Schulen

Schulen am See stellen kaum zusätzliche Lehrer an

Mit zusätzlichen Vollzeitstellen will der Kanton die Schulen entlasten. Das Angebot wird am Zürichsee bisher bei weitem nicht ausgeschöpft. Als Grund nennen die Schulverantwortlichen vor allem die strikten Kriterien des Volksschulamts.

Die zusätzlichen Stellenprozente aus dem kantonalen Lehrerpool sind in der Region bei weitem nicht ausgeschöpft. Im Bild das Oberstufenschulhaus Obstgarten in Stäfa.

Die zusätzlichen Stellenprozente aus dem kantonalen Lehrerpool sind in der Region bei weitem nicht ausgeschöpft. Im Bild das Oberstufenschulhaus Obstgarten in Stäfa. Bild: Archiv Manuela Matt

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Unerwartet stark steigende Schülerzahlen, Mobbing oder eine längere krankheitsbedingte Abwesenheit einer Lehrperson können eine Schule in personelle Not bringen. Abhilfe in solchen Fällen soll ein zusätzlicher Stellenpool schaffen. Dieser wurde 2016 vom Kanton Zürich eingeführt, mit dem Ziel die Lehrkräfte zu entlasten. Nach zwei Jahren zeigt sich aber, dass die Stellenprozente bei Weitem nicht ausgeschöpft werden.

Von den 260 Stellen sind derzeit nur 187 vergeben, wie das Volksschulamt (VSA) auf Anfrage mitteilt. Der Bezirk Meilen beansprucht rund 11 Vollzeiteinheiten aus dem Pool, im Bezirk Horgen sind es deren 18. In beiden Bezirken fallen die meisten Zusatzstellen auf die Primarschulen.

Kriterien nicht erfüllt

Eine Umfrage der ZSZ bei ausgewählten Schulgemeinden zeigt, dass die Schulen vielerorts zwar durchaus ein Bedürfnis nach Entlastung hätten, die Kriterien des VSA für zusätzliche Stellen aber nicht erfüllen. Anspruch haben insbesondere grosse und schwierige Klassen.

In Stäfa werden Engpässe mit Kleinstpensen überbrückt. Ein Antrag auf zusätzliche Stellen aus dem Pool wurde letztes Jahr vom VSA abgelehnt. «Wir haben keinen Anspruch auf zusätzliche Stellenprozente, da wir laut VSA ohnehin komfortable Verhältnisse haben», sagt Schulpräsidentin Cristina Würsten (FDP). Die Lehrer würden dennoch teilweise ein Bedürfnis nach Entlastung anmelden. Die Haltung des VSA bezeichnet die Stäfner Schulpräsidentin als strikt: «Es gelten nur Durchschnittszahlen, die örtlichen Verhältnisse zählen nicht.»

«Es gelten nur Durchschnittszahlen, die örtlichen Verhältnisse zählen nicht.»Stäfner Schulpräsidentin Cristina Würsten (FDP)

Auch die Schulen in Rüschlikon und Zumikon konnten von den zusätzlichen Stellen bisher nicht profitieren. Längerfristige Engpässe gebe es in Rüschlikon keine, sagt Schulpräsidentin Doris Weber (parteilos). «Wir konnten die Klassengrössen in den letzten Jahren so adäquat planen, dass der Pool nicht in Anspruch genommen werden musste.» Kurzfristig kämen jeweils Vikare zum Einsatz. «Zudem sind an unserer Schule Zivildienstleistende und Senioren engagiert, die temporäre Unterstützung und Begleitung leisten.»

«Pool ist sehr wichtig»

Wie Rüschlikon erfüllt auch Zumikon die Kriterien für die Beanspruchung der Zusatzstellen nicht. «Wichtig zu wissen ist, dass dieser Stellenpool nicht für eine generelle Senkung der Klassengrösse oder eine Reservenbildung gebraucht werden darf», sagt der Zumiker Schulpräsident Andreas Hugi (FDP). Den Grund für die geringe Nachfrage sieht er in den relativ strengen Kriterien einerseits und den Kosten für die Gemeinden andererseits. Wie bei regulären Lehrerstellen tragen diese 80 Prozent der Lohnkosten. Der Kanton übernimmt die restlichen 20 Prozent.

Es gibt aber auch Schulen die von den Zusatzstellen profitieren. Gerade mal um die 70 Kinder gehen derzeit in der Gemeinde Hütten zur Schule. Nur wenige neue Familien ziehen in das kleine Dorf, wo das Bauland knapp und die Eigenheimquote hoch ist. Eine Zunahme der Schülerzahlen ist aus heutiger Sicht nicht zu erwarten. Die 900-Seelengemeinde kämpft denn auch nicht mit zu grossen Klassen. Das Problem ist ein anderes: Der Kanton bestimmt, wie viele Stellenprozente einer Schule zustehen. Weil er dabei die Anzahl der Schüler durch eine Standardklassengrösse teilt, kommen Schulen mit wenig Schülern oder stark schwankenden Jahrgängen häufig zu kurz.

Die Klassengrösse in Hütten variiert zwischen 6 und 13 Schülern. «Das Problem ist, dass wir auch als kleine Schule das volle Programm samt Fremdsprachen, Handarbeit und Heilpädagogik anbieten müssen», sagt Schulleiter Thomas Pfiffner. Drei Lehrpersonen könnten den Aufwand unmöglich bewältigen – zumal nicht jede für alle Aufgaben qualifiziert sei. Spezialisierten Lehrkräften wie etwa Logopäden könne man aber nur kleine Pensen anbieten, was nicht für alle attraktiv sei. Grösseren Gemeinden stehen mehr Lehrer zu. Folglich ist es für sie einfacher, sämtliche Bereiche abzudecken.

Seit zwei Jahren können Schulen zusätzlich zu den regulären Lehrerpensen weitere Stellenprozente anfordern, wenn sie in Not sind. Die Regelung geht auf eine Volksabstimmung Ende 2014 zurück. Das Angebot ist bisher aber bei weitem nicht ausgeschöpft worden. «Für kleine Gemeinden wie Hütten ist dieser zusätzliche Stellenpool aber sehr wichtig», sagt Pfiffner.

Hoffnungen in die Fusion

Schon heute werden in Hütten jeweils zwei Jahrgangsstufen zusammengefasst. So werden etwa in der Primarschule Erst- und Zweitklässler zusammen unterrichtet. Würden die zusätzlichen Vollzeitstellen aus dem Pool wieder gestrichen, müsste die Zahl der Klassen reduziert werden. «Das ist nicht zielführend und schwer umsetzbar», sagt Pfiffner.

Längerfristig legt er seine Hoffnung in die Fusion mit Wädenswil und Schönenberg. «Insbesondere für die Anstellung von Fachlehrpersonen und die Beschulung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen werden wir auf Synergien und entsprechend mehr Flexibilität hoffen können.»

«Das Problem ist, dass wir auch als kleine Schule das volle Programm anbieten müssen.»Schulleiter von Hütten Thomas Pfiffner. 

Auch in Oetwil ist man froh um den zusätzlichen Stellenpool. In der Gemeinde besuchen 577 Kinder die örtliche Volksschule, davon 329 den Kindergarten oder die Primarstufe. Engpässe sind Schulpräsident Thomas Zeier (SVP) zwar keine bekannt. Im Sommer 2016 musste die Schulgemeinde aber kurzfristig einen sechsten Kindergarten eröffnen. Ein Jahr später folgte das gleiche Spiel mit einer weiteren dritten Klasse. Grund war in beiden Fällen ein unerwartet starker Anstieg der Schülerzahlen. Abhilfe bekam die Schule Oetwil aus dem kantonalen Stellenpool. «In solchen Fällen ist es gut zu wissen, dass man auf die Zusatzstellen zurückgreifen kann», sagt Zeier.

Neuer Berufsauftrag entlastet

Von den Zusatzstellen ebenfalls Gebrauch gemacht hat die Schule Erlenbach. Entlastung wünschten sich die Lehrpersonen vor allem bei Konfliktsituationen, sagt Schulpräsidentin Lotti Grubenmann (parteilos). Auch im kommenden Schuljahr werde man für die Halbklassenlektion der Mittelstufe auf den Pool zurückgreifen. «Zentral ist, dass eine Person mit der richtigen Qualifikation und dem richtigen Profil gefunden wird», sagt Grubenmann. «Sonst wird aus einer Entlastung schnell eine Zusatzbelastung.» Jede zusätzliche Lehrperson an einer Klasse bedeute mehr Absprachen und Vorbereitungen. Auch die Organisation des Stundenplans und die Rollenteilung der Lehrpersonen sei unter Umständen nicht einfach.

Für eine Entlastung sorgen auch laut Zeier nicht nur zusätzliche Stellen. Eine wichtige Rolle spiele auch der auf das Schuljahr 17/18 neu definierte Berufsauftrag. In diesem hat das VSA festgehalten, wie viel Zeit ein Lehrer im Rahmen einer 42-Stundenwoche unter anderem für Unterricht, Vorbereitungen und Elternarbeit im Durchschnitt aufwenden soll. «Der vom Kanton festgesteckte Rahmen dient als Schutz für Lehrpersonen, die sich sonst überarbeiten würden», sagt Zeier. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.05.2018, 16:20 Uhr

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