Männedorf

Sie springt der Konkurrenz im Irish-Dance davon

Irish-Dance ist die Leidenschaft von Katy Pegg aus Männedorf. Die 32-Jährige ist in ihrer Kategorie amtierende Europameisterin. Der Tanz spielt auch in ihrer weiteren Lebensplanung eine wichtige Rolle.

Katy Pegg stammt aus England, lebt heute in Männedorf und setzt beim Irish-Dance auch gerne mal zu beeindruckenden Sprüngen an.

Katy Pegg stammt aus England, lebt heute in Männedorf und setzt beim Irish-Dance auch gerne mal zu beeindruckenden Sprüngen an. Bild: Michael Trost

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Hätte Katy Pegg nicht einst ihre Heimat verlassen – sie wäre jetzt wohl kaum eine der Besten in dem Tanz, der just in ihrem Heimatland eine seiner Hochburgen hat. Was verwirrend klingt, hat seine Erklärung erstens in der Liebe und zweitens in der Suche nach einer Verbindung zur Kindheit. Und drittens, viertens und fünftens mit Talent, Begeisterung und dem unbändigen Willen zum Erfolg. Wie auch viele Menschen hierzulande schaute sich Pegg eine Aufführung der irischen Tanzshow «Riverdance» an. Man schrieb das Jahr 1994.

Pegg, damals neunjährig, war fasziniert von dem Tanz mit den schnellen Steppschritten – dem Irish-Dance. Wenig später stand sie selber in einer Tanzschule in ihrer englischen Heimatstadt Colchester und übte die Bein- und Fussbewegungen bei möglichst starrem Oberkörper. Doch die Lehrerin war streng. «Im Teenageralter ist es mir verleidet», sagt Pegg heute in der Stube in ihrem Männedörfler Zuhause. Dort hängt über einer Stuhllehne eine rote Schärpe: Vor wenigen Wochen hat sie sie im polnischen Gdynia umgehängt bekommen – für nichts weniger als den Europameister-Titel im Irish-Dance.

In Lausanne wiederentdeckt

Zwischen dem Verleiden im Teenageralter und der heutigen Begeisterung für den Tanz, die ihr die Auszeichnung in der Kategorie «Senior Ladies» beschert hat, liegt ein Praktikum in Kasachstan. Pegg absolvierte es im Rahmen ihres Physikstudiums, und dabei lernte sie ihren jetzigen Verlobten kennen, einen Schweizer Geografen. Mit ihm und einer jungen Familie bildet sie heute in Männedorf eine Wohngemeinschaft.

«Ich möchte Irish-Dance-Lehrerin werden - und etwas für den Kopf und die Seele tun.»Katy Peggy, Irish-Dance Europameisterin

«Nach Ankunft in der Schweiz vor sieben Jahren habe ich aber erst in Lausanne gearbeitet», sagt die 32-Jährige. Und dort habe sie als Freizeitbeschäftigung etwas gesucht, das sie in Verbindung zu ihrer englischen Heimat brachte: Bei einer gut 70-jährigen Irin entdeckte sie erneut den Irish-Dance, der auch in England eine lange Tradition habe und «extrem beliebt» sei – vor allem bei Kindern.

In Kürze bei den Besten

Pegg entwickelte Ambitionen und wechselte an die renommierte Maguire O’Shea Academy in Basel. Die erste Teilnahme an einer Europameisterschaft folgte noch im selben Jahr. Sie wurde Achte, beim dritten Mal bereits Zweite. Nun wollte sie unbedingt gewinnen. Sie trainierte viel, mehr als viermal pro Woche. Dennoch schaute in den vergangenen zwei Jahren wieder nur der zweite und dritte Platz heraus – von gut 50 Teilnehmerinnen ihrer Kategorie. Bis Anfang diesen November: «In Polen ist alles unglaublich gut gegangen.»

Sie klappt ihren Laptop auf und zeigt Filmsequenzen ihres Auftritts. Beine gekreuzt, Füsse nach aussen gedreht, steppt sie in rasantem Tempo nach ihrer eigenen Choreografie und zeigt damit den letzten von insgesamt drei Prüfungselementen: Von rechts nach links und das Ganze nochmals spiegelverkehrt. Oberkörper und Arme dagegen: unbewegt. So verlangt es auch das Reglement.

Das stets lächelnde Gesicht von Pegg macht den Eindruck, alles geschehe spielend einfach. «Ich habe es diesmal viel lockerer genommen, früher war ich nicht immer ganz so», sagt sie und vollendet den Satz, indem sie Arme und Oberkörper zusammenkrampft und dabei das Gesicht zu einer steinernen Miene verzieht – um die gezeigte Anspannung alsbald wieder in ein gelöstes Lächeln übergehen zu lassen.

Lehrerin auf zwei Arten

Immer begeisterter spricht die erst noch zurückhaltend wirkende junge Frau über ihre Faszination. Da wirkt der Satz «Ich höre wohl langsam auf» wie ein Bruch. Aber, sagt sie, Irish-Dance fordere auch seinen Tribut: Rücken- und Gelenkschmerzen, weil möglichst mit gestreckten Beinen und ohne zu federn nach einem Sprung gelandet werden sollte.

Das Aufhören soll aber nicht definitiv sein, im Gegenteil: «Ich möchte Irish-Dance-Lehrerin werden.» Neun der zwölf erforderlichen offiziellen Prüfungen hat sie bereits abgelegt. Parallel dazu bereitet sie sich für das Lehrdiplom in Physik vor. «Etwas für den Kopf und etwas für die Seele.» Vorerst aber steht um Ostern nächstes Jahr die Weltmeisterschaft in Glasgow an. Bis dahin ist das Aufhören aufgeschoben – mindestens. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.11.2017, 13:50 Uhr

Katy Pegg (32), Irish-Dance Europameisterin aus Männedorf

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