Männedorf

Spital Männedorf wegen Problemarzt unter Beobachtung

Das Zentrum für Übergewichtsmedizin am Spital Männedorf war einst um den umstrittenen Arzt Ralf Senner aufgebaut worden, wie ZSZ-Recherchen zeigen.

Blaues Licht, moderne Technik: Blick in einen Operationssaal im Spital Männedorf.

Blaues Licht, moderne Technik: Blick in einen Operationssaal im Spital Männedorf. Bild: Sabine Rock

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Der Fall um den Übergewichtschirurgen, der am Spital Männedorf freigestellt wurde, zieht weitere Kreise. In der Schweizerischen Fachorganisation für die Behandlung von krankhaftem Übergewicht (Adipositas), der SMOB, ist Ralf Senner ein rotes Tuch. Deren Präsident Renward Hauser sagt gegenüber der ZSZ, er habe das Spital Männedorf schon 2014 vor Senner gewarnt. «‹O herrje›, rutschte es aus mir heraus, als ich am Telefon erfuhr, dass man in Männedorf mit ihm ein Adipositas-Zentrum aufbauen wollte.»

Im selben Jahr hatte die Fachgesellschaft dem Arzt die Mitgliedschaft verweigert, weil man ihn für ein schwarzes Schaf hielt. Am Spital Männedorf war Senner Ende 2014 als Belegarzt akkreditiert worden. Hinweise auf Verfehlungen habe es keine gegeben, sagen die Verantwortlichen heute. Das Haus hegte damals die Absicht, ein von der SMOB anerkanntes bariatrisches Zentrum zu werden – mit Senner als beteiligtem Chirurgen.

Interne Leitung bevorzugt

Auf Anfrage bestätigt CEO Stefan Metzker, dass der rumänischstämmige Arzt im ersten Antrag an die SMOB als Zentrumsverantwortlicher aufgeführt war. Schon wenige Monate später wurde die Leitung aber umgemeldet – auf Rolf Schlumpf, einen ausgewiesenen Spezialisten und Gründungsmitglied der SMOB. Dieser stiess Anfang 2015 als Chefarzt der Bauchchirurgie zum Spital Männedorf.

Ist der rasche Wechsel ein Hinweis darauf, dass mit Senner nicht alles reibungslos lief? Nein, sagt Metzker. Vielmehr sei von Beginn weg klar gewesen, dass Senner als Belegarzt bereits in einem eigenen Netz von Spezialisten ausserhalb des Spitals eingebunden sei. «Sobald wir die Möglichkeit hatten, das Zentrum intern zu organisieren, wollten wir das auch tun.»

Antrag auf Höherstufung

Offenbar hat die Fachgesellschaft aber mittlerweile ein kritisches Auge auf das Männedörfler Zentrum für Übergewichtsmedizin gelegt. Die SMOB hat vom Bundesamt für Gesundheit den Auftrag, die anerkannten Institutionen regelmässig aufgrund eingereichter Unterlagen zu kon­trollieren. «Auf Wunsch eines Zentrums und wenn ein Zentrum die Umteilung vom Primär- zu einem Referenzzentrum beantragt, aber auch wenn uns etwas nicht ganz koscher erscheint, künden wir zusätzlich eine Visitation an», sagt Hauser. Genau dies wäre noch dieses Jahr für Männedorf geplant gewesen. Männedorf stellte zu Jahresbeginn den Antrag auf eine Höherstufung. Heute ist es ein sogenanntes Primärzentrum, also nur für leichtere kassenpflichtige Fälle zugelassen.

Ein weiterer Grund für die geplante Visitation war Ralf Senner. «Dass innerhalb eines SMOB-anerkannten Zentrums nicht nur kassenpflichtige Operationen, sondern auch solche an Selbstzahlern durchgeführt werden, ist problematisch.» Denn in solchen Fällen sei nicht automatisch gewährleistet, dass der Chirurg die Richtlinien der SMOB einhalte.

Kanton wird aktiv

Damit spricht Hauser den Fall eines älteren Patienten an, den Senner in Männedorf operierte und der den Eingriff zunächst selbst bezahlen musste. Die Operation gelang nicht wie geplant. Im Nachhinein kam heraus, dass es sich sehr wohl um einen kassenpflichtigen Eingriff handelte, der aber aufgrund seiner Schwere nicht in Männedorf hätte durchgeführt werden dürfen. Der Patient erhielt sein Geld zurück. Auf die angestrebte Qualifikation als Referenzzentrum habe die Trennung von Senner keinen Einfluss, sagt CEO Metzker. Man erfülle auch ohne ihn die nötige Anzahl Operationen.

Die SMOB hat die Zürcher Gesundheitsdirektion diese Woche in einem Brief aufgefordert, den Vorwürfen gegen Senner nachzugehen. Der Arzt habe im Jahr 2011 vom Kanton die Bewilligung erhalten, um selbstständig eine Praxis zu führen, sagt Sprecher Daniel Winter. Man habe sich dabei auf Arbeitszeugnisse, Straf­registerauszüge und ein «Certifi­cate of good standing» des Regierungsbezirks Oberbayern abgestützt. Letzteres habe Senner Unbedenklichkeit bescheinigt, sagt Winter. Im Rahmen ihrer Abklärungen ist die Gesundheitsdirektion auch bereits ans Spital Männedorf gelangt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 31.03.2017, 21:05 Uhr

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Gravierende Vorwürfe der Fachgesellschaft

Ralf Senner arbeitete ab 2010 in der Schweiz, zuerst in einer Klinik in Kreuzlingen, dann in Winterthur. Zuvor operierte er in München. Mehrere seiner Operationen endeten dort in Gerichtsfällen, wie der «Tages-Anzeiger» publik gemacht hat. In einem besonders schweren Fall wurde Senner zu 65 000 Euro Schmerzensgeld verurteilt, und er muss die Kosten künftiger Schäden tragen.

«Ihm eilte ein Ruf voraus, als er in die Schweiz kam», sagt Renward Hauser, ­Präsident der Adipositas-Fachgesellschaft. Von Patienten habe man in den folgenden Jahren immer wieder Hinweise auf mangelnde Sorgfaltspflicht und unethische Honorarpraktiken erhalten. Senner habe etwa übereilte Operationstermine angesetzt, und er habe mit Patienten einen «sehr rüden Umgangston» gehabt.

Immer wieder ging es auch um Geld – viel Geld. In der Schweiz sind die meisten Operationen bei krankhaftem Über­gewicht eine Pflichtleistung der Krankenkassen. Hauser sagt: «Wir werfen Ralf Senner vor, dass er Patienten gezielt falsch informierte, nämlich dass sie eine Operation selber bezahlen müssten.» So sei der Arzt private Deals mit Patienten eingegangen, von denen er entsprechend profitiert habe.

Ralf Senner sagte diese Woche gegenüber der ZSZ, er habe es nicht nötig, jemanden aus finanziellen Erwägungen zu einer Operation zu drängen. Ihm sei das Wichtigste, seinen Patienten helfen zu können. Viele von ihm operierte Patienten hätten ihn weiterempfohlen. (amo)

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Unzulässige Operation führte zur Trennung

Wegen einer «gravierenden Unkorrektheit» hat sich das Spital Männedorf von einem Belegarzt getrennt. Wie CEO Stefan Metzker am Freitag sagte, handelt es sich um einen Vorfall, bei dem wissentlich ein Eingriff durchgeführt wurde, für den Männedorf vom Kanton Zürich keinen Leistungsauftrag hat. Das Spital habe den Fall der Gesundheitsdirektion bereits mündlich gemeldet.

Obwohl die schweizerische Fachorganisation für Übergewichtsmedizin auch fachliche Vorwürfe gegen den Arzt äussert, hält Metzker fest, dass in Männedorf die Patientensicherheit stets gewährleistet gewesen sei und die Eingriffe komplikationsarm abliefen. Mit dem fehlbaren Chirurgen habe man aber öfters Diskussionen über interne Abläufe gehabt. (amo)

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