WM 2018

Vier Altbewährte und ein Neuling sorgen für Public Viewing

Es soll etwas laufen im Dorf. Das ist die Hauptmotivation für die Organisatoren der Public Viewings im Bezirk. Reich wird damit niemand. Rekordverdächtige fünf Grossveranstaltungen buhlen um die Gäste. Angst vor Konkurrenz hat offenbar niemand.

Der Ball ist rund. Ein Spiel dauert 90 Minuten. Hier können Sie die WM 2018 am Zürichsee mit weiteren Fussballfans geniessen. (Für eine seitenfüllende Ansicht HIER klicken)


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Die nahende Fussballweltmeisterschaft in Russland lässt neimanden kalt. Kaum eine Beiz, die nicht jetzt schon für das Grossereignis wirbt. Davon bleibt auch der Bezirk Meilen nicht verschont. Die Euphorie ist so gross, dass sich gleich fünf Veranstalter an ein sogenanntes Public Viewing wagen, ein bewilligungspflichtiges Übertragen der Spiele auf Grossleinwand. «Rekordhalter» im Bezirk Meilen ist das Public Viewing an der Seeanlage in Meilen.

Schon zum fünften Mal organisieren die Gemeinde und mehrere Gewerbler das gemeinsame Erlebnis. Nur 2012, als die Schweiz nicht an der EM dabei war, verzichteten die Organisatoren auf das Aufstellen des Festzelts. Die Motivation sei immer noch sehr gross, sagt OK-Präsident Marcel Bussmann. «Sobald die Schweizer in der Qualifikation gut dastehen, fragen uns die Leute, ob wir wieder ein Public Viewing organisieren». Bis zu 500 Personen können in Meilen zusammen Fussball schauen. Bei schönem Wetter noch mehr, weil dann das Zelt geöffnet werden kann.

Ein grosses Geschäft ist der 30-tägige Anlass nicht. «Dank der Defizitgarantie der Gemeinde könne wir den Anlass beruhigt angehen», meint Bussmann. Wichtig seien auch die Meilemer Vereine, die tatkräftig helfen. Andernorts haben Veranstalter aufgegeben, weil neu ein Sicherheitsdienst bezahlt werden muss. In Meilen ist das kein Problem, eine Security wird nicht benötigt, sagt Marcel Bussmann. Ausser einer Eingangskontrolle muss nichts getan werden. Zwischenfälle gab es noch nie.

Die Konkurrenz ist in diesem Jahr grösser geworden. Das beunruhigt die Organisatoren aber nicht. «Das ist gut für die Bevölkerung. Wenn die Schweiz spielt, hat sie eine grössere Auswahl. An diesen Spieltagen mussten wir auch schon Leute abweisen».

Leute zusammenbringen

Auch schon zur Tradition geworden ist das Public Viewing in Stäfa. Zum dritten Mal organisiert die Familie Steiger das Ereignis im Güterschuppen beim Bahnhof. Die Idee dazu hatten Vater und Tochter. Tabita Steiger betont aber, dass die Vereine im Dorf mithelfen, um das Public Viewing zu ermöglichen. Ihr Ziel sei, die Leute zusammenzubringen. Springt ein Gewinn heraus, wird er den beteiligten Vereinen gespendet. Das war bei den letzten Anlässen der Fall. Nach der EM 2016 seien 14 Vereine beschenkt worden, sagt Steiger.

Rund 120 Sitzplätze bietet der Güterschuppen, zusätzlich gibt es einzelne Stehplätze. Gezeigt werden alle Spiele, auch wenn es schon um 12 Uhr losgeht. Dass die Konkurrenz grösser geworden ist, sieht Steiger nicht als Problem. «Wir haben viele Stammkunden, die fast täglich kommen», sagt sie. Vor allem die Stäfner kämen gerne im dorf zusammen. Und gerade bei den Spielen der Schweiz sei eine Auswahl sicher nicht schlecht. Der Güterschuppen sei dabei jeweils proppenvoll. Wer keinen Platz mehr findet, könne so vielleicht woanders das Spiel schauen.

Zu den Stammorganisatoren zählt mittlerweile auch die Freizeitanlage Sunnemetzg in Küsnacht. Wie die Familie Steiger sind die Küsnachter zum dritten Mal dabei. Gemeinsam mit Vereinen organisiert die gemeindeeigene Einrichtung den Anlass. Gezeigt werden in der Anlage beim Horn alle Spiele.

Erlenbach ist zurück

2018 bringt eine Rückkehr für Fussballbegeisterte in Erlenbach. Der Verein Kupfermine richtet sich im Turmgut ein. Der Verein hat schon 2008 und 2010 ein Public Viewing organisiert. Zuletzt verzichtete er aus verschiedenen Gründen, etwa weil die Schweiz nicht qualifiziert war oder die Anspielzeiten ungünstig lagen, wie Vereinsmitglied Thomas Roos gegenüber dem «Küsnachter» sagt. Nachdem die Qualifikation der Nati feststand, habe man sich aber zur erneuten Durchführung entschieden.

Ein völliger Neuling in Sachen Public Viewing ist die Schiffstation in Männedorf. Erst auf diese Saison von Michel Péclard übernommen, nutzt die Beiz die Wiese neben dem Häuschen. Gegen 200 Personen könnten auf den Festbänken Platz finden, sagt Geschäftsführerin Jenny Frenademez. Zum Schutz wird ein Sonnensegel gespannt. Einziger Nachteil: Bei Sturm und heftigem Regen werden die Spiele nicht gezeigt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.06.2018, 21:24 Uhr

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Bezirk Horgen

Die einen hoffen auf Kroatien, die andern trauern den Italienern nach

Das Bild von zwei Festzelten mit einigen Metern Abstand war deutlich. Vor zwei Jahren war im Zentrum Horgen Fussball Trumpf. Die Piazza vor dem Schinzenhof und der Vorplatz der Alten Schule waren einen Monat lang in den Händen der Fussballfans. Doch während der WM in Russland ist einiges anders.

Der Verein Box-Ring Zürichsee Horgen (BRZH) organisiert in diesem Jahr kein Public Viewing – zum ersten Mal seit 2010. Dies, obwohl die Vereinigung 2012 gar das Risiko einging, ein Public Viewing vor dem See la vie zu organisieren, als die Schweiz nicht mitspielte. Die Situation verschärfte sich vor zwei Jahren, als es plötzlich zwei Public Viewings im Horgner Dorfzentrum gab. Zwar betont Tobi Kron, Präsident des BRZH, dass eine Veranstaltung 2018 auf der Piazza möglich gewesen wäre. Das Budget war erstellt, die ehrenamtlichen Helfer hätte man gehabt.

Letztlich verzichtet das OK aus diversen Gründen. Die wichtigsten waren, dass der FC Horgen sich gegen ein Public Viewing entschieden hat, da die Gemeinde zwei Veranstaltungen nebeneinander bewilligte, und zu hohe Sicherheitskosten. Auf Anfang Jahr wurde das Gesetz geändert. Die Security hätten die Veranstalter einkaufen müssen. Kron rechnet mit gut 25 000 Franken. Zuvor habe der Verein selber problemlos für die Sicherheit gesorgt.

Entlastung tut gut

Trotz Absage macht der Präsident des Box-Rings gute Miene. «Es schadet nicht, mal zu verzichten, die Nachbarn werden dankbar sein. Und der Aufwand für die Ehrenamtlichen war gross», sagt er. Auch sei die Organisation eines Public Viewing politisch verkrampfter geworden. Negativ falle ins Gewicht, dass Italien nicht spiele, das viele Zuschauer angelockt habe. Kron ist zuversichtlich, 2020 wieder etwas zu organisieren, konzentriert sich bis dahin aber auf den Kampfsport.

Das grösste Public Viewing in der Region bietet die Alte Schule in Horgen. 700 Personen finden im grossen Zelt vor dem Gebäude Platz. Möglich ist zusätzlich, die Spiele drin zu verfolgen. Vor allem, wenn die Schweiz spielt, wird das wichtig sein. Gemäss Geschäftsführer Bruno Decurtins ist die Obergrenze bei 1200 Besuchern erreicht. Vor zwei Jahren stand die Alte Schule noch in Konkurrenz. Dass das zweite Public Viewing ausfällt, dürfte nicht schaden.

Helfer stellen der Handballclub, der Dartclub und der Turnverein Horgen. An einzelnen Abenden stehen auch Helfer des Schwimmclubs Horgen im Einsatz. Die Vereine erhalten einen Betrag für die Vereinskasse. Mit dem FC habe es Kontakt gegeben, die Zusammenarbeit ist aber nicht zustande gekommen.

«Keine Millionäre»

Decurtins stellt klar, dass das Public Viewing kein Selbstläufer ist. «Nur weil der Laden bei den Schweiz-Spielen voll ist, werden wir nicht reich», sagt er. Dies sei auf die sehr teure Infrastruktur zurückzuführen. Auch die Gemeinde leiste einen grosszügigen finanziellen Beitrag an die Veranstaltung. Aber man wolle, dass etwas läuft im Dorf. Neben einem guten Abschneiden der Schweizer hofft der Geschäftsführer auf die Kroaten. «An der EM haben die Fans für einmalige Stimmung gesorgt», erzählt er.

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