Küsnacht

Schule Heslibach in der Hand von Studenten

Die Abschlussklasse des Instituts Unterstrass aus Zürich übernimmt für eine Woche die Schule Heslibach in Küsnacht. Die Studierenden können so die Organisation Schule hautnah erleben. Aus Lernenden werden Lehrende.

Gemeinsames Üben des neuen Schulhaussongs. Die Studentinnen Belinda Lüthy (links) und Désirée Meier singen mit ihrer neuen 2. Klasse die ersten Strophen.

Gemeinsames Üben des neuen Schulhaussongs. Die Studentinnen Belinda Lüthy (links) und Désirée Meier singen mit ihrer neuen 2. Klasse die ersten Strophen. Bild: Reto Schneider

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7.50 Uhr. Es ist mucksmäuschenstill im Schulhaus Heslibach in Küsnacht. Noch ist kein Schüler weit und breit. Tanja Weber, die Schulleiterin ad interim, ist entspannt. Der grosse Teil ihrer Arbeit ist getan. Ihre Mitstudierenden sind instruiert, die Eltern der Schüler informiert und auch die ersten kleinen Probleme mit Drucker und Computer sind überwunden. «Jetzt kann der Tag kommen.»

Auch ihre 22 Kommilitonen sind bereit. Jeweils zu zweit übernehmen sie die Klassen der Primar- und Kindergartenstufe. Ein Vorteil, wie sich später herausstellen sollte. Alle haben sie ihre Schüler bereits bei einer Hospitation bei den Klassenlehrern kennen gelernt. Entsprechend ruhig wirken die Studenten vor dem Unterricht. Sie kennen die Situation: «Als Vikarin steht man immer wieder vor fremden Klassen und muss sich an die Eigenheiten einer Gruppe gewöhnen», sagt Weber.

Die Lehrerschaft selbst weilt während dieser Woche in einer Weiterbildung. Als Willkommensgruss wird den Lehrkräften zu ihrer Rückkehr ein neuer Schulhaussong vorgesungen. Jede Stufe übt dazu eine eigens komponierte Strophe ein.

Rituale geben Sicherheit

Um 8.10 ertönt der Dreiklang der Schulhausglocke. Vorbei ist es mit der Ruhe. Die Kinder stürmen mit Geschrei und Elan die Schulzimmer. Die Schüler wuseln umher, lachen und begrüssen dann ganz artig die neuen Lehrerinnen Désirée Meier und Belinda Lüthy.

Meier hat bereits die Namen ihrer 2. Klasse auswendig gelernt, einige zumindest. «Das ist sehr wichtig», sagt Meier. Einerseits schaffe das Vertrauen und Wertschätzung und andererseits lasse sich die Disziplin in der Klasse hochhalten. Meier erklärt: «Wenn ich den Namen kenne, hört der Angesprochene eher auf meine Worte, als wenn ich rufe: He, du da hinten.»

Klasse und Lehrkräfte sollen sich am ersten Tag gegenseitig besser kennen lernen und eine gemeinsame Vertrauensbasis schaffen. Singen zur Gitarre, Englisch mit dem Drachen Skip, Mathematik mit der Siebenerreihe und am Nachmittag Mensch und Umwelt zum Thema Reh stehen für die Zweitklässler auf dem Programm. Die Studenten führen den Stoffplan der Lehrkräfte gewissenhaft weiter.

An viele Neuerungen mussten sich die Schüler auch nicht gewöhnen. Die kleinen Rituale jeder Klasse werden beibehalten. «Bei all den neuen Gesichtern können sich die Schüler so im gewohnten Umfeld bewegen», sagt Weber. Die Schüler mögen es sichtlich, von zwei Lehrkräften betreut zu werden. «Es ist irgendwie ein bisschen entspannter», sagt der 11-jährige Nils. Auch weil der Stoff etwas spielerischer vermittelt werde als sonst. Der 9-jährige Loris bemerkt einen weiteren Unterschied und sagt mit einem verschmitzten Grinsen: «Bisher hatten wir keine Hausaufgaben.»

Studenten in ihrem Element

Noch ist nicht alles perfekt. Einiges wirkt improvisiert. Ein Liedtext sitzt noch nicht. Der Znünireim im Kindergarten muss noch abgelesen werden. Trotzdem, den Kindern gefällt es und die 9-jährige Isabelle erklärt fröhlich: «So macht Schule richtig Spass.» In der 10-Uhr-Pause trifft sich das neue Kollegium im Lehrerzimmer. Erfahrungen werden ausgetauscht, Missgeschicke aufgearbeitet und erste Erfolge vermeldet. Man merkt: Hier ist ein Team am Werk, das sich lange kennt. Die Studenten arbeiten Hand in Hand. Seit drei Jahren sind die 23 eine eingeschworene Truppe. Tanja Weber sagt dazu: «Ich weiss, dass ich mich blind auf meine Mitstudenten verlassen kann.»

Zur Kommunikation während des Tages nutzen die Studenten den klasseneigenen Whatsapp-Chat. Zum Beispiel, wenn eine Klasse nicht da ist, wo sie sein sollte: «Bei mir stehen Zweitklässler zur Handarbeit, wer vermisst sie?», fragt zum Beispiel Babette Tinner. Die Schulleiterin reagiert blitzschnell und informiert die Lehrerinnen, die das Fehlen der Kinder bereits bemerkt haben. Eine Schülerin wird geschickt, um die anderen zu holen. Es bleibt der einzige Zwischenfall an diesem ersten Tag unter studentischer Leitung. Tanja Weber ist zufrieden: «Es läuft wie am Schnürchen», und man bekommt den Eindruck, die Studenten hätten nie etwas anderes gemacht. Tanja Weber, Studentin (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.05.2015, 18:20 Uhr

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