Uetikon

Uetikon geht mit der Post auf Konfrontationskurs

Der Uetiker Gemeinderat schenkt den Zahlen der Post keinen Glauben. Die Filiale im Dorf sei durchaus rentabel, findet die Behörde. Bis auf weiteres verhandelt sie nicht mehr über die Schliessung der Poststelle.

Die Post ist erst vor wenigen Jahren ins Zentrum Riedsteg übersiedelt. Jetzt wird über diese Filale im Herzen Uetikons die Schliessung geprüft.

Die Post ist erst vor wenigen Jahren ins Zentrum Riedsteg übersiedelt. Jetzt wird über diese Filale im Herzen Uetikons die Schliessung geprüft. Bild: Archiv Manuela Matt

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Die Gemeinde Uetikon legt ihre Gespräche mit der Post auf Eis. Die Post hatte im vergangenen Frühling angekündigt, dass sie ihre Niederlassung in Uetikon überprüfen will – so, wie sie es schon in diversen Gemeinden getan hat oder noch tun wird. Im Rahmen dieser Überprüfung sucht die Post jeweils das Gespräch mit den betroffenen Gemeinden. Meist geht es darum, mögliche Alternativen zu evaluieren, weil die Filialen nicht mehr so gut frequentiert sind wie früher. In der Regel werden dann Postagenturen mit einem beschränkten Dienstleistungsangebot in einem Lebensmittelladen oder einem Kiosk eröffnet. Auch in Uetikon steht dies zur Diskussion, in den Verhandlungen ging es um mögliche Standorte für eine solche Agentur.

Allerdings haben sich sich der Uetiker Gemeinderat und die Vertreter der Post auch nach zwei Gesprächsrunden nicht gefunden. Die Post habe eine vertiefte Analyse der Uetiker Filiale im Vergleich zu anderen Poststellen im Bezirk Meilen präsentiert, heisst es in einer Mitteilung der Gemeinde. Zu überzeugen vermochte diese die Behörde aber nicht. Es sei ja logisch, dass die Poststelle in Uetikon nicht mit jener in einer bevölkerungsreicheren Gemeinde wie Meilen mithalten könne, sagt Gemeindeschreiber Reto Linder auf Anfrage.

Betroffene Poststellen rund um den Zürichsee und im Linthgebiet.

Umstrittene Statistik

Vor allem aber zweifelt die Gemeinde die Zahlen der Post an. Diese operiere nach wie vor mit nicht aussagekräftigem Zahlenmaterial von 2016, heisst es in der Mitteilung. Damals wurden an der Bergstrasse, an der sich das Riedstegzentrum samt Poststelle befindet, Bauarbeiten durchgeführt. Die Filiale sei dadurch mit dem Auto schlechter erreichbar gewesen als sonst, argumentiert der Gemeinderat. Normalerweise werde die Post besser frequentiert als in diesem Jahr.

Krach mit dem eigenen Mieter

«Auch die Rentabilitätsrechnung für die Poststelle Uetikon kann nicht nachvollzogen werden», heisst es zudem. Der Gemeinderat macht etwa geltend, dass ihm die Mietzinsen bekannt sind – die Post ist ausgerechnet Mieterin in einer Liegenschaft, die der Gemeinde gehört.

Auf Anfrage der ZSZ gibt die Behörde den Mietzins aber nicht bekannt, weil dieser für sich allein zu wenig aussagekräftig sei. Gemeindeschreiber Linder sagt jedoch: «Unserer Meinung nach ist es möglich, in einer Gemeinde mit über 6000 Einwohnern eine Post betriebswirtschaftlich zu betreiben.»

Damit steht letztlich Aussage gegen Aussage. Die Post gibt keine detaillierte Zahlen zu einzelnen Filialen bekannt. Postsprecher Markus Werner sagt aber auf Anfrage: «Wir haben der Gemeinde aufgezeigt, dass die Filiale Uetikon – verglichen mit den anderen Filialen in der Region – diejenige mit der geringsten Nachfrage ist.» Die Entwicklung sei über mehrere Jahre hinweg rückläufig. «Obwohl die Bevölkerung zunahm, hat die Anzahl der am Schalter getätigten Kundengeschäfte kontinuierlich abgenommen.»

Die Post stelle öfters fest, dass eine steigende Einwohnerzahl in einem Ort nicht zwangsläufig höhere Frequenzen und mehr Postgeschäfte für die lokale Postfiliale bringe. Dies liege daran, dass immer mehr Kunden ihre Postgeschäfte elektronisch, auf dem Arbeitsweg oder am Arbeitsort erledigen würden.

Post prüft weiteres Vorgehen

Wie geht es nun in Uetikon weiter? Der Uetiker Gemeinderat sistiert die Diskussion über die Zukunft der Postfiliale bis 2020. Er verweist auf das Postgesetz, das im Parlament pendent ist. Auch dort hatte sich Widerstand geregt gegen die Ausdünnung des Poststellennetzes. Der Bundesrat hat nun eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die diesen Frühling mögliche Lösungen präsentieren soll. «Erst wenn auf Bundesebene definitiv geklärt worden ist, was im Postgesetz in Bezug auf den Service Public und das Schweizer Poststellennetz angepasst werden muss, können die Gespräche mit der Post fortgesetzt werden», schreibt darum die Gemeinde Uetikon.

Was sagt die Post zu dieser einseitigen Aufkündigung der Gespräche? Sie lässt sich davon nicht provozieren. «Wir haben das Schreiben der Gemeinde Uetikon zur Kenntnis genommen und werden nun prüfen, wie wir fortfahren», sagt Sprecher Markus Werner. «Natürlich sind wir weiterhin gesprächsbereit.»

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.02.2018, 18:04 Uhr

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