Stäfa

Und plötzlich stehen überall Elektroautos

Die Gemeindewerke Stäfa haben zur Driving Experience eingeladen. Dort konnten Elektroautos Probe gefahren werden. Auch der Schreibende setzte sich ans Steuer. Ein Fahrbericht.

So leise wie mit dem elektrischen Nissan war der Autor noch nie mit einem Auto unterwegs.

So leise wie mit dem elektrischen Nissan war der Autor noch nie mit einem Auto unterwegs. Bild: Moritz Hager

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Es ist wie verhext. An dem Tag, an dem ich zum ersten Mal ein Elektroauto fahren werde, sehe ich lauter Vehikel, die elektrisch unterwegs sind: Da steht ein BMWi3 an der Ampel, vor dem Volg ist ein Tesla parkiert, am Fussgängerstreifen hält ein Elektroroller der Post. Das Phänomen ist mir bekannt: Interessiert man sich für grüne VW-Busse, sieht man überall grüne VW-Busse, es wimmelt von grünen VW-Bussen.

Auf dem Stäfner Seeplatz angekommen, wo meine Fahrt beginnen soll, sehe ich sogar nur noch Elektroautos. Das hat nichts mit genanntem Phänomen zu tun, sondern mit dem Umstand, dass die Stäfner Gemeindewerke zur Driving Experience eingeladen haben. In Zusammenarbeit mit der Fachgesellschaft e’mobile von Electrosuisse und lokalen Partnern wird der Bevölkerung die elektrische Mobilität näher gebracht. Interessierte können Elektroautos Probe fahren, sich auf einen Elektrotöff setzen oder eine Runde mit einem elektrisch betriebenen Motorboot machen.

Bei der Driving Experience kam auch die Stäfner Jugend auf ihre Kosten.

Ungewöhnliches Starten

Meine Wahl für die erste Probefahrt fällt auf das Modell Leaf von Nissan, das von der Feldhof Garage AG aus Uetikon zur Verfügung gestellt wird. «Rund 40 000 Franken kostet die Version mit 40 kWh», sagt Inhaber Thomas Reinhard. Die Reichweite beträgt 250 bis 270 Kilometer – sie hängt von der Fahrweise ab. Wie Gian Güler von e’mobile erklärt, haben Elektroautos einen viel höheren Wirkungsgrad als solche mit Verbrennungsmotoren. Je nachdem, mit welchem Strommix der Halter sein Auto auflädt, fährt er ohne dabei Kohlendioxid auszustossen. So viel zur Umwelt, nun geht es ans Praktische.Das Starten des Autos ist für mich, der sonst ein benzinbetriebenes Auto fährt, ungewöhnlich: Es ist so spektakulär wie das Einschalten einer Waschmaschine. Beim Drücken des On-Off-Knopfs höre ich gar nichts. Nur ein Symbol leuchtet auf und zeigt an, dass die Batterie mit dem Elektromotor verbunden ist. Das Auto ist nun bereit, um loszufahren.

Vorsichtig drücke ich aufs Gaspedal. Der Nissan rollt lautlos an. Der Fahrtwind und das Geräusch der Reifen auf dem Asphalt verraten, dass sich das Auto bewegt. Ansonsten fährt es sich wie ein Fahrzeug mit Automatikgetriebe. Ein Pedal ist die Bremse, das andere das Gaspedal. Der Elektromotor hat nur einen Gang, denn er liefert schon aus dem Stand das volle Drehmoment, was eine Schaltung überflüssig macht. Wir fahren vom Dorfzentrum hinauf zum Frohberg. Am Hang drücke ich ein bisschen mehr aufs Gaspedal, der Wagen beschleunigt gleichmässig auf 65 km/h. Erlaubt sind 60.

Rund um den Zürichsee ein häufiges Bild: Ladestationen für Elektroautos.

Auto bremst automatisch

Ich nehme den Fuss vom Gas. Auch das Bremsen ist neu für mich. Im sogenannten Rekuperationsmodus muss ich nur den Fuss vom Gas nehmen und das Auto bremst automatisch, wobei die dabei entstandene Energie wieder zurück in die Batterie fliesst. Damit dabei nachfolgende Autofahrer gewarnt sind, leuchten die Bremsleuchten auf. Bei einem normalen Auto hingegen geht beim Bremsen Energie verloren – sie wird von den Bremsscheiben und Bremsklötzen in Wärme umgewandelt und ungenutzt an die Luft abgegeben. Wir surren wieder zurück zum Seeplatz, wo ich das Auto parkiere.

Mein erster elektrischer Eindruck: Die fehlenden Motorgeräusche machen die Fahrt angenehmer, leiser. Als grossen Mehrwert sehe ich gerade an diesem heissen Tag aber auch die Möglichkeit, das Auto vor der Abfahrt zu kühlen, ohne es anzulassen, denn: Die Klimaanlage läuft bei Elektroautos – im Gegensatz zu Autos mit Verbrennungsmotoren – auch ohne Motor.

Die zweite Probefahrt mache ich mit einem Hyundai Nexo, der rund 85 000 Franken kostet und als SUV deutlich mehr Platz bietet. Der Antrieb ist ebenfalls elektrisch, allerdings bezieht der Wagen die Energie nicht aus einer Batterie sondern aus einer Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff betrieben wird.

Fahren mit Wasserstoff

Rund 60 Franken koste einmal volltanken, sagt Geschäftsführer Heinz Faust, von der gleichnamigen Garage, die den Wagen an-bietet. Wie beim Nissan beschleunigt auch der Hyundai praktisch geräuschlos. Den Berg hinauf muss ich wieder auf das Tempo achten, kurz aufs Gaspedal gedrückt und wir bewegen uns mit fast 70 km/h.

Wie der Nissan fährt sich auch der Hyundai sehr leise. Ein Wermutstropfen ist allerdings die noch knappe Verfügbarkeit von Wasserstoff an Tankstellen. Doch es sei Besserung in Aussicht, sagt Faust: «Im nächsten Jahr sollen in der Schweiz sechs neue Wasserstofftankstellen realisiert werden.»

Erstellt: 02.09.2019, 16:13 Uhr

Mehrere Organisatoren

Um der Bevölkerung Elektromobilität näherzubringen, organisierten die Gemeindewerke Stäfa mit der Fachgesellschaft e’mobile von Electrosuisse, dem Verein Energy4drive und dem lokalen Gewerbe am Samstag die Driving Experience. Auf dem Seeplatz konnte sich die Bevölkerung beraten lassen, Elektrofahrzeuge Probe fahren und Modelle vergleichen. (fps)

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