Uetikon

Telefonbetrug ist verbreiteter als man denkt

Nach wie vor treiben Telefonbetrüger ihr Unwesen und drängen als falsche Verwandte oder Polizisten ältere Menschen zum Überweisen von Geld. Ein Informationsnachmittag in Uetikon diente dazu, den Tätern künftig das Handwerk zu legen.

Auf dem Riedstegplatz in Uetikon klärte die Polizei bereits vor dem Saal die Besucher über Telefonbetrug auf.

Auf dem Riedstegplatz in Uetikon klärte die Polizei bereits vor dem Saal die Besucher über Telefonbetrug auf. Bild: Moritz Hager

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Die Gefahr, einem durchtriebenen Telefonbetrüger auf den Leim zu gehen, scheint real. Trotz garstigem Wetter haben sich am Donnerstagnachmittag über fünfzig fast ausnahmslos ältere Personen zum Riedstegsaal ins Uetiker Dorfzentrum begeben, wo die Gemeinde Uetikon zusammen mit dem Verein 60+ zur Informationsveranstaltung geladen haben.

Vor Ort wartet bereits der Präventionsbus der Kantonspolizei Zürich, wo Kantonspolizist Christoph Merz und zwei Beamten der Uetiker Gemeindepolizei die Besucher mit Flyern und Schokolade in Empfang nehmen. Drinnen im Saal hält anschliessend Marianne Röhricht, Präsidentin vom Ausschuss Sicherheit der Gemeinde Uetikon, eine kurze Ansprache. Dann übernimmt Rolf Decker, Projektleiter Präventionsabteilung der Kantonspolizei Zürich, das Zepter.

Am Telefon überredet

Decker demonstriert gleich zu Beginn seines Referats, warum er das Gefahrenbewusstsein generell für zu gering hält. Auf seine Frage an die versammelte Runde, wie viele sich davor fürchteten, Opfer eines Telefonbetrugs zu werden, strecken gerade einmal drei Personen die Hand in die Höhe. Viele würden die Gefahr unterschätzen, bis sie realisierten, selber zum Betrugsopfer geworden zu sein, sagt Decker. «Die Täter gehen äusserst raffiniert vor und entwickelten von Zeit zu Zeit auch immer wieder neue Maschen, mit denen sie ihre Opfer ködern», erzählt Decker. Ein wahrer Klassiker unter den Telefonbetrügereien sei schon seit der 1990er Jahren der sogenannte Enkeltrick, wo ein Anrufer sich als Verwandter ausgibt, der rasch finanzielle Hilfe benötige, die er angeblich schon bald wieder zurückzahlen werde. Bei den Enkeltrickbetrügern handele es sich fast ausschliesslich um Roma aus Polen, die perfekt Hochdeutsch sprächen, weiss Decker zu berichten.

Eine neuere Betrugsmasche sei hingegen der «falsche Polizist». Dabei geben sich Betrüger, ebenfalls in geschliffenem Hochdeutsch, als Polizisten aus und drängen ihre Opfer dazu, ihnen Geld oder Wertsachen auszuhändigen, da angeblich ihr Geld auf der Bank nicht mehr sicher sei oder sich ihr Haus im Visier von Einbrechern befinden würde. Diese Betrugsmethode wiederum wird fast ausschliesslich von Deutschtürken angewandt, welche von der Türkei aus agierten, stellt Decker fest. Warum die beiden Betrugsarten ausschliesslich bei zwei spezifischen Ethnien verbreitet sind, kann auch Decker nicht genau erklären. Die vorhandenen Statistiken lieferten bloss den Befund, dass dem so sei. Beiden Vorgehensweisen gemeinsam ist jedoch die Tatsache, dass die Opfer ihr Geld nie mehr sehen, haben sie es erst mal überwiesen. Und weil beide Tätergruppen über anonyme oder manipulierte Rufnummern vom Ausland aus agieren, bleibe auch die Aufklärungsrate ziemlich tief, wie Decker einräumt.

Ältere Menschen betroffen

Als Opfer suchen sich die Betrüger über das Telefonbuch Festnetznummern von Personen mit altmodisch klingenden Namen aus, da es die Täter auf ältere Personen abgesehen haben. Offensichtlich lassen diese sich leichter um den Finger wickeln. So sind gemäss der Kriminalstatistik fast sämtliche Opfer jenseits der 60. 2018 verzeichnete der Bezirk Meilen 65 Fälle von versuchtem und vollendetem Telefonbetrug, die Dunkelziffer dürfe aber rund fünf mal höher liegen, wie Decker einwendet. Gerade die Opfer vollendeter Betrugsfälle würden sich häufig zu fest schämen, um Anzeige zu erstatten.

Dann spielt Decker den Anwesenden einige Originalaufnahmen von aufgezeichneten Gesprächen vor, auf denen Betrüger versuchen, ihre Opfer zu überlisten. Einige Anwesende schütteln beim Zuhören den Kopf. Ob aus Unverständnis wegen der Naivität der Opfer oder aus Schockiertheit über die Gerissenheit der Täter, lässt sich nicht nicht genau feststellen. Klar wird jedoch, dass einige die Fähigkeiten der Täter zur psychologischen Manipulation ihrer Opfer unterschätzt haben. Vor allem die teilweise extreme Hartnäckigkeit der Betrüger, eine regelrechte Zermürbungstaktik, erstaunt viele.

Zum Schluss erörtert Decker, wie man sich vor Betrugsversuchen schützen kann. Im Grunde genommen scheint dies relativ einfach. Ist sich jemand bei angeblichen Verwandten oder Bekannten am Telefon nicht ganz sicher, so soll er oder sie nichts persönliches von sich preisgeben. Denn so wird es für die Anrufer schwierig, sich spontan eine passende Legende auszudenken. Gleichzeitig können die Täter auch mit Gegenfragen zu ihrer angeblichen Person ausmanövriert werden. «Beim Trick mit dem falschen Polizisten wiederum hilft schon die Einsicht, dass die Polizei selten einfach so und unangekündigt bei Ihnen zu Hause anruft und dabei auch noch Hochdeutsch mit Ihnen spricht», klärt Decker die Anwesenden auf.

Die Informationsveranstaltungen der Polizei zum Thema scheinen jedenfalls ihre erhoffte Wirkung zu entfalten. So hat sich kürzlich ein Mann telefonisch direkt bei der Kantonspolizei Zürich gemeldet und sich eindringlich darüber beschwert, dass diese mit ihrer Präventionsarbeit sein Geschäftsmodell ruinieren würde. Die Stimme des Mannes war der Polizei bereits einschlägig bekannt.

(weitere Infos unter www.telefonbetrug.ch) (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.03.2019, 18:01 Uhr

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