Küsnacht

Streit um Kastanienbaum verzögert Sozialwohnungen

Ein Bauprojekt in Küsnacht, das Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen bieten soll, ist blockiert. Der Grund: Anwohner wollen eine Kastanie erhalten.

Die Rosskastanie in Küsnacht hinter dem Seewasserwerk soll gefällt werden. Auf dem Grundstück will die Gemeinde ein Haus mit Wohnungen für Menschen mit begrenzten finanziellen Mitteln bauen.

Die Rosskastanie in Küsnacht hinter dem Seewasserwerk soll gefällt werden. Auf dem Grundstück will die Gemeinde ein Haus mit Wohnungen für Menschen mit begrenzten finanziellen Mitteln bauen. Bild: Patrick Gutenberg

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Ende dieses Jahres hätten die Küsnachter eigentlich über einen Baukredit für ein Wohnhaus für soziale Zwecke, sprich ein Haus mit 25 bezahlbaren Wohnungen, abstimmen sollen. Mit diesem Bau will die Gemeinde Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen oder ansonsten geringen finanziellen Mitteln schaffen. Doch der Entscheid über das Projekt «Zweiheit», das 25 Mietwohnungen an der Freihofstrasse vorsieht, verzögert sich.

Grund dafür ist ein Rekurs mehrerer Anwohner gegen den Bau, wie die Lokalzeitung Küsnachter schreibt. Die Rekurrenten stören sich unter anderem daran, dass die stattliche Rosskastanie, die jetzt noch auf dem Areal hinter dem Seewasserwerk steht, gefällt werden soll.

So sollen die Sozialwohnungen dereinst aussehen. Bild: PD/Visualisierung.

Durch Sturm beschädigt

Überraschend kommt die geplante Fällung nicht. So war die Zukunft des Baumes bereits 2017 beim Entscheid der Gemeindeversammlung über den Projektierungskredit von 420 000 Franken ein Thema. «Es zeigte sich, dass der Schutz des an der Süd-West-Grenze stehenden Baumes während der Aushub- und Bauarbeiten mit unverhältnismässig hohem baulichem und finanziellem Aufwand verbunden wäre», stand damals in der Weisung. Selbst mit aufwändigsten Massnahmen könne das Überleben der Rosskastanie nicht garantiert werden. Weiter steht, dass das Projekt deshalb als Ersatz für die Rosskastanie an der Nordwest-Ecke des Grundstücks die Pflanzung bereits gut gewachsener Laubbäume vorsehe.

Gerüchte, dass der Baum krank ist, verneint Gemeindeschreiberin Catrina Erb Pola. «Die Kastanie ist nicht krank, das wurde gegenüber der Bevölkerung auch nie so kommuniziert.» Allerdings sei die Kastanie durch den Sturm Burglind vom 3. Januar 2018 stark beschädigt worden.

Wegen der Rosskastanie an der Freihofstrasse und einer Rotbuche auf der Forch, die bereits gefällt wurde, wird nun auch das politische Netzwerk Rotgrünplus Küsnacht aktiv. «Es ist wichtig, dass ein gewisser Schutz besteht und erst eine Überprüfung stattfindet, bevor ein Baum gefällt wird», betont Beatrice Rinderknecht, eine von drei Koordinatoren von Rotgrünplus. Sie betont, dass es der politischen Gruppierung dabei besonders um Bäume auf Gemeindeland sowie im Baumkataster verzeichnete Bäume von Privaten gehe. Dieses Kataster umfasst Bäume, die prägend für das Ortsbild sind.

Rinderknecht schwebt ein ähnliches Vorgehen wie bei einem Baugesuch vor, also eine öffentliche Auflage mit Einsprachemöglichkeit, wie sie sagt. Zudem verweist sie auf die Energie- und Naturschutzkommission, über die Küsnacht verfügt. «Wir fordern, dass die Gemeindeverwaltung erst die Kommission konsultieren muss, bevor Bäume gefällt werden.» Rinderknecht könnte sich auch ein System mit Abgeltungen für Private vorstellen, wenn ein Baum nichtgefällt werden darf. Der zuständige Gemeinderat Walter Matti (parteilos) hatte im Küsnachter allerdings gesagt, dass ein solcher Einbezug der Kommission nicht vorgesehen sei.

Beim geplanten Gebäude an der Freihofstrasse ist die Sache für das Netzwerk allerdings nicht eindeutig. «Wir stehen als Rotgrünplus hinter dem Projekt: Es ist wichtig für Küsnacht», sagt Rinderknecht in Bezug auf den Neubau. Zudem sei klar, dass nicht jeder Baum gerettet werden könne. Man müsste aber vielleicht überprüfen, ob eine Ersatzpflanzung für die Rosskastanie noch grösser ausfallen könne.

Nebendran wird gebaut

Wann der Baukredit für das Gebäude an der Freihofstrasse vors Volk kommt, ist noch unklar. Zuerst muss das Baurekursgericht über den Fall entscheiden. Klar ist, dass die Lage in unmittelbarer Nähe zur ARA und den Werken unterschiedlich beurteilt wird. So wird auf dem direkt angrenzenden Grundstück, das Privaten gehört, bereits gebaut – zwei Häuser mit 17 Luxus-Eigentumswohnungen.

Erstellt: 14.10.2019, 17:16 Uhr

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