Meilen

Von Meilen an den Polarkreis

Die Ex-Meilemerin Lotti Meier betreibt seit über 21 Jahren ein Gästehaus mit Schlittenhunden in Nordschweden. Mit fast 90 Huskys lebt sie 150 Kilometer nördlich des Polarkreises. In der lappländischen Wildnis hat sie zu sich selbst gefunden. Diese Gelassenheit will sie auch an die Touristen weitergeben.

In den Startlöchern: Lotti Meier spannt acht ihrer Huskys vor dem Schlitten ein.

In den Startlöchern: Lotti Meier spannt acht ihrer Huskys vor dem Schlitten ein. Bild: zvg / Sabine Biedermann

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«Bei Vollmond, wenn die Nächte klar sind, reflektiert der Schnee das Licht und es ist taghell.» Da brauche man nicht einmal eine Stirnlampe. Die 62-jährige Ex-Meilemerin Lotti Meier betreibt 150 Kilometer nördlich des Polarkreises im schwedischen Lappland ein Gästehaus mit Schlittenhunden. Von Mitte November bis Anfang Januar steigt die Sonne hier nicht über den Horizont. Die Dunkelheit sei dennoch ein Mythos, lacht Meier. «Einfach mega» sei es, wenn das Licht am Horizont die Wolken in allen Pastellfarben erstrahlen lässt.

21 Jahre ist es her, seit die Schweizerin in die kleine Gemeinde Skaulo in Nordschweden auswanderte. Auslöser war eine Lebenskrise, als sich die Modezeichnerin fragte: «Ist das alles?» Die oberflächliche Modewelt habe ihr nicht mehr ausgereicht. «Es gibt so viel mehr als das reine Konsumleben», ist Meier überzeugt.

Das will sie dann auch ihren, mehrheitlich deutschsprachigen, Gästen vermitteln. Diese reichen von gestressten Managern über Handwerker bis hin zu Familien mit Kindern. In der Natur seien sie alle mit denselben Problemen konfrontiert. Das schaffe ein Gefühl von Gleichwertigkeit. Meier selbst ist zum ersten Mal im finnischen Rovaniemi mit einem Hundeschlitten gefahren. «Der Schlittenhundevirus hat mich sofort gepackt.» Heute besitzt die Schweizerin fast 90 Huskys.

Wo der Empfang aufhört

Das Programm im «Snowtrail Dogcamp» wird jeweils auf das Niveau der Teilnehmer angepasst. Die meisten Gäste seien Hundeschlitten-Anfänger. «Mit ihnen führen wir kleinere Touren durch und kehren jeden Tag zur Lodge zurück.»

«Ich lebe nach dem Motto: Man soll nur das bereuen, was man nicht getan hat.»

Lotti Meier

Wer bereits Erfahrungen mitbringt, kann sich auf mehrtätige Abenteuer gefasst machen. Übernachtet wird dann in Hütten in der lappländischen Wildnis. «Da kann es auch mal vorkommen, dass wir keinen Telefonempfang haben.» Wichtig sei es, sich nicht zu stark auf die Technik zu verlassen. «Es ist nicht verboten auch den Kopf anzuwenden», schmunzelt Meier.

Die Lieblingsjahreszeit von Lotti Meier ist der Winter. In Nordschweden bedeutet das auch mal Temperaturen bis zu minus 40 Grad. Das Camp stellt ihren Gästen eine spezielle Ausrüstung zur Verfügung. «Es fühlt sich aber gar nicht so kalt an, weil jede Feuchtigkeit sofort gefriert», sagt die 62-Jährige. In normaler Skikleidung hätte man dennoch verloren. Neben Hundeschlittentouren stehen auch Eisfischen und der Besuch des «Icehotel» in Jukkasjärvi auf dem Programm. Und mit etwas Glück kann man auch Nordlichter sehen. Versprechen will Meier aber nichts. Wie so vieles liegt auch das in der Macht der Natur. «Wenn man aber welche sieht, ist es spektakulär.»

Elch und Rentier als Nachbarn

Das heutige Leben der Auswandererin unterscheidet sich von ihren Jahren in Meilen wie Tag und Nacht. Ihre nächsten Nachbarn in Schweden sind Elche, Rentiere und ein Vielfrass, das nächstgelegene Haus liegt sieben Kilometer entfernt. Zweimal im Jahr fliegt sie nach Zürich. Die Reise dauert sechs Stunden. Heimweh verspürt sie nicht, obwohl sie die Schweiz zweifellos als ihre Heimat empfindet. «Ich weiss ja, dass die Schweiz immer da ist.» Und: «Wenn ich pensioniert werde, komme ich wieder zurück.»

Was denkt sie heute über die Schweiz? «Ich vermisse den Schweizer Käse, Cervelats und Vermicelles», sagt Meier. Auch die Gemüseauswahl sei soweit im Norden kleiner. Die Grösse des Angebots in der Schweiz findet sie schon beinahe dekadent. «Ich frage mich manchmal, ob das wirklich nötig ist.»

Geld ist nicht das Wichtigste

Früher habe auch sie konsumorientiert gelebt, gesteht Meier. Die Zeit in Schweden habe ihr gut getan. «Heute bin ich kompromisslos ich.» Sie will auch andere dazu animieren, über ihr Leben nachzudenken. «Ich lebe nach dem Motto: Man soll nur das bereuen, was man nicht getan hat.»

Mit ihrer Ferienlogde werde sie nicht reich, meint sie. «Aber das ist auch gar nicht das Ziel.» Das Wichtigste im Leben kann man nicht kaufen, weiss die heute 62-Jährige. Bei ihr werden alle Gäste unabhängig vom Kontostand gleich behandelt. Und teilen sich Dusche und WC. Denn: «Wir sind kein Hotel.» Das weiss ihre Stammkundschaft zu schätzen.

Informationen zu den Angeboten von Lotti Meier: www.snowtraildogcamp.com (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.12.2016, 15:05 Uhr

Tierische Freunde: Die Ex-Meilemerin kennt ihr gesamtes Rudel persönlich. (Bild: zvg)

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