Hombrechtikon

Waren Nachahmer der berüchtigten Jugendbande am Werk?

Die Sprayer, die am Wochenende durch Hombrechtikon gezogen sind, hinterliessen auch die Markierung SCC. Ob es sich um ein Comeback der Jugendgang «Stäfa City Crew» handelt, ist unklar.

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Es reicht von ungelenken Sudeleien bis zu verbotenen Symbolen, was die Sprayer in Hombrechtikon hinterlassen haben: Schlangenlinien, Buchstaben, aber auch Obszönitäten und Hakenkreuze. Über hundert sogenannte Tags, also Markierungen, verunstalten seit Pfingsten Mauern, Strassenbeläge, Verkehrstafeln und Container im Dorfzentrum beidseits der Rütistrasse.

Hombrechtikons Gemeindepräsident Rainer Odermatt (FDP) hat zwei unangenehme Tage hinter sich. Am Dienstagmorgen erfuhr er von den Sprayereien – von Sicherheitsvorstand Christian Walliker (SVP), der diese entdeckt und die Polizei informiert hatte. Mit Neonfarbe verunstaltet sind auch einige Robidog-Kästen; ein Abfallhai wurde zudem aus der Verankerung gerissen. Der Gemeinderat hat Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. «Sobald die Sprayer von der Polizei gestellt sind, werden wir Schadenersatz einfordern», sagt Odermatt. Ein Anliegen ist ihm, dass deren Spuren möglichst rasch getilgt werden. Bei jenen Strassen, die von der Kantonspolizei freigegeben worden sind, hat die Gemeinde die knallfarbigen Tags bereits am Mittwoch entfernt.

Auf Baustelle eingebrochen

Auch für die Kantonspolizei hat der Fall ungewöhnliche Dimensionen: «Dass so viele Orte betroffen sind, ist sicher nicht alltäglich», sagt Mediensprecher Ralph Hirt. Die Farbe stammt von Markierungssprays, wie sie auf Baustellen verwendet werden. Sie waren zuvor gestohlen worden. Wo genau, gibt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preis. Hirt bestätigt aber, dass es sich beim Einbruchsort um eine Baustelle auf Hombrechtiker Gemeindegebiet handelt.

«Die Ermittler ziehen einen Zusammenhang mit der ‹Stäfa City Crew› in Betracht.»Ralph Hirt, Kantonspolizei Zürich

Zudem sagt der Polizeisprecher: «Wir gehen davon aus, dass es mehrere Täter waren.» Ob es sich um ehemalige Mitglieder der Jugendgang «Stäfa City Crew» handelt, wie die mehrfach gesprayte Abkürzung SCC nahelegt, ist offen. «Die Ermittler ziehen einen Zusammenhang in Betracht», sagt Hirt. Es sei aber unklar, ob die Gang überhaupt noch existiere. Womöglich betätigten sich die Sprayer auch als Trittbrettfahrer, um eine falsche Fährte zu legen.

Eigentümer müssen zahlen

Den Sachschaden beziffert die Kantonspolizei auf über 100 000 Franken. Dafür aufkommen müssen die Eigentümer der besudelten Bauten – bei Kantonsstrassen wie der Rütistrasse also der Kanton Zürich, bei Gemeindeliegenschaften die Gemeinde Hombrechtikon und bei Privathäusern deren Eigentümer oder die Verwaltung.

Vom Zeugenaufruf erhofft sich die Polizei Aufschluss darüber, wann genau die Sprayer im Dorf unterwegs waren. Bisher sind einige Reaktionen eingegangen. Der Posten in Stäfa nimmt weiterhin Hinweise entgegen (044 928 17 00).

Gefängnis für Mitglied

Die Markierung SCC, wie sie jetzt wieder in Hombrechtikon zu sehen ist, sorgte ab 2008 vor allem in Stäfa für Ärger. Die Schmiererei, manchmal zusätzlich mit der Postleitzahl 8712 versehen, tauchte an Unterführungen, Buswartehäuschen, Elektrokästen und anderen Einrichtungen auf. Die Abkürzung stand für die Jugendbande «Stäfa City Crew».

Deren Zeiten sind heute eigentlich vorbei. Erst im April ist ein ehemaliges Mitglied vom Zürcher Obergericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der heute 26-Jährige hatte unter anderem eine Jugendliche bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Auch Einbrüche in Stäfner Schulhäuser wurden den SCC-Gangmitgliedern angelastet. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.06.2017, 22:41 Uhr

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