Stäfa

Umstrittenes Bed & Breakfast muss sofort schliessen

Jahrelang haben sich eine Hauseigentümerin und die Gemeinde einen Kleinkrieg geliefert. Die Frau wollte nicht akzeptieren, dass die Behörden ihr Bed and Breakfast schliessen wollten. Nun bleibt ihr keine andere Wahl.

Ein jahrelanger Konflikt zwischen einer Hauseigentümerin und der Gemeinde Stäfa um ein Bed and Breakfast ist zu einem Ende gekommen. (Symbolbild)

Ein jahrelanger Konflikt zwischen einer Hauseigentümerin und der Gemeinde Stäfa um ein Bed and Breakfast ist zu einem Ende gekommen. (Symbolbild) Bild: Archiv Sibylle Meier

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Die kantonale Baudirektion spricht ein Machtwort in einem seit Jahren schwelenden Konflikt zwischen der Gemeinde Stäfa und einer Eigentümerin einer Liegenschaft. Die Frau lebt und arbeitet seit 22 Jahren in ihrer Betriebswohnung und in mehreren Ateliers in der ehemaligen Fabrik Mettler Toledo an der Grundstrasse.

Die Räumlichkeiten erstrecken sich über ein ganzes Geschoss. Seit 2006 bietet die Frau einige der Räume als Bed and Breakfast an. Zunächst liess die Gemeinde sie gewähren, ein Jahr später aber schritt sie ein: Da sich die Liegenschaft in der Industriezone befinde, sei die kommerzielle Vermietung nicht zonenkonform und somit nicht zulässig.

Diese Auffassung vertritt auch die Baudirektion. Sie hat vergangene Woche über eine Aufsichtsbeschwerde der Frau gegen die Gemeinde Stäfa entschieden, wie am Donnerstag bekannt wurde. Die Baudirektion hält fest, dass die Liegenschaft in der Industriezone zwar für Ateliers sowie als Betriebswohnung genutzt werden darf. Aber: «Die Vermietung von Wohnraum an Touristen fällt nicht unter die in der Industriezone erlaubten Nutzungen.»

Jahrelang Verbot missachtet

Die Eigentümerin und die Gemeinde befinden sich seit Jahren in einem Kleinkrieg. Auf Anzeigen folgten Rekurse. Das Baurekursgericht untersagte zwar schon früh den Betrieb des B&B. Offenbar vermietete die Frau aber die Räume weiterhin. Im vergangenen Jahr eskalierte dann die Situation: Die Gemeinde führte in Begleitung zweier Polizisten eine Baukontrolle durch und drohte eine Zwangsvollstreckung an.

Die Frau wähnte sich nach wie vor im Recht. Sie stützte sich unter anderem auf eine missverständliche Auskunft, die ihr eine Mitarbeiterin der Gemeinde gegeben hatte. Weil sie sich von der Gemeinde ungerecht behandelt fühlte, reichte sie schliesslich die Aufsichtsbeschwerde ein.

Die Baudirektion äussert sich in ihrem Entscheid auch über die Art und Weise, wie der Konflikt zwischen den beiden Parteien ausgetragen wurde. Die Eigentümerin möge zu Recht den Eindruck haben, dass die Gemeinde im Umgang mit ihr strikter vorgehe als mit anderen Einwohnern, heisst es im Entscheid. Auch möge sie die Baukontrolle in Anwesenheit zweier Polizisten als schikanös empfinden.

Das Handeln der Gemeinde erstaune indes wenig, «hat die Beschwerdeführerin doch das Vertrauen in ihre Bereitschaft, die Regeln zu befolgen, mehrfach enttäuscht. So hat sie wiederholt bauliche Massnahmen vorgenommen, ohne vorgängig eine Bewilligung dafür einzuholen, und sie setzt sich seit Jahren über das Verbot hinweg, ihr Stockwerkeigentum für die Beherbergung von Touristen zu nutzen.»

Auch Kritik an der Gemeinde

Die Baudirektion lässt allerdings auch leise Kritik an der Gemeinde durchscheinen, dies im Zusammenhang mit einem anderen B&B an der Webereistrasse. Es befindet sich ebenfalls in der Industriezone. Die Vermieterin des B&B an der Grundstrasse hatte bemängelt, dass der Betrieb dasselbe tue wie sie. Tatsächlich musste dessen Besitzerin sodann ein Baugesuch einreichen, das immer noch hängig ist.

Die Baudirektion schreibt dazu: «Der Beschwerdeführerin ist zuzustimmen, dass dieses Verfahren erst verzögert eingeleitet wurde und dass dessen Behandlung sich nun schon lange hinzieht.» Die Baudirektion weist die Gemeinde Stäfa an, das Verfahren bald abzuschliessen, was diese nun tun will.

Der Gemeinderat sagt, er habe das Verfahren absichtlich aufgeschoben, bis der Entscheid zur Aufsichtsbeschwerde vorliege. Diesen begrüsst er ausdrücklich. Er schaffe Klarheit zu B&B-Angeboten in der Stäfner Industriezone. Zudem zeige er, dass der Gemeinde keine Verfehlungen oder eine rechtsungleiche Behandlung von Eigentümern vorgeworfen werden könnten.

Gemäss Auskunft der Baudirektion ist der Entscheid abschliessend und kann nicht weitergezogen werden. Somit ist klar: Das B&B muss sofort schliessen. Wie die Gemeinde nun vorgehe, sei noch nicht entschieden, sagt Gemeindeschreiber Daniel Scheidegger auf Anfrage. Sie werde aber kontrollieren, ob sich die Eigentümerin an das Verbot halte, und gegebenenfalls Massnahmen treffen. Die Besitzerin der Liegenschaft wollte sich am Donnerstag noch nicht zum Entscheid äussern.

Erstellt: 12.09.2019, 19:00 Uhr

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