Herrliberg

Abends muss die Schiedsrichterpfeife stumm bleiben

Eine Gruppe von Anwohnern bezweifelt, dass der Betrieb der Sportanlage Langacker legal ist. Ein Strauss von Massnahmen, die für mehr Ruhe sorgen sollen, genügt ihnen nicht. Eine strittige Rolle spielt dabei der neue Kunstrasen.

Das Kunstrasenfeld auf dem Sportplatz Langacker?ermöglicht eine intensive Nutzung. Das passt nicht allen, die in der Nähe wohnen.

Das Kunstrasenfeld auf dem Sportplatz Langacker?ermöglicht eine intensive Nutzung. Das passt nicht allen, die in der Nähe wohnen. Bild: Moritz Hager

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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – das ist eine Binsenwahrheit im Fussball. Auf die Herrliberger Sportanlage Langacker gemünzt, könnte man auch sagen: Nach dem Training ist vor dem Training. 30 Mannschaften des FC Herrliberg feilen hier regelmässig an ihren fussballerischen Fertigkeiten, jeden Tag unter der Woche bis um 22 Uhr. Damit sie aneinander vorbeikommen, ist der Trainingsplan auf die Viertelstunde genau getaktet. Hinzu kommen, insbesondere an Wochenenden, die Matches.

Der Ball rollt im Langacker also fast ohne Unterlass. Das bringt Lärm mit sich, sei es durch ­Pfiffe, Rufe, Torjubel oder zu- und wegfahrende Autos. Und genau das passt nicht allen. Drei Anwohner haben beim Gemeinderat Klage erhoben, weil sie sich von den Lärm- und Lichtimmissionender Sportanlage gestört fühlen. Das war im September 2012. Seither beschäftigt die Angelegenheit die Behörden und Gerichte.

Kunstrasen neu, alles neu?

Die Geschichte des Sportplatzes Lang­acker geht fast 50 Jahre zurück. 1968 erstellte die Gemeinde, der die Anlage gehört, dort ein erstes Fussballfeld. 1975 wurde der FC Herrliberg gegründet, dem der Sportplatz seither zur Verfügung steht. Er wurde sukzessive ausgebaut und erhielt schliesslich 2007 für 2,5 Millionen Franken einen Kunstrasen.

Die Kläger argumentieren, aus genau diesem Grund handle es sich beim Langacker um eine Neu­anlage gemäss Lärmschutzverordnung. Dies ist massgebend für die Beurteilung der Störungen, die von einer solchen An­lage ausgehen dürfen. Die Baukommission ist anderer Meinung: ­Der Sportplatz sei eine «bestehende orts­feste Anlage», die mit dem Kunstrasen bloss eine «wesent­liche Änderung» erfahren ­habe. Diese Einschätzung teilt die Firma Pöyry AG, die im Auftrag der Gemeinde die Lärm- und Licht­situation im Langacker abklärte.

Die rechtlichen Betrachtungen zum Thema füllen diverse Seiten. Das Fazit der Baukommission lautet: «Einerseits ist dem Ruhebedürfnis der Anwohner Rechnung zu tragen. Anderseits ist aber das öffentliche Inter­essean der angestammten Benutzung vor allem durch den FCH gebührend zu gewichten.» So steht es in einem Protokoll vom 30. November 2015.

Sonntägliche Mittagsruhe

Gaudenz Schwitter (FDP), Präsident der Baukommission und Hoch­­bauvorstand in Herrliberg, sagt gegenüber der ZSZ, die In­te­r­essenabwägung sei «sehr sorgfältig» erfolgt. Verschiedene Vari­anten zum Lärmschutz seien geprüft worden. Die Behörde habe dabei ihren Ermessensspielraum ausgeschöpft, zumal das Gesetz keine fixen Belastungsgrenzwerte für Sportanlagen vorgebe. Verfügt wurden schliesslich mehrere Massnahmen. «Weitergehende Einschränkungen erachtete die Baukommission als unverhältnismässig», sagt Gaudenz Schwitter, «da sie den Betrieb der Sportanlage zu stark einschränken würden.»

Zum einen darf während der Trai­nings am Abend, also von 20 bis 22 Uhr, keine Pfeife mehr gebraucht werden. Zweitens sind von Montag bis Freitag zwischen 20 und 22 Uhr keine Meister­schafts­spiele der 1. bis 3. Mannschaft der Herren erlaubt; auf dem Trainingsfeld überhaupt keine Spiele. Am Sonntag gilt auf dem Kunstrasenplatz eine Spielpause von 12.15 bis 13.45 Uhr. Und schliesslich gilt nach 22 Uhr Nacht­ruhe, womit draus­sen überhaupt kein Lärm mehr verursacht werden darf.

Die Gemeinde als Grund­eigen­tümerin wird verpflichtet, das Benützungsreglement entsprechend anzupassen. Ausserdem muss sie einen Zuschauerbereich an der nordwestlichen ­Ecke des Kunstrasenfeldes aufheben.Und schliesslich wird auch die Beleuchtung auf dem Sportplatz einer Kur unterzogen, damit sie die Umgebung weniger stört.

Vorwurf an Gemeinde

Die Auflagen sind noch nicht rechts­kräftig, weil zwei der Nachbarn dagegen Rekurs ergriffen haben. Ihr Anwalt sagt gegenüber der ZSZ, dass das Betriebsreglement nur ein Teilaspekt der Fragestellung sei. Die Gemeinde Herrliberg habe seinerzeit die Bewilligung für den Einbau des Kunstrasenbelags «in eigener ­Sache», also ohne die erforder­liche öffentliche Auflage, erteilt. Seine Mandanten hätten daher eine nachträgliche Überprüfung der Lärm- und Lichteinwirkung verlangt. Die Gerichte müssten nun klären, wie eine «umweltschutzrechtlich konforme Immissionssituation herbeizuführen» sei. Derzeit ist das Verfahren am Baurekursgericht hängig.

Die Herrliberger Baukommission stellt im zitierten Protokoll fest, dass der vor acht Jahren eingebaute Kunstrasen «rechtskräftig bewilligt» worden sei. Nachträgliche Lärmschutzmassnahmen hätten daher verhältnis­mässig zu sein. Angesichts der beschlossenen Auflagen findet Gaudenz Schwitter deutliche Worte. Namens des Gesamt­gemeinderats bezeichnet es der Hochbauvorstand als «unverständlich, dass trotz der verfügten Einschränkungen immer noch rekurriert wird».

Erstellt: 28.04.2016, 09:52 Uhr

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