Uetikon

Vorerst wird das alte Gemeindehaus nicht abgerissen

In Uetikon ist ein Streit um das alte Gemeindehaus entbrannt. Während der Gemeinderat das Gebäude aus Kostengründen abreissen will, möchten einige Uetiker das Haus retten. Nun wendet sich die Gemeinde an den Bezirksrat.

Abreissen oder erhalten? Die Meinungen über das alte Gemeindehaus in Uetikon sind geteilt.

Abreissen oder erhalten? Die Meinungen über das alte Gemeindehaus in Uetikon sind geteilt. Bild: Archiv Sabine Rock

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Seit Ende 2015 ist die Uetiker Verwaltung im neuen Gemeindehaus untergebracht. Das alte Gemeindehaus an der Weissenrainstrasse 20 fristet derweil ein kümmerliches Dasein, da es nicht mehr genutzt wird.

Im Sommer 2017 als der Uetiker Gemeinderat publik machte, dass das Gebäude abgerissen wird, schien das Schicksal des gut 80-jährigen ehemaligen Behörden- und Verwaltungsgebäudes besiegelt. Doch inzwischen sieht die Lage anders aus. Eine grosse Mehrheit der Uetiker sprach sich nämlich Anfang Woche an der Gemeindeversammlung gegen den Abbruch des Hauses aus. Dies indem sie einem Antrag folgten, den Posten für den Abbruch aus dem Budget zu streichen.

Sanierung bis zu 2 Millionen

Dabei mag es sich um den effektivsten Schritt zum Erhalt des alten Gemeindehauses handeln, es ist aber bei weitem nicht der einzige. Die Uetikerin Cornelia Camenzind hat mit einigen Mitstreitern eine Petition zum Erhalt des alten Gemeindehauses gestartet. 180 Unterschriften überreichten sie am Montag Gemeindeschreiber Reto Linder. «Es ist ein spezieller Bau», sagt die Uetikerin über das Haus aus dem Jahr 1934. Ihr geht es allerdings mit der Petition nicht nur darum, den Bau zu erhalten, sondern auch ums Prinzip: Sie fordert mit ihren Mitpetitionären, dass die Gemeindeversammlung über das Schicksal des alten Gemeindehauses entscheidet. Sie habe auch beim Sammeln der Unterschriften oft die Meinung gehört, das Vorgehen des Gemeinderates sei respektlos gegenüber dem Stimmbürger.

Die Petitionäre Cornelia Camenzind, Erica Kuster und Erich Stark (von links) übergeben Gemeindeschreiber Reto Linder 180 Unterschriften. Bild: Moritz Hager.

«Wir akzeptieren die Entscheide der Bevölkerung», sagt Liegenschaftenvorsteher Christian Schucan (FDP) zu zwei Gemeindeversammlungen von 2013 und 2016. Damals hatten die Uetiker erst gegen einen Verkauf des Areals an eine Immobilienfirma und dann gegen eine Abgabe des Landes im Baurecht an die gleiche Immobilienfirma gestimmt. Für die weitere Nutzung des Gemeindehauses müsste man aber sehr viel Geld in die Hand nehmen, sagt Schucan. 1,5 bis 2 Millionen Franken würde eine Sanierung kosten, wie eine Schätzung ergab. «Von aussen sieht das Haus gut aus, aber das sagt nichts über die Bausubstanz aus», gibt Schucan zu bedenken, der das Haus als baufällig bezeichnet. Nötig wäre eine energetische Sanierung, zudem müsste das Haus behindertengerecht umgestaltet und feuerpolizeiliche Auflagen erfüllt werden, erklärt er die Höhe der Kosten. «Wenn wir es nicht nutzen, fallen zudem trotzdem Kosten für den Unterhalt und die Beheizung an.»

Café als Option

Die Frage, ob der Gemeinderat ein Projekt für das Areal in der Hinterhand habe, verneint Schucan. Es sei dann am künftigen Gemeinderat, gemeinsam mit der Bevölkerung zu entscheiden, was mit dem Land passiere.

Dass die Gemeinde als Sanierungskosten einen Betrag von 1,5 bis 2 Millionen Franken angibt, hält Camenzind für einen Vorwand. «Das ist doch völlig überrissen», sagt die Uetikerin. Sie stört sich auch am Vorgehen der Gemeinde: Das Gemeindehaus sei der Gemeinde 1934 von Albert Schlegel-Schnorf geschenkt worden. «So geht man doch nicht mit einem Geschenk um.»

Sie hätte auch eine Idee, was man mit dem Gebäude machen könnte. Camenzind würde das Haus gerne für ein Café verwenden: «Der Wunsch für ein Café, einen zentralen Treffpunkt besteht in Uetikon schon lange.» Man würde auch einen Verein für den Betrieb des Cafés gründen. Camenzind ist überzeugt, dass das alte Gemeindehaus die idealen Voraussetzungen für ein Lokal im Erdgeschoss böte. «Da es Parkplätze und Rampen gibt, wäre es optimal.» Für Christian Schucan ist jedoch klar, dass eine Nutzung des alten Gemeindehauses als Café nicht so einfach machbar wäre, da das Haus mittlerweile in einer Wohnzone steht. Abgeneigt ist er der Idee eines Cafés im Dorfzentrum allerdings nicht: «Wenn wir in der Gemeinde eine geeignete Liegenschaft hätten, würde wir selbstverständlich auf Frau Camenzind zugehen.»

Anfrage an Bezirksrat

Klar ist für Schucan bezüglich des alten Gemeindehauses, dass Uetikon nicht den Foifer und das Weggli haben kann. «Wir haben uns mit dem Areal am See sehr weit aus dem Fenster gelehnt.» Da sei es sinnvoll, dass man dort auch finanziell genug Spielraum habe. Allein der Kauf für das ehemalige Areal der Chemie Uetikon kostet die Gemeinde 26 Millionen Franken. Doch es geht Schucan nicht nur um das finanzielle Engangement. «Auch von den personellen Ressourcen her kann die Gemeinde nicht beliebig viele Projekte stemmen», sagt er. In einem Punkt will er Cornelia Camenzind aber entgegenkommen: «Wir diskutieren die Petition zuerst im Gemeinderat und dann schauen wir sie mit den Petitionären gemeinsam nochmals an – wie das üblich ist.»

Wie es mit dem alten Gemeindehaus weitergeht, ist derzeit noch unklar, weil dessen Abbruch aus dem Budget 2018 gestrichen wurde. Der Gemeinderat will allerdings den Erhalt des Gemeindehauses nicht kampflos hinnehmen. Er plant in nächster Zeit, eine Anfrage an den Bezirksrat zu stellen, ob der Entscheid über diesen einzelnen Budgetposten in der Kompetenz der Gemeindeversammlung liegt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.12.2017, 15:07 Uhr

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