Erlenbach

Umgetaufte Bushaltestelle erzürnt Schützen

Die Erlenbacher Schützen haben nach einem Brand und einer Abstimmungsniederlage das Schützenhaus verloren. Nun wird auch die danach benannte Bushaltestelle umgetauft. Der Entscheid stösst beim Verein auf blankes Unverständnis.

An das abgebrannte Schützenhaus erinneren nur noch das Fundament (im Hintergrund) und wenige Tage noch der Name der Bushaltstelle.

An das abgebrannte Schützenhaus erinneren nur noch das Fundament (im Hintergrund) und wenige Tage noch der Name der Bushaltstelle. Bild: Manuela Matt

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Die Erlenbacher Schützen hadern mit ihrem Schicksal. Erst mussten sie mitansehen, wie die Gemeindeversammlung im Juni den Kredit für den Wiederaufbau des 2016 abgebrannten Schützenhauses versenkte. Vom Widerstand, losgetreten vom benachbarten Landwirt Matthias Wydler, waren sie überrumpelt worden – sie wehrten sich an der Versammlung nicht einmal dagegen.

Nun, fünf Monate später, sind sie erneut Augenzeugen einer denkwürdigen Gemeindeversammlung geworden – dieses Mal aber mit umgekehrtem Vorzeichen: Die Mehrheit der Erlenbacher hat jenen Vereinen, die auf den Dorfsaal im Erlibacherhof angewiesen sind, die Unterstützung gewährt und der Rettung der maroden Liegenschaft zugestimmt. Die betroffenen Vereine hatten aber weitaus geschickter agiert als die Schützen und bereits im Vorfeld der Abstimmung aktiv für ihr Anliegen geworben.

Auch Passagiere betroffen

Nun haben die Schützen mit Verwunderung festgestellt, dass die Bushaltestelle «Schützenhaus» der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember umbenannt wird. Sie heisst nun «Trottgatter», gleich wie das Gebiet, in dem sich jahrzehntelang das Schützenhaus befand.

Auch für die Benutzer des öffentlichen Verkehrs ist die Änderung von Bedeutung: Sie müssen sich den neuen Namen der Haltestelle einprägen, die zugleich Endstation der Buslinie 961 ist. Diese bedient vom Bahnhof aus die Quartiere am Hang bis hinauf zum Schützenhaus beziehungsweise Trottgatter.

Gemeinde wollte Änderung

Für die Buspassagiere dürfte die Namensänderung aber weitaus weniger emotional sein als für die Schützen. «Es tut weh», sagt Urs Fehr, Präsident der Schützengesellschaft Erlenbach. Der Schritt ist unverständlich für ihn. «Niemand hielt es für nötig, uns darüber zu informieren», sagt er. «Uns irritiert, wie schnell das jetzt passiert ist. Man hätte doch den Namen in Gedenken der Schützengesellschaft so belassen können – wenigstens noch für eine Weile.»

Weshalb wurde er überhaupt geändert? Die Umbenennung sei nicht aus Initiative der VZO erfolgt, sagt Joe Schmid, Leiter Angebot und Markt des Verkehrsbetriebs. Die VZO seien von der Gemeinde Erlenbach dazu gebeten worden. Die Namenswahl «Trottgatter» sei ebenfalls auf Wunsch der Gemeinde erfolgt.

«Die Namensgebung einer Bushaltestelle kann ein Verkehrsbetrieb nie alleine entscheiden», sagt Schmid. Dazu sei immer ein Vernehmlassungsverfahren notwendig. Es brauche die Zustimmung von Gemeinde, Kanton und dem Bundesamt für Verkehr. «Dieses Verfahren wurde auch hier angewendet und es erfolgte die Zustimmung von allen Parteien.» Dass eine Umbenennung in der Bevölkerung etwas auslöst, erlebt Schmid oft: «Namen von Haltestellen haben häufig etwas Emotionales.»

Keine grossen Wellen geworfen hat bislang ein ähnlicher Fall in Rüti: Auch dort wird mit dem Fahrplanwechsel die Haltestelle «Schützenhaus» unbenannt. Sie heisst neu «Sportplatz». Das Schützenhaus selber existiert seit einiger Zeit nicht mehr.

«Überhaupt kein böser Wille»

Gemeindeschreiber Hans Wyler sagt zur Umbenennung der Bushaltestelle: «Da steckt in keinster Weise böser Wille dahinter. Wir haben überhaupt nichts gegen die Schützengesellschaft.» Im Gegenteil: Die Gemeinde habe den Verein stets unterstützt – angefangen nach dem Brand des Schützenhauses bis hin zur Abstimmung über den Kredit für den Ersatzneubau. Auch nach dessen Ablehnung habe man weiter das Gespräch gesucht und angeboten, gemeinsam mit dem Schützenverein eine gute Lösung in einer benachbarten Gemeinden zu finden.

Die Namensänderung der Bushaltestelle sei letztlich ein logischer Schritt. «Wenn es das Schützenhaus nicht mehr gibt, ist es nicht sinnvoll, die Bushaltestelle weiterhin so zu benennen», sagt Wyler. Da in Erlenbach sehr viele Haltestellen nach Flurnamen benannt seien, habe man sich für den Namen Trottgatter entschieden. Er habe nicht erwartet, dass die Änderung schon auf den nächsten Fahrplanwechsel in Kraft trete, sagt der Gemeindeschreiber weiter.

Der Frust von Schütze Urs Fehr ist indessen gross. «Ich bin masslos enttäuscht von der Gemeinde», sagt er. «Wenn es um andere Vereine geht, legt man sich ins Zeug», sagt er mit Blick auf den Erlibacherhof. «Für uns hingegen nicht.», Er räumt zwar ein, dass der Schützenverein nicht der grösste im Dorf sei – «aber jener mit der längsten Tradition».

Nach 150 Jahren ist Schluss

Nächstes Jahr feiert der Verein sein 150-jähriges Bestehen. Bis dann wollen die Mitglieder noch durchhalten, auch ohne eigenes Schützenhaus. Seit dieses abgebrannt ist, gehen die Mitglieder ihrem Hobby in Meilen nach, zumindest auf 300 Meter Distanz. Der 50-Meter-Stand, in unmittelbarer Nähe zum abgebrannten Erlenbacher Schützenhaus, ist noch benutzbar. Dieser allein könne aber den Fortbestand des Vereins nicht garantieren, sagt Fehr. «Längerfristig haben wir keine Chance, anderswo unterzukommen – als Einzelschützen zwar schon, nicht aber als gesamter Verein.» Fehr formuliert es drastisch: «Ende 2019 stirbt der Verein.»

Erstellt: 29.11.2018, 16:47 Uhr

Fahrplan ausgebaut

Mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember verkehrt die Linie 961 wochentags eine Stunde früher im Halbstundentakt als bisher, nämlich ab 15.33 Uhr vom Bahnhof Erlenbach aus beziehungsweise ab 15.45 Uhr von der Haltestelle Trottgatter aus. (miw)

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