Zollikon

Abstimmungskampf zur Zukunft des Beugi-Areals nimmt Fahrt auf

Am 10. Juni entscheiden die Stimmberechtigten von Zollikon an der Urne über eine Initiative zur Zukunft des Beugi-Areals – und damit über die künftige Gestaltung des Ortskerns. Der Abstimmungskampf ist mit einem Informationsanlass im Gemeindehaus lanciert worden.

Auf dem Areal des früheren Altersheims Beugi sollen Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen. Offen ist noch, wer bauen darf.

Auf dem Areal des früheren Altersheims Beugi sollen Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen. Offen ist noch, wer bauen darf. Bild: Michael Trost

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Konkret wird am 10. Juni in Zollikon über die Einzelinitiative von Jürg Widmer abgestimmt, der die Abgabe des zentral gelegenen Grundstücks im Baurecht an fünf Zolliker Baugenossenschaften verlangt. Sie wollen preisgünstige Wohnungen und Raum fürs Gewerbe schaffen – ohne jedoch einen weiteren Grossverteiler in der künftigen Siedlung unterzubringen.

Genau dies sieht hingegen das Projekt des Gemeinderats vor, das schon seit fünf Jahren geplant wird. Sein Vorschlag: Das Areal des früheren Altersheims, das nun für drei Jahre von ETH-Studenten bewohnt wird, soll im im Baurecht an die Stadtzürcher Baugenossenschaft Zurlinden abgegeben und auch von Coop benutzt werden. Der Grossverteiler hat sich bereit erklärt, dort eine Filiale zu betreiben.

Der Gemeinderat erlitt mit seinem Vorschlag an der Gemeindeversammlung im März 2017 aber eine Niederlage, da die Zolliker dem Gegenvorschlag zustimmten, der von Widmer und den örtlichen Baugenossenschaften eingereicht wurde. Weil der Zolliker FDP-Nationalrat Beat Walti jedoch mit dem erforderlichen Drittel der Stimmberechtigten eine Urnenabstimmung zur Initiative erwirkte, kommt es nun zur Abstimmung. Dies auch deshalb, weil eine zwischenzeitliche Beschwerde des EVP-Lokalpolitikers Felix Wirz gegen diesen Entscheid abgewiesen wurde.

Kontroverser Grossverteiler

Der Abstimmungskampf hat am Dienstagabend mit einer Informationsveranstaltung im Gemeindesaal Fahrt aufgenommen. Dabei trat der Zolliker Gemeinderat unter der Führung von Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz (FDP) in corpore an, um für eine Nein zur Intitiative zu werben. Der ehemalige SVP-Gemeinderat Widmer wiederum versuchte die rund 140 anwesenden Bürgerinnen und Bürger davon zu überzeugen, dass dass das Projekt der Genossenschaften besser für Zollikon sei. Präsent an der Veranstaltung waren auch Mitglieder der örtlichen Verwaltung, zwei Vertreter von Coop sowie der Chef der Baugenossenschaft Zurlinden.

Jürg Widmer begründete bei seinem Auftritt, warum der Gemeinderat mit seinem Projekt auf «das falsche Ross» setze. Die örtlichen Genossenschaften seien sehr gut in der Lage, eine Überbauung selber zu realisieren – und zwar erst noch «günstiger und nachhaltiger» als der Konkurrent aus Zürich, argumentierte er unter anderem. Es brauche im Dorf auch keinen zusätzlichen Grossverteiler, der für einen massiven Lastwagenverkehr und ein Verkehrschaos sorge, meinte er. Die Verkehrsprognosen des Gemeinderats seien viel zu tief.

Ferner machte Widmer klar, dass die Baugenossenschaften und das Gewerbe manchen Beteuerungen des Gemeinderats misstrauen: So etwa der Aussage, dass ein Coop für den Dorfmarkt und lokale Geschäfte keine Konkurrenz sei. Oder der Kritik, dass die Zolliker bei der Annahme der Initiative nicht wirklich wüssten, wie es mit dem Dorfzentrum nun weitergehen solle. Der Gemeinderat plane mit seinem Projekt seit Jahren an der Bevölkerung vorbei und habe kritische Stimmen immer wieder ignoriert. «Wir sind die richtigen Partner für eine Überbauung», bilanzierte er, «wir realisieren das Bessere für die Hälfte.»

Spürbare Gräben

Gemeindepräsidentin Kull-Benz und ihr designierter Nachfolger Sascha Ullmann (GLP) konterten mit mehreren Gegenargumenten: Erstens sei die Belebung und nachhaltige Entwicklung des Dorfzentrums gefährdet, wenn man auf das Projekt mit der Genossenschaft Zurlinden und dem Coop verzichte. Zweitens bedeute die Annahme der Inititative, dass Zollikon mit Blick auf sein «Filetstück» im Zentrum auf erhebliche Einnahmen aus dem Baurechtszins verzichte und der mit Kosten verbundene Planungsprozess einfach abgewürgt werde. Und drittens löse die Initiative Widmer überhaupt keine Verkehrsprobleme, sondern verlagere sie einfach an andere Orte. «Wird die Inititative angenommen», warnte Kull-Benz, «müssen wir zurück auf Feld eins.» Damit sei auch die jahrelange und seriöse Planung der Gemeinde für die Katz. Besser für die Zolliker sei deshalb ein Nein an der Urne, denn dann könnten das Projekt des Gemeinderats weiterverfolgt und die nötigen Entscheide zur Umzonung, zum Gestaltungsplan und zum Baurecht in absehbarer Zeit der Gemeindeversammlung vorgelegt werden.

Obwohl die Gräben zwischen Gemeinderat und örtlichen Genossenschaften an der Veranstaltung spürbar waren, war die Diskussion nicht besonders kontrovers. Kritische Bemerkungen gab es etwa zur Frage, ob es wirklich noch mehr Verkehr im Dorf respektive Konkurrenz für die Läden brauche – oder oder zu den effektiven Kosten der Bauprojekte für die Steuerzahler. Fragen gab es auch zu den Finanzen und der Gemeinnützigkeit der Baugenossenschaften: Hier forderte eine Votantin mehr Transparenz. Ein Bürger wollte wissen, wie viel Geld der Gemeinderat schon in die Planung investiert habe, worauf Kull-Benz erklärte, das könne man noch nicht sagen, aber der Planungskredit von 690 000 Franken werde sicher nicht überzogen.

Genossenschaft entwarnt

Urs Frei, der Chef der Baugenossenschaft Zurlinden, versuchte schliesslich, alle Zolliker zu beschwichtigen, die einem Baupartner aus Zürich kritisch gegenüberstehen: Man werde das lokale Gewerbe bei den Aufträgen sehr wohl berücksichtigen, betonte er, und auch die Erstvermietung von Wohnungen gerne den lokalen Baugenossenschaften überlassen. Worauf Jürg Widmer konterte, dass er da seine Zweifel habe: «Das ist», sagte er, «wohl nur auf dem Papier so.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.05.2018, 14:58 Uhr

Die zwei Bauprojekte

Gemeinderat/Baugenossenschaft Zurlinden: Überbauung mit 50 Mietwohnungen (2,5- bis 4,5-Zimmer) mit Mietzinsen im mittleren Segment. Im Erdgeschoss Flächen fürs Gewerbe und Dienstleister sowie im Untergeschoss Platz für einen grossen Detailhändler – mit einer Zusage von Coop. Abgabe des Areals im Baurecht für 82 Jahre an die Baugenossenschaft Zurlinden. Jährlicher Baurechtszins: 1 Million Franken.

Einzelinitiative Widmer: Preisgünstige Wohnungen für alle Altersklassen, darunter je ein Drittel für Senioren und Familien. Dazu Flächen für das Kleingewerbe, aber kein Grossverteiler. Abgabe im Baurecht für 62 Jahre an fünf Zolliker Baugenossenschaften. Jährlicher Baurechtszins: 300 000 Franken.

Mehr Informationen und Argumente: www.zollikon.ch und www.beugizollikon.com

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