500 Jahre Reformation

Was Zwingli den Seegemeinden zu sagen hat

2019 ist im Gedenken an den Zürcher Reformator Zwingli ein wichtiges Jahr. Dies hat die drei reformierten Kirchgemeinden Männedorf, Stäfa und Hombrechtikon zu einem Buchprojekt veranlasst.

Präsentieren das frisch gedruckte Werk «... und kein bisschen müde!» 500 Jahre nach Zwinglis Amtsantritt in Zürich. Von links: Ueli Flachsmann, Achim Kuhn, Monika Götte und Martin Gabathuler.

Präsentieren das frisch gedruckte Werk «... und kein bisschen müde!» 500 Jahre nach Zwinglis Amtsantritt in Zürich. Von links: Ueli Flachsmann, Achim Kuhn, Monika Götte und Martin Gabathuler. Bild: Sabine Rock

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Wer heutzutage von Zwingli spricht, denkt meist an ein besonderes Ereignis: an das Wurstessen von 1522. Mit seiner Anwesenheit an dem demonstrativen Fastenbrechen setzte der Zürcher Reformator ein prägendes Zeichen für den Aufbruch der Kirche zu neuen Wegen.

Gut 500 Jahre später sollte das Essen von Würsten im kirchlichen Umfeld an die damalige Reformation erinnern: «Vor mehr als zwei Jahren haben wir bei uns ein Wurstessen veranstaltet», erzählt die Stäfner Pfarrerin Monika Götte. «Dabei haben wir die Gemeindemitglieder gebeten, Erneuerungsgeschichten aufzuschreiben.» Daraus hätten sich dann immer weitere Ideen ergeben. Diese gipfelten schliesslich in einem Buchprojekt.

Nun liegt das Werk frisch gedruckt vor – nicht zufällig zum Jahreswechsel. Ist doch der 1. Januar im Zusammenhang mit Zwingli zweifach bedeutend: Als Tag seiner Geburt 1484 und seines Amtsantrittes in Zürich 1519. Und so wird denn auch am morgigen Neujahrstag das Erscheinen des Buches mit einer Vernissage in der reformierten Kirche Männedorf gefeiert.

Regionaler Blick

Der Ort der Vernissage zeigt, wie sich die ursprüngliche Stäfner Veranstaltung weiterentwickelt hat: Bald darauf nämlich wurde das Buch ein gemeinsames Projekt der Reformierten Kirchgemeinden Stäfa, Männedorf und Hombrechtikon – damit von drei Nachbarn, die ohnehin schon verstärkt zusammenarbeiten. Je eine Pfarrperson, Stäfas Kirchgemeindepräsident Arnold Egli und der Historiker Martin Gabathuler, ebenfalls aus Stäfa, bildeten eine Arbeitsgruppe. In dieser entwickelten sie das Konzept für die Publikation, die ihr Beitrag zum 500-jährigen Reformationsjubiläum werden sollte. Das allerdings nicht als eine weitere Biografie von Zwingli, von denen es schon zahlreiche gebe. Ihr Buch trage zwei neue Perspektiven in das Thema, sagt Achim Kuhn, Pfarrer von Männedorf. Zum einen würde es nicht – wie die meisten anderen Publikationen – auf Zwinglis Wirken in der Stadt Zürich fokussieren. Sondern auf den Widerhall seiner Bestrebungen «in unserer unmittelbaren Region», also in den drei Gemeinden.

Zum anderen stelle es auch keine rein historisch-wissenschaftliche Abhandlung dar. Zwar beschreibt Historiker Gabathuler im ersten Teil des Buches die Zeitumstände vor 500 Jahren. Er macht dies aber, indem er einzelne Episoden einbringt und so der Vergangenheit eine lebendige Form verleiht. «Als Material für die Geschichten dienten Dorfchroniken, Quellen aus dem Staatsarchiv Zürich und aus dem Archiv des Klosters Einsiedeln», sagt er. Daneben aber spiele der Blick auf Gegenwart und Zukunft eine ebenso starke Rolle. Der Gegenwart ist der zweite Buchtteil gewidmet. Und in ihm nun kommen die Erneuerungsgeschichten aus dem Stäfner Wurstessen zum Tragen. «Die Autoren der Geschichten sind unterschiedlichste Gemeindemitglieder», erläutert Pfarrerin Götte, «von 20- bis zu über 80-Jährigen.» Diese Leute schildern ihre persönliche Erneuerungsgeschichte im Kontext des Glaubens – Umbrüche oder Neuanfänge in ihren Lebensläufen, durch die sie auf verschiedenste Art das Wirken Gottes erfahren haben: Sei dies im Konfessionswechsel einer katholischen Ordensfrau, im Schwebezustand zwischen Leben und Tod einer Komapatientin oder in einer unerwarteten neuen Liebe nach langer Witwenschaft. «Die Texte sind leicht lesbar und sollen eine breite Leserschaft ansprechen», sagt Götte.

Erneuerung auch in Zukunft

Die Erneuerung zum einen im Persönlichen und – als das Entscheidende – in der Ausgestaltung einer Basisbewegung, gehörten zu den zentralen Anliegen Zwinglis. «Ihr seid Kirche», war eine seiner Hauptaussagen», erklärt der Hombrechtiker Pfarrer Ueli Flachsmann. Damit sei gemeint, dass sich jeder Einzelne an der Kirche beteiligen soll, um so deren stete Erneuerung zu bewirken. Darauf, dass diese Forderung ewig gültig sei, spiele der Titel des Buches «...und kein bisschen müde!» an.

Im dritten Teil des Buches geben denn auch fiktive Szenarien Denkanstösse über künftige Herausforderungen der Kirche und über mögliche Antworten. «Dass unsere Kirche Kraft hat und Ausstrahlung behält, will der Buchtitel ebenfalls aussagen», sagt Kuhn. Und Götte ergänzt: «Nicht um ein Grösser-, sondern um ein Anderswerden der Kirche geht es.» Die Ausrichtung des Buches macht deutlich: Die Person Zwinglis haben die Herausgeber in den Hintergrund gerückt. «Eine Personifizierung hätte er abgelehnt», sind sie sich einig.

«...und kein bisschen müde!» Herausgegeben von Arnold Egli et al. Theologischer Verlag Zürich. Buchvernissage mit Wort-und-Musik-Feier zum Jahresanfang: Morgen, 1. Januar, 17 Uhr, Reformierte Kirche Männedorf, Blattengasse 7. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.12.2018, 15:22 Uhr

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