Kantonsratswahlen

Sie wollen alle in den Zürcher Kantonsrat

Zehn Parteien haben in den Bezirken Meilen und Horgen Kandidaten für die Kantonsratswahl vom 24. März aufgestellt. Einige bisherige Parlamentarier müssen um ihre Wiederwahl bangen.

Wer schafft es am 24. März aus den Gemeinden am linken und rechten Zürichseeufer in den Zürcher Kantonsrat? 258 Kandidatinnen und Kandidaten treten an.

Wer schafft es am 24. März aus den Gemeinden am linken und rechten Zürichseeufer in den Zürcher Kantonsrat? 258 Kandidatinnen und Kandidaten treten an.

Viele Parteien haben ihre Listen für die Kantonsratswahl vom 24. März bereits in den vergangenen Monaten publiziert, am Mittwoch hat nun aber die Direktion der Justiz und des Innern das vollständige Kandidatenfeld offiziell publik gemacht. Daraus wird ersichtlich, dass 115 Personen den Bezirk Meilen im Kantonsrat vertreten möchten. 12 Sitze stehen dem Wahlkreis zu.

Dies ist aufgrund der gegenwärtigen Bevölkerungsverteilung im Kanton einer weniger als vor vier Jahren. Das heisst: Das Gerangel wird grösser, zumal 13 bisherige Kantonsräte wieder kandidieren. Mindestens ein Bisheriger wird also nicht wiedergewählt. Einen zusätzlichen Sitz zu ergattern, dürfte ausserdem für alle Parteien schwierig werden.

Delikat ist die Ausgangslage für die SVP, die 2015 einen Wähleranteil von 31,2 Prozent erzielte und damit stärkste Partei im Bezirk Meilen ist. Sie holte damals 4 Sitze. Mit der von Zürich nach Küsnacht gezogenen Nina Fehr Düsel wohnt inzwischen sogar eine fünfte SVP-Kantonsrätin in der Region. Sie kandidiert dieses Mal im Wahlkreis Meilen und nicht mehr im Wahlkreis 7+8 der Stadt Zürich. Parteiintern konkurrenziert sie damit die Bisherigen Hans-Peter Amrein (Küsnacht), Tumasch Mischol (Hombrechtikon), Christian Hurter (Uetikon) und Domenik Ledergerber (Herrliberg).

SVP müsste dazugewinnen

Wahrscheinlich ist deshalb, dass die SVP nicht mehr all ihre Bisherigen ins Zürcher Parlament bringt – es sei denn, die Partei steigert sich massiv und holt einen Sitz mehr als vor vier Jahren. Der umtriebige Meilemer Roberto Martullo, der 2015 erfolglos war und vom sechsten Listenplatz aus erneut sein Glück versucht, dürfte es wiederum schwer haben.

Weniger Konkurrenz gibt es innerhalb der FDP. Sie holte 2015 als zweitstärkste Partei einen Wähleranteil von 28,8 Prozent und wie die SVP 4 Sitze. Die Bisherigen Beatrix Frey-Eigenmann (Meilen), Peter Vollenweider (Stäfa) und Christian Schucan (Uetikon) treten wieder an. Die Zolliker Schulpräsidentin Corinne Hoss-Blatter auf dem vierten Listenplatz könnte auf die abtretende Katharina Kull-Benz (Zollikon) folgen.

Die drittstärkste Partei, die SP (14,7 Prozent), schickt ebenfalls ihre Bisherigen – Hanspeter Göldi (Meilen) und Esther Meier (Zollikon) – ins Rennen. Auf dem dritten Listenplatz lauert Rafael Mörgeli, SP-Präsident von Stäfa.

Die GLP (7,7 Prozent) will ihren Sitz mit dem Bisherigen Thomas Wirth (Hombrechtikon) verteidigen, liebäugelt aber mit einem zweiten Sitz. Hinter Wirth folgt auf dem zweiten Listenplatz die Stäfner Gemeinderätin Claudia Hollenstein. Auf Konstanz setzen auch die Grünen (5 Prozent), die mit Thomas Forrer (Erlenbach, bisher) antreten.

Für die CVP des Bezirks Meilen könnte die diesjährige Wahl erneut eine Zitterpartie werden. Sie bangte schon vor vier Jahren um ihren einzigen Sitz, den sie mit dem Bisherigen Lorenz Schmid (Männedorf) und einem Wähleranteil von 4,5 Prozent verteidigen konnte. Schmid ist auch dieses Mal Spitzenkandidat der CVP.

Mehr Frauen als anderswo

Die übrigen Parteien, die bei den letzten Wahlen weniger als 3 Prozent Stimmenanteil erzielten, dürften chancenlos sein. Die EDU lanciert als Spitzenkandidat Heinz Kyburz (Meilen). Er war bis 2015 Kantonsrat, schaffte dann aber die Wiederwahl nicht. Die EVP hat ihren Sitz bereits 2003 verloren und tritt mit Ursula Hänni-Hauser (Uetikon) an. Die AL und die BDP schliesslich sind im Bezirk Meilen kaum präsent und dürften vor allem deshalb Kandidaten aufgestellt haben, damit ihre Partei auf gesamtkantonaler Ebene einige zusätzliche Stimmen holt. Im Zürcher Wahlsystem mit seiner rechnerisch komplexen Sitzverteilung kann dies mitunter zu einem zusätzlichen Mandat in einem anderen Wahlkreis führen.

Der durchschnittliche Kantonsratskandidat aus dem Bezirk Meilen ist 48,5 Jahre alt. Das ist leicht über dem kantonalen Durchschnitt. Der Frauenanteil beträgt 46,1 Prozent und ist nur in zwei Stadtzürcher Wahlkreisen höher.

Bisherige als Zugpferde im Bezirk Horgen

Bei 93 Prozent der Kandidierenden im Wahlkreis IX, dem Bezirk Horgen, handelt es sich um Bisherige. Die SVP will an den Wahlen vom 24. März ihre vier Sitze im Kantonsrat verteidigen. Es treten drei Bisherige an: Urs Waser (Langnau), Bezirksparteipräsident Marcel Suter (Thalwil) und Christina Zurfluh (Gemeinderat Wädenswil). Den vierten Sitz des aus Altersgründen nicht mehr antretenden Armin Steinmann (Adliswil), Statthalter des Bezirks Horgen, streben etwa Margrit Haller (Kilchberg) und Kerstin Steiner (Horgen) an.

Die FDP verspricht sich heuer für die Kantonsratswahl einen weiteren, vierten Sitz. Für diesen schickt sie ihren Präsidenten und Adliswiler Gemeinderat Mario Senn ins Rennen. Er füllt den vierten Listenplatz aus. Vor ihm sind Bisherige aufgelistet: Astrid Furrer (Stadträtin Wädenswil), Hans-Peter Brunner (Gemeinderat Horgen) und Fabian Müller (Gemeinderat Rüschlikon). Letzterer rückte für Antoine Berger (Kilchberg) nach, der bis Ende 2018 einen der drei Sitze der FDP Bezirk Horgen im Kantonsrat innegehabt hatte und ebenfalls altersbedingt zurücktrat.

Auch SP will vierten Sitz

Auch die SP tritt mit drei Bisherigen an: Wädenswiler Stadtrat Jonas Erni, Adliswiler Gemeinderat Davide Loss und Adliswiler Stadträtin Carmen Marty Fässler. Mit dem Ziel, der SP Bezirk Horgen einen weiteren Sitz zu ergattern, folgt auf dem vierten Listenplatz Michael Stünzi (Planungs- und Baukommission Thalwil).

Die CVP des Bezirks Horgen setzt den Adliswiler Stadtpräsidenten Farid Zeroual als bisherigen Kantonsrat auf den ersten Listenplatz. Mit ihm soll die Verteidigung des einzigen Sitzes der CVP Bezirk Horgen im kantonalen Parlament gelingen. Auch die GLP Bezirk Horgen legt ihr Vertrauen in ihre bisherige Kantonsrätin Judith Bellaiche (Kilchberg). Zudem soll ein zweiter Sitz her. Auf dem aussichtsreichsten zweiten Listenplatz ist Christa Stünzi (Schulpflege Horgen) gesetzt.

AL strebt Mandat an

Als Spitzenkandidatin schicken die Grünen des Bezirks die Bisherige Edith Häusler (Kilchberg) ins Rennen. Sie streben einen zweiten Sitz an. Für die EVP des Bezirks kandidiert der bisherige Kantonsrat Tobias Mani (Au) als Spitzenkandidat. Die BDP will ihren einzigen Kantonsratssitz mit dem Bisherigen Rico Brazerol verteidigen. EDU und AL können keinen solchen aufweisen. Die AL ist aber ehrgeizig: Sie erscheint mit voller Liste und strebt ein Mandat für den Bezirk an. Den Spitzenplatz besetzt, anders als vorab vermittelt, die in Zürich wohnhafte Julia König.

Der Frauenanteil im Bezirk Horgen liegt bei 44 Prozent und ist somit leicht über dem kantonalen Durchschnitt von 42 Prozent. Bezüglich des Durchschnittsalters liegt der Wahlkreis mit 45 Jahren unter dem kantonalen Durchschnitt von 46 Jahren.

Texte: Michel Wenzler, Colin Bätschmann
Infografiken: Martin Steinegger
(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.02.2019, 10:02 Uhr

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