Männedorf

Ab und zu ein Fisch reicht dem Otter nicht

Für die Betreuer des Fischottergeheges gibt es keine Ferien. Tag für Tag kümmern sie sich um das Männchen Ivo, das einen speziellen Menüplan hat und sich manchmal wie eine Diva aufführt.

In Männedorf lebt Fischotter Ivo – das Wappentier der Gemeinde – in einem Gehege beim Hallenbad. Doch bald muss er umziehen.
Video: Martin Steinegger

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Ivo versteckt sich im Busch. Erst als Daniel Scheitlin einen Schritt auf ihn zu macht, kommt der Fischotter aus dem Dickicht hervor. Mit einer wellenartigen Bewegung gleitet er ins Wasser. Dort taucht er ab, von den Besuchern will er nichts wissen. Er hält nur kurz seine Schnauze über Wasser, wenn er atmen muss. Dann verschwindet er wieder – da nützt auch gutes Zureden von Scheitlin nichts.

Der Männedörfler ist einer der Betreuer des Fischottervereins, der sich um Ivo und dessen Gehege in der Nähe des Hallenbads kümmert. Zwei Mal täglich muss jemand vorbeischauen, um das Tier zu füttern. Am Morgen oder gegen Mittag platzieren die Betreuer jeweils Futter in eine Plastikkugel mit Löchern, aus welcher der Otter die Happen fischen muss. «Das ist gut, weil es ihn beschäftigt und er damit spielen kann», sagt Scheitlin. Die Kugel – es gibt verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Öffnungen – dürfte vielen Besuchern des Geheges schon aufgefallen sein. Sie schwimmt oft obenauf im Becken.

Abends erhält Ivo eine zweite Mahlzeit. Zu dieser Zeit bekomme man ihn häufiger zu Gesicht, da er eher nachtaktiv sei, sagt Scheitlin. «Manchmal ist er dann sehr neugierig.» Sein Kollege Michael Burlet, Präsident des Vereins, lacht und ergänzt. «Klar, vor allem dann, wenn er hungrig ist.»

Die Krähen fressen mit

Am Abend verstecken die Betreuer das Fressen unter Töpfen und in Baumstämmen, sodass sich Ivo seine Mahlzeit erneut verdienen muss. Der Menüplan ist abwechslungsreich: Es gibt Schwalen, welche die Männedörfler Berufsfischer Küde und Sämi Weidmann aus dem See gezogen haben und die sie nicht gut verkaufen können, hin und wieder eine Forelle sowie Rindsragout oder Eintagsküken aus der Zoohandlung. Letzteres sind männliche Küken, die getötet werden, weil sie sich anders als die Weibchen nicht für die Mast eignen.

Der Fischotterverein lagert das Futter in einem grossen Tiefkühler in einem Nebenraum der Anlage. Scheitlin öffnet eine Truhe und zieht ein totes Bibeli hervor. «Wenn wir Ivo am Vormittag füttern, nehmen wir bereits die nächste Mahlzeit aus dem Kühler, um sie für den Abend aufzutauen», sagt er.

Auf das Futter ist übrigens nicht nur Ivo wild. «Wir müssen immer ein Auge auf die Krähen haben», sagt Walter Büeler, ein weiterer Freiwilliger, der bereits seit 1988, den Anfängen des Vereins, tatkräftig anpackt. Die Krähen hätten gelernt, das Futter unter den Töpfen hervorzuziehen, sagt er. Und Scheitlin erinnert sich: «Nachbarn haben schon einen Fisch in ihrem Garten gefunden und sich gewundert, wo der wohl herkommen mag.»

Die Betreuer haben also immer wieder Grund zum Schmunzeln, und an Ivo selbst erfreuen sie sich ohnehin Tag für Tag. Allerdings ist ihre Arbeit aufwendig. Mittags benötige er zwar nur etwa eine Viertelstunde, um Ivo zu füttern und die Anlage für die Öffentlichkeit aufzusperren, erzählt Daniel Scheitlin. Abends sei er aber sicher 45 Minuten lang beschäftigt. Denn dann putzt er auch den Stall, kontrolliert, ob die Stromversorgung und die Wasserfilteranlage noch funktionieren, und schliesslich sperrt er die Anlage wieder zu.

Monatlicher Grossputz

In Ferienzeiten, wenn einige Kollegen abwesend seien, könne es sogar vorkommen, dass er sich drei oder vier Tage hintereinander um den Fischotter kümmern müsse, erzählt der Männedörfler. Das sei dann schon intensiv.

Zu den täglichen Pflichten kommen weitere Aufgaben, etwa monatlich eine halbtägige Putzaktion im Aussengehege. Dann wird unter anderem das Wasser abgelassen und das Becken geputzt. Die Arbeit geht also nicht aus. Der Fischotterverein sucht deshalb stetig Helfer, damit sich die zeitliche Belastung auf mehrere Schultern verteilt. Derzeit sind neun Betreuer regelmässig im Einsatz sowie sporadisch drei weitere Helfer. Gemeinsam leisten sie gemäss Präsident Michael Burlet – Sitzungen des Vorstands und andere Arbeiten inbegriffen – 1300 Stunden ehrenamtliche Arbeit im Jahr.

Von all diesem Aufwand bekommt Ivo jedoch wenig mit. Er taucht erneut verspielt im Becken auf und mustert für einmal kurz die Besucher, die auf ihn herunterschauen. Dann schnaubt er, und schon ist er wieder weg.

Öffentliche Fütterung «Fischotter entdecken»: Mittwoch, 24. Juli, 21. August und 25. September, 19 bis 20 Uhr, Fischottergehege beim Parkplatz des Hallenbads.

Erstellt: 22.07.2019, 15:20 Uhr

Fischotter

Verein sucht Helfer und Mitglieder

Seit 31 Jahren betreibt der Fischotterverein in Männedorf ein Gehege. 13 Otter haben während dieser Zeit in der Gemeinde, die das Tier im Wappen führt, gelebt. Sechs Junge sind in Männedorf zur Welt gekommen, wovon fünf an Zoos und Tierparks abgegeben wurden. Einen gewissen Rummel löste vor einigen Jahren Fischotter Bolek aus, der aus dem Gehege ausbüchste und verschwand. Später wurde ein Otter in einer Fischtreppe am Rhein gesichtet und gemutmasst, dass es sich um den Ausreisser handeln könnte.

Für Aufregung sorgte aber vor einem Jahr auch die Neuigkeit, dass die Stiftung Seniorenwohnungen Männedorf, die das Land dem Verein zur Verfügung gestellt hatte, Eigenbedarf für das Grundstück anmeldete. Die Stiftung will darauf neue Alterswohnungen bauen. Der Verein muss deshalb bis Mitte 2020 von seinem angestammten Platz weg. Gemäss Präsident Michael Burlet hat der Verein inzwischen einen neuen Standort in Aussicht. Er hofft, diesen bis im Herbst bekannt geben zu können. Dringend benötigt werden zudem neue Helfer – auch schon am alten Standort.

Überdies möchte der Fischotterverein neue Mitglieder finden, da er sich ausschliesslich über Mitgliederbeiträge und Sponsoring finanziert. Der Betrieb der Anlage, die Versorgung mit Wasser und Strom, Reparaturen und Unterhaltsarbeiten sowie das Futter für Ivo verschlingen nämlich jährlich rund 15'000 Franken. (miw)

Kontakt für neue Helfer und Mitglieder: www.fischotterverein.ch, fischotterverein@gmail.com

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