Stäfa

Sensirion wirft den Wachstumsmotor an

Das Technologieunternehmen aus Stäfa stellt Sensoren her, die man in Autos, Kühlschränken und in der Medizinaltechnik findet. Das einstige ETH-Start-up soll nun auch für Anleger zur Erfolgsgeschichte werden.

Fokus auf Innovationen: Von den rund 500 Mitarbeitenden von Sensirion in Stäfa sind 200 in der Forschung und Entwicklung tätig.

Fokus auf Innovationen: Von den rund 500 Mitarbeitenden von Sensirion in Stäfa sind 200 in der Forschung und Entwicklung tätig. Bild: Dominique Meienberg

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«The Sensor Company», mit dem Slogan wirbt Sensirion aus Stäfa. Kaum jemand in der breiten Öffentlichkeit weiss, was die Firma genau macht – obwohl praktisch jeder im Alltag mit Produkten zu tun hat, in denen Sensirion-Technik steckt. Sensirion entwickelt und produziert Mikrosensoren, die beispielsweise die Temperatur, die Feuchtigkeit und den Feinstaub messen – oder den Gasverbrauch erfassen. So findet man die Technologie in Autos, Kühlschränken, Smartphones,in Energieverbrauchszählern (Smart Meter) oder in medizinischen Geräten.

Demnächst dürfte Sensirion einem breiteren Publikum bekannt werden. Zumindest für Anleger wird das Technologieunternehmen zum Thema, denn derzeit arbeitet das Management mit Hochdruck am Börsengang. Wann die Aktie das erste Mal an der Schweizer Börse SIX gehandelt wird und zu welchem Preis, ist noch nicht bekannt. Die Vorbereitungen sind jedoch bereits sehr weit. Beobachter rechnen damit, dass Sensirion noch vor Ostern der jüngste Zugang an der Schweizer Börse sein wird.

Die technologisch wichtigen Abläufe bleiben alle in der Schweiz. Sensirion will so die eigenen Technologien vor Kopien schützen. Bild: Dominique Meienberg.

Aus Doktorarbeit wurde mehr

Gegründet wurde Sensirion 1998 von den ETH-Absolventen Felix Mayer und Moritz Lechner. ­Mayer befasste sich in seiner Doktorarbeit mit der Entwicklung von Sensoren. Die beiden Jungunternehmer nutzten die Erkenntnisse und wagten die Selbstständigkeit. Bereits zwei Jahre später verkauften sie ihren ersten Sensor. Schnell expandierten sie mit neuen Produktlinien für weitere Anwendungsbereiche und belieferten bald Medizinaltechnikfirmen, Autohersteller und die Unterhaltungsbranche. Nach sieben Jahren beschäftigte das Start-up 50 Personen.

Firmensitz war zu Beginn Oerlikon. 2005 zog das Unternehmen nach Stäfa. Im gleichen Jahr wurde in den USA die erste Auslandvertretung eröffnet. Es folgten Niederlassungen in Süd­korea, China, Taiwan und Japan.

Möglich machte die Erfolgs­geschichte von Sensirion Investor Gottlieb Knoch. Er finanzierte das Start-up von Beginn weg. Als «Angelinvestor» garantierte er die langfristig ausgerichtete Unternehmensstrategie. Knoch (75) verfügt über Erfahrungen als CEO, Verwaltungsrat und Investor. Die Biotechfirma Bachem und der Laborausrüster Tecan sind zwei seiner Stationen gewesen.

Mit dem geplanten Börsengang gibt das Unternehmen erstmals Einblick in die Geschäftszahlen der letzten Jahre. 2017 schrieb Sensirion bei einem Umsatz von knapp 150 Millionen Franken einen Betriebsgewinn von 26 Millionen Franken (vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Wertberichtigungen). Damit kommt das Unternehmen auf eine Gewinnmarge von 18 Prozent. Ge­gen­über 2015 steigerte Sensirion die Verkäufe um einen Viertel. Dazu beigetragen hat auch der Zukauf des Automobilgeschäfts von Auto Industrial Co.

Weltweit beschäftigt Sensirion gegen 750 Personen, rund 500 davon an den beiden Standorten in Stäfa. Hier arbeiten rund 200 Personen in der Forschung und Entwicklung. Weiter sind 200 Personen in der Produktion tätig, 60 im Verkauf und gegen 40 in der Administration. Die beiden Firmengebäude liegen in Stäfa nur wenige Meter voneinander entfernt.

Über 50 Prozent Marktanteil

Das zweite Gebäude mit einer Produktionsfläche von 10 000 Quadratmetern wurde 2011 in Betrieb genommen. In Spitzenzeiten werden hier rund um die Uhr täglich bis zu 350 000 Sensoren hergestellt. Während einfache Produktionsschritte im Ausland und von Drittfirmen übernommen werden, verbleiben die Endfabrikation und die technologisch wichtigen Abläufe in der Schweiz. Bei Sensirion will man so die eigene Techno­logie vor Kopien schützen. Fakt ist: 98 Prozent aller Sensoren werden von Kunden im Ausland bezogen.

Sensirion ist in ihrer Branche Technologieführerin und zählt in gewissen Sparten einen Marktanteil von über 50 Prozent. In ­jedem dritten neu hergestellten Auto steckt heute mindestens ein Sensor aus Stäfa – jährlich werden über 70 Millionen Motorfahrzeuge produziert.

Der Börsengang dient Mehrheitsaktionär Gottlieb Knoch zum Ausstieg aus seinem Investment. Es werden vorwiegend seine Aktien platziert. Gleichzeitig plant Sensirion, neue Aktien für 55 Millionen Franken auszu­geben. Die beiden Gründer und heutigen Co-Verwaltungsratspräsidenten Mayer und Lechner bleiben in der Firma investiert. Analysten schätzen den Börsenwert von Sensirion auf 450 und 550 Millionen Franken.

Es bleibt zu beobachten, ob Sensirion die Erfolgsgeschichte seines Nachbarn in Stäfa wiederholen kann: Der Hörgerätehersteller Sonova (früher Phonak) ging 1994 an die Börse. Der Aktienkurs ist seither um über 2500 Prozent gestiegen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.03.2018, 09:21 Uhr

Sensirion hält an Stäfa fest

Das Marktumfeld für einen Börsengang ist – nach den turbulenten Februartagen – wieder intakt. Sensirion-CEO Mark von Waldkirch gibt sich denn auch zuversichtlich. Der Börsengang soll, wie vor Wochenfrist kommuniziert, in den kommenden Monaten stattfinden. Das Topmanagement des vor 20 Jahren gegründeten Industriebetriebs informierte gestern am Hauptsitz in Stäfa über die Details zum geplanten «Going Public». Vom Gang an die Schweizer Börse soll auch der Firmenstandort Stäfa profitieren.

Der Weltmarktführer für Umwelt- und Durchflusssensorik ist hier seit 2005 zu Hause und will von hier aus auch das zukünftige Wachstum steuern. Die Aussichten in der Sensorindustrie seien ausgezeichnet, sagte von Waldkirch. Der Umsatz von Sensirion ist seit zehn Jahren konstant gewachsen. Das Unternehmen ist heute siebenmal grösser als die Nummer zwei im Feuchtesensor-Markt.

Hoher Bedarf an Ingenieuren

Die räumlichen und personellen Kapazitäten für weiteres substanzielles Wachstum sind nach Angaben von von Waldkirch am Zürichsee gegeben. Dank der Nähe zu den Hochschulen gebe es hier ein grosses Reservoir an talentiertem Ingenieurnachwuchs. Und Sensirion gelinge es, diese Fachkräfte anzuziehen und langfristig zu halten. Von den 500 in Stäfa tätigen Sensirion-Mitarbeitenden – von insgesamt 735 – sind 200 in Forschung und Entwicklung beschäftigt und fast 100 in der Produktion. Sensirion stellt täglich 350 000 Sensoren her. Diese gelangen in der Automobilindustrie, in der Medizinaltechnik (Anästhesie) und im Consumerbereich (mobile Geräte) zum Einsatz. Laut von Waldkirch ist jeder dritte PW weltweit mit einem Sensor von Sensirion bestückt. (Thomas Schär)

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