Männedorf

Verurteilter Männedörfler schlemmt auf SRF

Letztes Jahr ist Beat K. wegen Veruntreuungzu einer Strafe von 30 Monaten verurteilt worden. Er befindet sich derzeit in Halbgefangenschaft. Dennoch trat er letzte Woche vergnügt in der Sendung «Mini Beiz, dini Beiz» auf.

Der verurteilte Männedörfler trat in der Fernsehsendung «Mini Beiz, dini Beiz» auf: Kein schöner Anblick für die geprellten Opfer des 61-Jährigen.

Der verurteilte Männedörfler trat in der Fernsehsendung «Mini Beiz, dini Beiz» auf: Kein schöner Anblick für die geprellten Opfer des 61-Jährigen. Bild: Screenshot SRF

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Als Claudia Larsen aus Männedorf letzte Woche zufällig in die Fernsehsendung «Mini Beiz, dini Beiz» zappte, blieb ihr fast der Risotto im Hals stecken. Einen der Stammgäste, die in der Sendung ihre Lieblingslokale vorstellen und bewerten, kennt sie nur zu gut: «Beat K. hatte als Chefbuchhalter im Medizinalunternehmen meines Mannes rund 624 000 Franken abgezweigt.»

Der Mann, der in der SRF-Sendung Crevetten und Prosecco mit Erdbeerpüree degustierte, fungierte von 2011 bis 2014 als Finanz­leiter des Unternehmens mit drei Firmen in Zürich. Ab 2012 überwies er regelmässig Geld auf sein Privatkonto ab. ­Damit finanzierte er seinen luxuriösen Lebensstil. «Er leaste ­etwa mit der Unterschrift meines Mannes einen teuren Mercedes», sagt Claudia Larsen. Doch damit nicht genug: K. war auch in einer Liegenschaft des Ehepaars Larsen eingemietet. Die Mietkosten habe er mit gestohlenem Geld ­bezahlt, und das Haus habe man nach seinem Auszug für 16 000 Franken renovieren müssen, erzählt die Männedörflerin.

Mehrfach verurteilt

Beat K. wurde im Mai 2016 aufgrund der Delikte vom Zürcher Obergericht wegen Veruntreuung und mehrfacher Unterschriftenfälschung verurteilt. Das Gericht ordnete eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten an, davon zwölf Monate unbedingt.

Laut dem «Blick» verbüsst der 61-Jährige die Haftstrafe seit Februar in Halbgefangenschaft. Er darf das Gefängnis tags­über verlassen, um zur Arbeit zu gehen. Die Nächte und Wochen­enden muss er jedoch hinter ­Gittern verbringen. Gegenüber dem «Blick» sagt K., er habe sich im Gefängnis eine Erlaubnis einge­holt, um bei den fünf Sendungen teilzunehmen. «Ich habe das Ganze als Arbeit deklariert. Schliesslich habe ich auch 300 Franken Spesen verdient und das Restaurant in Marketing­fragen beraten», sagt er.

Keinen Rappen bezahlt

Eine Schweinerei sei das, sagt Larsen. «Er hat uns noch keinen Rappen zurückbezahlt und lässt sich vom SRF verköstigen.» Auch auf eine Entschuldigung wartet die 55-Jährige noch immer vergebens.

Larsen beschwerte sich beim Schweizer Fernsehen. Dieses schrieb in einer Entschuldigung, die Verurteilung sei nicht bekannt gewesen. Straftätern wollten sie künftig keine Plattform bieten. Gegenüber dem «Blick» sagt SRF-Sprecherin Lorena­ Sauter: «Nebst dem Ausfül­len eines Fragebogens am Casting unterzieht die Produktionsfirma sowohl Beizenver­treter als auch Stammgäste ­einer Internet-Recherche. Das wurde auch in diesem Fall ­durchgeführt. Dabei wurde nichts Auffälliges gefunden.»

In «Rundschau» entlarvt

Bei SRF selber ist der Verurteilte allerdings kein unbeschriebenes Blatt: In einer «Rundschau»-Sendung wurde Beat K. bereits als Betrüger entlarvt. Das Schweizer Rechtssystem nutzte er aus, indem­ er immer wieder den Kanton wechselte, um seine Verfehlungen zu vertuschen. Schon 2003 wurde er im Kanton Bern wegen Veruntreuung von meh­reren 100 000 Franken zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Diese wurde damals zugunsten einer ambulanten Psychotherapie aufgeschoben. Mittlerweile hat der 61-Jährige seinen Wohnsitz in Gambarogno TI.

Larsen ist skeptisch

«Ich werde versuchen, das Geld zurückzuzahlen», beteuert er dem «Blick». Er gehe deshalb verschie­denen Jobs nach. ­Claudia Larsen ist skeptisch, wie ernst K. dieses Versprechen meint. Aber immerhin hat sich die Situation für ihre Familie inzwi­schen etwas beruhigt. «Die Angelegenheit hat uns aber ­damals finanziell beinahe das ­Genick gebrochen», sagt Claudia Larsen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.09.2017, 09:40 Uhr

Claudia Larsen (55) aus Männedorf: Sie und ihr Mann warten noch immer auf das Geld, das Beat K. ihnen schuldig ist. (Bild: zvg)

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