Schädling

Walnussfruchtfliegen sind für Bauern eine Knacknuss

In Stäfa sind viele Baumnüsse von der Walnussfruchtfliege befallen. Der kleine Schädling legt seine Eier in den Schalen ab.

Die Walnussfruchtfliege wird acht bis zehn Millimeter lang und legt pro Nussschale bis zu 15 Eier.

Die Walnussfruchtfliege wird acht bis zehn Millimeter lang und legt pro Nussschale bis zu 15 Eier. Bild: pd / Agroscope

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Schwarz verfärbt, stellenweise weich und feucht – Baumnüsse, die von der Walnussfruchtfliege befallen wurden, sind alles andere als appetitlich. Auf Facebook hat eine Stäfnerin ein Foto von solchen Nüssen gepostet. «Ich habe den Eindruck, dass es dieses Jahr mehr befallene Pflanzen gibt», sagt sie gegenüber der ZSZ.

Die betroffenen Bäume gehören zur Moschti in Stäfa. Auch der Landwirt Hans Reichling, der den Hof betreibt, hat in diesem Jahr eine Zunahme der Schädlinge beobachtet. «Sehr viele Bäume sind befallen, mehr als in anderen Jahren», sagt er auf Anfrage. Dabei gebe es Unterschiede in der Anfälligkeit der Sorten. «Unsere Haussorte ist am stärksten betroffen.»

Verbreitung des Schädlings

Die Walnussfruchtfliege sei in ganz Europa verbreitet, sagt Tanja Sostizzo, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Agroscope. Agroscope ist das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung.

Laut Sostizzo wurde die Walnussfruchtfliege in den 1980er Jahren nach Europa eingeschleppt. Durch den Klimawandel schrumpfte die Kältebarriere am Alpenkamm, die für die Fliege das einzige Hindernis zwischen dem Tessin und der Nordschweiz war. Um das Jahr 2005 konnte die Walnussfruchtfliege in den Norden der Schweiz vordringen und sich im ganzen Land verbreiten. «Wegen des milden Frühjahrs und des frostbedingten Ertragsausfalls im 2017 gibt es heuer mehr Nüsse, was ein Grund dafür sein könnte, dass es dieses Jahr auch mehr Walnussfruchtfliegen hat», erklärt Sostizzo.

«Sehr viele Bäume sind befallen, mehr als in anderen Jahren.»Hans Reichling, Moschti Stäfa

Nicht überall in der Region ist der Schädling gleichermassen verbreitet. «Wir hatten noch nie einen Befall von Walnussfruchtfliegen», sagt Werner Haab vom Biohof Steinacher in der Au, «aber ich habe davon gehört. Deshalb habe ich Fliegenfallen aufgehängt.» Bisher habe er aber noch keine Fliegen gefangen. Ähnliches berichtet auch Doris Blank vom Hof zur Matte in Horgen. Auch sie hat noch nie Bekanntschaft mit dem Schädling gemacht.

«Es kann natürlich sein, dass die Fliegen an einem Ort gehäufter auftreten als an einem anderen», sagt Sostizzo. «Dies kann unter anderem mit dem Befall im Vorjahr, den Gegenmassnahmen der Bauern und den angebauten Nusssorten zusammenhängen.»

Kein wirtschaftlicher Schaden

Die zur Familie der Bohrfliegen gehörende Walnussfruchtfliege legt in die Schale jeder Nuss je bis zu 15 Eier ab. Die Nüsse sind trotz Befall noch essbar, jedoch wird ihre sonst grüne Fruchtschale bereits am Baum schwarz und und schleimig weich. Die Nuss lässt sich nur mühsam von der ebenfalls schwarz verfärbten Schale lösen. Verkaufen kann man sie so nicht mehr.

In der Schweiz gibt es nur wenige Landwirte, die Nüsse anbauen. Die volkswirtschaftlichen Verluste halten sich deshalb in Grenzen. Ein Grossteil der schweizweit verkauften Nüsse ist importiert. Der Bund verzichte deshalb auf die systematische Bekämpfung des Schädlings, sagt Sostizzo.

Auch Hans Reichling verdient mit seinen Nüssen kein Geld. Klebefallen hat er bislang keine aufgestellt. «Der Aufwand würde sich bei einzelnen Bäumen nicht lohnen», sagt er.

Erstellt: 28.09.2018, 16:21 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles