Küsnacht

Wer hier Taschen kauft, unterstützt indigene Völker in Südamerika

In Küsnacht eröffnen zwei Frauen mit Wurzeln in Südamerika einen Pop-up-Laden. Zu kaufen gibt es handgefertigte Taschen und Accessoires aus ihrer Heimat – der Erlös kommt der indigenen Bevölkerung zugute.

Um die Existenz des indigenen Volks zu fördern, vertreibt «Mama Tierra» Taschen, Etuis und Kissenbezüge, die von Wayuu-Frauen in traditionellem Handwerk gefertigt werden.

Um die Existenz des indigenen Volks zu fördern, vertreibt «Mama Tierra» Taschen, Etuis und Kissenbezüge, die von Wayuu-Frauen in traditionellem Handwerk gefertigt werden. Bild: PD

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An der Dorfstrasse 19, wo Jahrzehnte lang das Kinderkleidergeschäft «Popcorn» untergebracht war, wechselt heute alle paar Wochen der Verkäufer. Das Lokal wird als «Pop-up-Store» betrieben – Unternehmen oder Organisationen können es wochenweise mieten. Für die nächsten sechs Wochen steht der Laden nun unter dem Motto «Bohème».

Dafür zuständig ist in erster Linie die Non-Profit-Organisation «Mama Tierra». Der Verein hat zum Ziel, indigene Wayuu, ein Volk in Kolumbien und Venezuela, zu unterstützen. Die Wayuu leben im Wüstengebiet La Guajira, dem nördlichsten Zipfel Südamerikas. Die Halbinsel wird von der Landesgrenze zwischen Kolumbien und Venezuela zerschnitten. Es ist eine unwirtliche Gegend, ohne Strom und fliessendes Wasser. Sieben Stunden dauert die Fahrt ins nächste grössere Dorf in Kolumbien. Um die Existenz des indigenen Volks zu fördern, vertreibt «Mama Tierra» in der Schweiz und im nahen Ausland Taschen, Etuis und Kissenbezüge, die von Wayuu-Frauen in traditionellem Handwerk gefertigt werden.

Video: Die Taschen werden von den indigenen Völkern von Hand gewoben

Video: PD.

«Wie ein Kind»

«Wir arbeiten sehr eng mit den Menschen zusammen, die wir unterstützen», sagt Katherine Klemenz, Geschäftsführerin des Vereins «Mama Tierra». So würden diese zu Partnern und seien mehr als einfach Begünstigte. Klemenz ist als Halbschweizerin in Venezuela geboren. Ihr Grossvater stammt von den Wayuu ab. Heute lebt sie in der Schweiz, hat hier Kommunikationswissenschaft und Ethnologie studiert, für eine Pensionskasse gearbeitet und vor fünf Jahren – nachdem sie das Kunsthandwerk ihrer Vorfahren entdeckt hat – den Verein «Mama Tierra» gegründet.

Katherine Klemenz mit Kindern in Kolumbien. Bild: PD.

«Der Verein ist für mich wie mein Kind», sagt die 40-Jährige. Einerseits weil diese unentgeltliche Arbeit inzwischen enorm viel Zeit in Anspruch nehme, anderseits weil sie eine grosse Verantwortung gegenüber den Menschen verspüre, die dank der Non-Profit-Organisation ihren Lebensunterhalt verdienen. 120 Indigene häkeln, knüpfen und weben für die Organisation. Diese Arbeitnehmerinnen – die allermeisten davon sind Frauen – sorgen im Schnitt für sieben weitere Personen. «Es gibt einem eine grosse Erfüllung, wenn man sieht, wie viele Menschen dank unserer Arbeit ihre Lebensqualität steigern konnten», sagt Klemenz.

Zumikerin mit dabei

Für das Küsnachter Pop-up arbeitet Klemenz mit der Zumikerin Margarita Forster zusammen. Diese hat vor mehr als 20 Jahren mit dem Label «Atelier Avanzar» ein ähnliches Projekt lanciert. Die Stiftung verkauft Handtaschen, die von Weberinnen und Strickerinnen in den Anden Ecuadors, Forsters Heimat, hergestellt werden.

Neben den beiden Non-Profit-Organisationen werden im Pop-Up auch zwei Soziale Unternehmen Mode aus nachhaltiger Produktion in Indien, Nepal, Peru und Spanien verkauften. «Sie teilen mit uns ähnliche soziale Werte und besonders den Boho-Stil», sagt Forster. Ausserdem könne man so gemeinsam für Miete und Personalkosten des Pop-ups aufkommen, erklärt Klemenz. Denn auch wenn die Produkte von «Mama Tierra» einen eher stolzen Preis haben, wie etwa eine mittelgrosse Tasche für knapp 200 Franken, profitiere davon niemand anderes als die Wayuu, versichert die Gründerin. «Die Produzentinnen erhalten rund einen Drittel des Verkaufspreises. Mit dem Rest bezahlen wir Material und Transport und fördern indigene Kunst, erleichtern Zugang zu Arbeit und investieren in Naturschutzprojekte.»

Pop-up «Boheme», Dorfstrasse 19, Küsnacht. 15. Februar bis 29. März. Weitere Infos zum Verein «Mama Tierra» unter www. mama-tierra.org





Erstellt: 14.02.2020, 15:48 Uhr

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