeutet für uns vor allem längere und härtere Arbeitstage», sagt der Paketbote der Schweizerischen Post. Bis zu zehn Stunden ist der 36-Jährige in der vermeintlich so besinnlichen Adventszeit täglich von Haus zu Haus unterwegs.

Özdemir arbeitet seit zehn Monaten als Paketbote bei der Post. Seine Route führt in täglich an den Zürichsee. Genauer sorgt der Deutsche dafür, dass die Männedörfler ihre Pakete zugestellt bekommen. Dafür muss Özdemir früh aus den Federn. Denn bereits um sechs Uhr morgens beginnt sein Arbeitstag in der Distributionszentrale Hinwil. Das Aufstehen falle ihm zwar alles andere als leicht, den Job missen möchte der in Turbenthal wohnhafte Mann aber nicht. «Ich arbeite alleine und habe viel Eigenverantwortung, schätze aber auch den Kundenkontakt. Für mich ist das die perfekte Mischung.» Sagts und macht sich sogleich daran, die gut 350 Pakteten, die in mehreren Rollwagen rund um den gelben Lieferwagen stehen in ebendiesen einzuladen.

«Weihnachten bedeutet für uns vor allem längere und härtere Arbeitstage.»Mathias Özdemir

Für das Beladen der Fahrzeuge arbeiten die Paketboten in Zweierteams. Während der Fahrer des jeweiligen Lieferwagens im Laderaum steht, agiert eine Kollegin oder ein Kollege von draussen als Handlanger. Sind alle Pakete verstaut, wechseln die Duos das Fahrzeug und damit die Rollen.

Von Frauenfeld nach Hinwil

Währenddessen neigt sich der Arbeitstag von Nicole Maurer schon beinahe dem Ende zu. Am Vorabend um 19 Uhr hat sie ihre Schicht angetreten. Mitten in der Nacht dann hat die Chauffeurin mit ihrem doppelstöckigen Sattelschlepper Hinwil erreicht. Im Gepäck über 2000 Päckli, die im Paketzentrum Frauenfeld sortiert wurden und später von der Distributionsbasis aus von den gut 90 Paketboten ins Zürcher Oberland und ans rechte Zürichseeufer geliefert werden. Kaum sind die gut 36 Rollwagen voller Pakete ausgeladen, macht sich Maurer daran, die neu aufgegebene Sendungen im Innenraum des grossen Lastwagens zu verstauen. Der Zeitplan ist eng. Bereits in der Folgenacht werden manche der Sendungen fein säuberlich sortiert wieder in Hinwil sein.

Während Maurer mit ihrem Sattelschlepper wieder von dannen fährt, tupft sich Mathias Özdemir die ersten Schweissperlen von der Stirn. In der grossen Halle ist es zwar kaum 16 Grad warm, dennoch arbeiten viele von Özdemirs Kollegen gar im T-Shirt. Gesprochen wird kaum, dafür umso emsiger gearbeitet. Eins ums andere verschwinden die Pakete in den Fahrzeugen.

Der Duft von Karton

Warensendungen bis zu 30 Kilogramm hieven und liefern die Päcklipöstler selber aus. Nicht selten haben sie es aber auch mit deutlich schwereren Gütern zu tun. Manche Pakete sind zudem so sperrig, dass sie nicht einmal in einem völlig leeren Lieferwagen Platz finden. In solchen Fällen muss eine Speziallösung her. «Solche Lieferungen fahren wir nach unseren Touren zu zweit aus», erklärt Özdemir.

«Von mir kriegt sogar die Post ihre Post»Mathias Özdemir

Gut eineinhalb Stunden nach seinem Schichtbeginn lenkt Mathias Özdemir den vollbepackten Lieferwagen aus der grossen Halle gegenüber dem Strassenverkehrsamt hinaus. Im Auto riecht es intensiv nach Karton und Klebestoff. Während der Fahrt nach Männedorf bleiben erstmals ein paar Minuten, um zu verschnaufen. Kaum in der Seegemeinde angekommen, beginnt der Stress jedoch von Neuem. Bis neun Uhr müssen nämlich alle Expresszustellungen bei ihren Empfängern sein.

Alles im Kopf

Für Özdemir bedeutet dies ein Spiessroutenlauf quer durch die Gemeinde. Eine der ersten Stationen, die der 36-Jährige ansteuert, ist die Männedörfler Poststelle. «Von mir kriegt sogar die Post ihre Post», meint Özdemir lachend. Dann geht es auch schon weiter. Das nächste Ziel ist der Labortechnikhersteller Tecan. Das Unternehmen wird täglich von Özdemir beliefert. An diesem Tag sind es beinahe zwei duzend Pakete, die hier den Lieferwagen verlassen. Ein erstes Mal steigt der Pöstler nun in den Innenraum des Wagens, um die Pakete für die nächsten Stationen in Griffnähe anzuordnen.

Der Deutsche hat wie alle seine Kollegen seine Tour komplett im Kopf. Bereits beim Einladen in Hinwil erstellt er spontan, je nach Menge der Pakete und deren Grössen, einen Plan, wie er diese am sinnvollsten anordnet. Unterstützend helfen ein paar wenige Zettel mit Strassennamen an den Innenwänden des Fahrzeugs.

Trotz Kälte kann er lächeln

Draussen zeigt das Thermometer an diesem Morgen Minusgrade an. Aber auch im Inneren des Lieferwagens wird es zusehends frostiger. Denn bei dem ständigen Stop-and-go und Türe-auf-und-zu nützt auch die Fahrzeugheizung nichts mehr. «Die Kälte ist für mich persönlich das härteste an diesem Job», sagt Özdemir und präsentiert die schmerzhaften Risse in seinen Fingern. Trotz der garstigen Bedingungen trägt der 36-Jährige aber auch kurz vor dem Mittag noch ein Lächeln auf den Lippen und überbringt mit jedem Paket auch ein paar gute Wünsche.

«Die Kälte ist für mich persönlich das härteste an diesem Job.»Mathias Özdemir

Oftmals bleibt sein Klingeln aber auch unbeantwortet. Nicht in allen diesen Fällen muss Özdemir seine Lieferung aber wieder mitnehmen. Der Postbote kennt seine Kunden und die Örtlichkeiten mittlerweile derart gut, dass er genau weiss, wo er wann, welches Paket deponieren kann und dem Empfänger damit den Gang zur Post erspart.

Vormittags hat Özdemir eine viertelstündige Pause zu gute. Das reicht gerade, um kurz eine Banane und ein Pack Guetzli zu kaufen. Mittags verabredet sich der Paketbote dann – wann immer es passt – mit seinen Postbotenkollegen. Während sie in den Sommermonaten ihre Pause vor allem am See verbringen, sind die Männer und Frauen in den Wintermonaten froh, sich im Migrosrestaurant aufwärmen zu können.

Eine halbe Stunde bleibt dafür. Danach ziehen sie wieder in alle Richtungen los. Denn erst wenn auch das letzte Paket sein Ziel erreicht hat, wird Feierabend gemacht.

Erstellt: 18.12.2018, 14:32 Uhr

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