Meilen

Schule soll zurück ins Zentrum

Im Dorfzentrum sollen wieder öffentliche Schulen geführt werden. Dies verlangt eine Einzelinitiative. Der Gemeinderat winkt ab: Die Infrastruktur dafür sei ungenügend und eine Anpassung viel zu teuer.

Heute ist im alten Sekundarschulhaus DOP beim Meilemer Dorfplatz die Musikschule untergebracht.

Heute ist im alten Sekundarschulhaus DOP beim Meilemer Dorfplatz die Musikschule untergebracht. Bild: Patrick Gutenberg

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Die Primarschüler sollen ins Meilemer Dorfzentrum zurückkehren. Dieses Ziel verfolgt der in Meilen wohnhafte Werner Weibel. Er hat dafür beim Gemeinderat eine Einzelinitiative mit dem Titel «Schule zurück ins Dorf» eingereicht.

Die Initiative verlangt, dass «die Behörde Abklärungen und Vorkehrungen trifft, um einen Teil der Primarschule wieder ins Dorf zurückzuverlegen». Das Prinzip, den Kindern nach Möglichkeit einen kurzen und ungefährlichen Schulweg zu ermöglichen, werde nicht mehr beachtet, schreibt Weibel in seiner Begründung. Die Distanzen seien heute zum Teil recht lang. Zudem bezeichnet er die Platzverhältnisse im Schulhaus Obermeilen als prekär.

Kinderreiche Familien

Aktuell gibt es in Meilen drei Standorte für Primarschulen: in Obermeilen, der Allmend sowie in Feldmeilen. Die Schule im Dorfzentrum wurde 2008 geschlossen. «Wir konzentrierten uns bewusst auf die drei anderen Standorte und bauten diese aus», sagt Gemeindeschreiber Didier Mayenzet. Das mache aus betrieblicher Sicht mehr Sinn. «Im Zentrum wohnen zudem nicht unbedingt die kinderreichen Familien.» Die meisten Schüler seien ausserhalb des Dorfkerns zu finden, etwa in Feldmeilen oder in Obermeilen. Im Falle einer Wiedererweckung der Primarschule im Dorfzentrum hätten einige wenige Schüler tatsächlich einen kürzeren Schulweg. «Dafür würde er sich aber für viele andere deutlich verlängern.» Der Gemeindeschreiber räumt allerdings ein, dass das Schulhaus Obermeilen zur Zeit stark belegt ist. «Es gibt aber bei allen drei Standorten Entwicklungspotential.»

Werner Weiler verlangt in seiner Initiative, dass «die bestehenden alten Schulhäuser sanft renoviert werden».Mit den «alten Schulhäusern» ist zum einen das ehemalige Dorfschulhaus an der Schulhausstrasse 27 gemeint, wo derzeit die Tagesschule Fähre eingemietet ist. Zum anderen meint der Initiant damit das alte Sekundarschulhaus, heute Dorfprovisorium (DOP) genannt, an der Schulhausstrasse 23. Dieses wird aktuell von der Jugendmusikschule Pfannenstiel genutzt und steht unmittelbar neben dem Dorfplatz.

Grosse Investitionen

«Beide Gebäude erfüllen die heutigen Anforderungen an den Betrieb einer Regelschule nicht», sagt Didier Mayenzet. «Es bräuchte grössere bauliche Investitionen von mehreren Millionen Franken.» Hinzu kämen Folgekosten für den Betrieb und Unterhalt, personelle Mehrkosten und Bau- oder Mietkosten für die Jugendmusikschule. Heutzutage würden Primarschulen nebst Klassenzimmern mit Gruppenräumen diverse weitere Zimmer benötigen, etwafür Handarbeits- oder Förderunterricht. Diese Räume sollten von möglichst vielen Klassen mitbenutzt werden können. «Allein schon aus diesem Grund macht der Betrieb eines einzelnen Schulhauses keinen Sinn.» Ein weiterer Schulstandort sei zudem im Bezug auf die Lehrerstellen nicht sinnvoll. Diese werden vom Kanton bewilligt und basieren auf den Schülerzahlen einer Gemeinde. «Je mehr Standorte eine Gemeinde hat, umso schwieriger ist es, die bewilligten Stellen sinnvoll auf alle Schuleinheiten zu verteilen.»Würde der Schulbetrieb im Meilemer Dorfzentrum wieder aufgenommen, hätte dies laut Mayenzet noch weitere Investitionen zur Folge: Um Mittagstisch und ausserschulische Betreuung der Schüler zu gewährleisten, müsste ein zusätzlicher Standort im Dorf mit entsprechenden Räumlichkeiten eröffnet werden.

Auswirkung aufs Zentrum

Initiant Werner Weibel lässt in seinem Initiativtext offen, ob in den alten Schulhäusern im Dorfzentrum eine temporäre oder permanente Lösung angestrebt werden soll. Das hänge von einer künftigen Gesamtüberbauung des Zentrums ab, heisst es im Text. «Dort ist auch eine Primarschule wieder zu integrieren, es sei denn, es zeige sich ein passender Alternativstandort.» Solange der Platzbedarf nicht abschliessend feststehe und die Vorhaben der Schule bekannt seien, dürften keine baulichen Veränderungen an den alten Schulhäusern vorgenommen werden.

Damit hätte die Initiative auch Auswirkungen auf die geplante Zentrumsentwicklung im Meilemer Dorfkern: Diese sieht vor, die Jugendmusikschule an ihrem heutigen Standort (DOP Süd) zu belassen und das Gebäude DOP Nord durch ein Geschäfts- und Wohnhaus zu ersetzen.«Ein vierter Schulstandort im Dorfzentrum widerspricht den Zielen der Zentrumsplanung klar», sagt Didier Mayenzet. Am 3. Juni entscheidet die Gemeindeversammlung über die Initiative.

Erstellt: 04.04.2019, 20:31 Uhr

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