Stäfa

Wenn der Postbote den Veloweg blockiert

Bei einer Kollision mit einem stehenden Lieferwagen der Post verletzte sich diese Woche in Stäfa ein Radfahrer schwer. Die Frage, ob der Postbote dafür belangt wird, dürfte knifflig zu beantworten sein.

Darf ein Postler für die Paketzustellung einen Veloweg blockieren?

Darf ein Postler für die Paketzustellung einen Veloweg blockieren? Bild: Symbolbild/Keystone

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Die Situation kommt tagtäglich vor: Ein Postbote will ein Päckli oder ein Lieferdienst einen Online-Einkauf bei seinem neuen Besitzer abgeben. Dafür hält der Fahrer seinen Wagen kurz am Strassenrand und versperrt damit auch den Radweg oder das Trottoir. Meist stellt er damit für andere Verkehrsteilnehmer höchstens ein kurzzeitiges Ärgernis dar.

Wie sich diese Woche in Stäfa zeigte, kann eine solche Situation aber auch gravierendere Folgen haben. So ist am Dienstagmorgen ein 73-jähriger Velofahrer gegen das Heck eines am Rand der Seestrasse stehenden Lieferwagens geprallt und gestürzt. Er hat sich dabei schwere Kopfverletzungen zugezogen und musste mit einem Rettungshelikopter ins Spital geflogen werden.

Anhalten verboten

Die Frage, ob der Fahrer des Lieferwagens eine Schuld am Unfall trägt, muss nun die Staatsanwaltschaft beantworten. Sie hat zur Klärung der Unfallursache ein Verfahren eröffnet. Laut Gesetz ist das Halten auf einem Radstreifen, wenn der Fahrradverkehr dadurch behindert wird, verboten und wird mit 80 Franken gebüsst. Eine Ausnahmeregelung für die Post oder andere Lieferdienste sei ihm nicht bekannt, sagt Marc Kipfer, Sprecher der Bundesstelle für Unfallverhütung (BFU), auf Anfrage.

Der Gesetzestext dürfte allerdings in den wenigsten Fällen so durchgesetzt werden – gehört es doch zum Strassenbild, dass Lieferwagen während einer Zustellung kurz am Strassenrand abgestellt werden. Oftmals haben sie schlicht keine andere Möglichkeit, als entweder die Fahrbahn, den Radweg oder das Trottoir zu blockieren.

Die Kantonspolizei wie auch die Stadtpolizei Zürich wollen auf Anfrage keine Auskunft dazu geben, wie sie generell mit derartigen Fällen umgehen. Klar ist jedoch, dass bei der Frage nach der Behinderung des Radverkehrs ein Ermessensspielraum besteht. Gemäss einem Verkehrsexperten geht es primär darum, wie zumutbar das Ausweichen in der jeweiligen Situation ist.

Nur vereinzelte Unfälle

Beim Lieferwagen, der in den Unfall in Stäfa verwickelt war, handelte es sich um ein Fahrzeug der Post. Dies ist auf einem Foto der Kantonspolizei ersichtlich. Das Unternehmen bedauere den Unfall sehr, schreibt Post-Mediensprecherin Masha Foursova auf Anfrage. Sie hält fest, dass es in der Paketzustellung äusserst selten zu derartigen Unfällen komme. Inwiefern die Post ihren Boten Handlungsempfehlungen für das Halten auf offener Strasse gibt, wird aus Foursovas Antwort indes nicht klar. Ebenso nicht, wie das Unternehmen dem Clintsch begegnet, dass ihre Boten quasi immer jemandem im Weg stehen. Die Post schule ihre Mitarbeiter, Situationen einzuschätzen und auf Menschen sowie Fahrzeuge Rücksicht zu nehmen, sagt sie. Eine Häufung solcher Ereignisse sei in den Letzten Jahren nicht zu beobachten gewesen.

Dies zeigt auch eine Statistik der BFU. In den Jahren 2011 bis 2018 erreigneten sich nur vereinzelte Unfälle mit parkierten Fahrzeugen auf Trottoirs, Radwegen und Radstreifen. Spezifische Zahlen zu Unfällen mit stehenden Lieferwagen liegen beim BFU nicht vor. Bleibt zu hoffen, dass es trotz zunehmendem Online-Shopping so bleibt.

Erstellt: 10.10.2019, 16:32 Uhr

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