Zumikon

Wildunfälle fordern die Jagdaufseher

Diese Woche ist eine zusätzliche Jagdaufseherin vereidigt worden. Sie soll die Jagdgesellschaft Zumikon unterstützen, die oft wegen Wildunfällen ausrücken muss.

In der Region Pfannenstiel gehen besonders viele tote Rehe aufs Konto von Verkehrsunfällen.

In der Region Pfannenstiel gehen besonders viele tote Rehe aufs Konto von Verkehrsunfällen. Bild: Symbolbild/Archiv ZSZ

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Die Zumiker Jagdgesellschaft braucht Unterstützung. Dies ist dem Sitzungsbericht des Gemeinderats Zumikon zu entnehmen. Laut diesem hat die Anzahl Wildunfälle und die damit verbundenen Belastungen für die Jagdaufseher und Pächter tendenziell zugenommen.

Der Gemeinderat hat deshalb der Ernennung einer neuen Jagdaufseherin zugestimmt: Cecile Ritscher besitzt seit zehn Jahren die erforderlichen Prüfungen. Die 54-Jährige war bis 2017 bereits für acht Jahre Jagdaufseherin im Zollikon. Am Donnerstag wurde sie nun vom Statthalteramt zur Aufseherin der Jagdgesellschaft Zumikon vereidigt. Damit sind es ab sofort vier Verantwortliche, die bei einem Wildunfall im Gebiet Zumikon ausrücken können. Neben Ritscher sind dies Obmann und Pächter Peter Schönmann sowie die zwei weiteren Pächter Kurt Erni und Thomas Schoch.

Bereits 22 Verkehrsunfälle

«Nur Pächter und vereidigte Jagdaufseher dürfen diese Pflicht übernehmen», erklärt Peter Schönmann, Obmann der Zumiker Jagdgesellschaft. Leider nehme die Zahl der Wildunfälle tendenziell zu. Etwa 25 bis 30 Mal pro Jahr rückten die Zumiker in den vergangenen Jahren für Fallwild aus. Das ist Wild, das ohne jagdliche Einwirkung zu Tode gekommen ist. Zwei Drittel davon gehen aufs Konto von Verkehrsunfällen. «In diesem Jahr dürften es deutlich mehr werden, da wir bereits jetzt 22 Fälle registriert haben», sagt Schönmann.

«Das Ausrücken bei einem Wildunfall gehört zu unseren Pflichten als Pächter oder Jagdaufseher eines Jagdreviers.»Peter Schönmann, Obmann Jagdgesellschaft Zumikon

Als Grund für den Anstieg nennt er den zunehmenden Verkehr und die nicht angepasste Fahrweise mancher Fahrzeuglenker. «Einige fahren nachts mit einer so unvernünftig hohen Geschwindigkeit dem Waldrand entlang, dass sie niemals rechtzeitig bremsen können.» Eine Tempolimite an den Stellen mit hohem Wildwechsel würde laut dem Obmann die Situation entschärfen. Doch für Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den betreffenden Strassen müsste der Kanton aktiv werden, sagt Schönmann. Ein Gespräch stehe noch an.

Flucht nach Unfall

Die Jagdgesellschaft hat bereits mit diversen Mitteln versucht, die Wildtiere am Überqueren der Strasse zu hindern: Mit Verblenden, dem Aufhängen von CDs, dem Anbringen elektrischer Wildwarnern oder blauen Reflektoren. «Kurzfristig nützen die Massnahmen etwas, aber dann gewöhnen sich die Tiere wieder daran.» In letzter Zeit sei es vermehrt vorgekommen, dass Fahrer sich nach einem Zusammenstoss mit Wild einfach aus dem Staub gemacht und das Reh, den Fuchs oder den Dachs ihrem Schicksal überlassen hätten. Dabei ist das Vorgehen bei einem Wildunfall denkbar einfach: Ein Anruf bei der Polizeinotrufnummer 117 genügt, und diese bietet den zuständigen Pächter oder Jagdaufseher auf. Der rückt sofort aus. «Wir sind verpflichtet, ein verletztes Tier möglichst schnell zu erlösen», sagt Peter Schönmann. In der Regel dauere ein solcher Einsatz etwa eine Stunde. Hat sich das angefahrene Wild aber verkrochen, wird es anspruchsvoll: Dann sucht ein Hundeführer das Tier mit seinem geprüften Schweisshund, damit es nicht elend verendet. In Zumikon ist es Schönmann selber, der mit seinem Bayerischen Gebirgsschweisshund die Fährte aufnimmt oder sein Kollege Kurt Erni mit seinem Hannoverschen Schweisshund. «Das kann schnell mal einige Stunden in Anspruch nehmen, und das auch nachts.»

Verrechnet werden kann das nirgends. «Das gehört zu unseren Pflichten als Pächter oder Jagdaufseher eines Jagdreviers» erklärt der Zumiker Obmann. Auch wenn sie wegen eines Fuchses, der an einem ungeeigneten Ort gräbt oder einem Dachs, der Schäden verursacht, ausrücken müssten, würden sie keine Entschädigung erhalten. Mit der Einsetzung der neuen Jagdaufseherin Cecile Ritscher verteilen sich solche Aufgaben in Zumikon aber ab sofort auf eine Schulter mehr.

Erstellt: 19.07.2019, 16:20 Uhr

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