Meilen

Schützenstube wechselt bald in neue Hände

Sechs Jahre lang hat Katharina Zolliker in der Meilemer Schützenstube gewirtet. Nun hört sie altersbedingt Ende Jahr auf. Die Gemeinde, der das Lokal gehört, will es auch in Zukunft als Restaurant betreiben.

Soll auch nach dem Pächterwechsel eine Landbeiz bleiben: Die Schützenstube oberhalb von Meilen.

Soll auch nach dem Pächterwechsel eine Landbeiz bleiben: Die Schützenstube oberhalb von Meilen. Bild: Google Streetview

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit 60 Jahren hatte Katharina Zolliker einen Neuanfang gewagt – und alles kam anders als gedacht. «Ich wollte es eigentlich aufs Alter hin eher etwas gemütlich nehmen.» Da sei ihr die Ausschreibung der Gemeinde Meilen, auf die sie mehr durch Zufall aufmerksam geworden sei, gerade recht gekommen: Für das Restaurant Schützenstube wurde ein neuer Pächter gesucht. Sie erhielt den Zuschlag, «ich habe dann aber bald festgestellt, dass ich Vieles von Grund auf neu machen musste», sagt sie.

Zolliker baute das Angebot mit à-la-carte-Gerichten und Mittagsmenüs aus und führte durchgehende Öffnungszeiten ein. Das war vor gut sechs Jahren. Statt gelassen die letzten Berufsjahre anzugehen, häufte die Wirtin – unterstützt von ihrem Ehemann Ernst – die Arbeitsstunden an. Nun zieht sie sich per Ende Jahr altersbedingt aus dem Betrieb zurück. «Die tägliche Arbeit ist hektisch und anstrengend, nun wollen wir noch anderes machen wie etwa reisen, solange wir noch bei Kräften sind», begründet sie.

«Gemütlicher Ort»

Die Schützenstube gehört seit über 40 Jahren der Gemeinde Meilen – und sie soll auch in Zukunft als Restaurant betrieben werden, wie Marc Bamert, stellvertretender Gemeindeschreiber, auf Anfrage erläutert. «Wir bedauern natürlich den Abgang der langjährigen Wirtin», sagt er. Mit einer öffentlichen Ausschreibung werde demnächst nach einer neuen Pächterschaft gesucht. Ob es dann weiterhin hoch über dem Meilemer Dorfkern das beliebte Treberwurstessen und die währschaften Mittagsmenüs geben wird, wird sich weisen. «Die Gemeinde macht dem Nachfolger keine Vorgaben, wie er die Speisekarte zu gestalten hat», erklärt Bamert. «Der künftigen Pächterschaft wird freigestellt, welches Gastrokonzept sie der Gemeinde unterbreiten möchte.» Dieses sei nur ein Teil der Unterlagen, die einzureichen seien.

Die Öffnungszeiten seien jedoch mit dem Schiessbetrieb abzugleichen, da die Schützenstube als Vereinslokal des Schützenvereins diene, präzisiert Bamert. Regelmässig seien sie zwar nicht bei Zolliker eingekehrt, sagt hierzu Martin Seyfried, Präsident der Sportschützen Feldmeilen. «Unsere Mitglieder sind eher sportlich ausgerichtet.» Will heissen: Das wöchentliche Training habe meistens nicht bei einer geselligen Einkehr zu Speis und Trank ausgeklungen, zumal viele der Schützen nur knappe zeitliche Ressourcen hätten. «Für Vereinsanlässe, wie Versammlungen oder ganztägige Wettkämpfe, waren wir aber froh um die Schützenstube», sagt Seyfried, «sie ist ein gemütlicher Ort, und besonders gut gefallen hat es uns im Sommer auf dem Aussensitzplatz.»

Ein Leben für die Gastronomie

Diesen schätzt auch die Wirtin, ja, er mache aus der Schützenstube nachgerade «den schönsten Arbeitsplatz», wie sie anmerkt. Zolliker freut sich zwar auf geruhsamere Tage, doch sie gehe auch mit einem weinenden Auge. «Ich liebe den Kontakt zu den Menschen, und hier hatten wir ein vielfältiges Publikum von Spaziergängern, Schützen und Familien bis hin zu Büroangestellten, die bei uns ihre Feste feierten.»

Nun muss sie sich mit ihrem 74-jährigen Mann für die Zeit nach dem Wirtedasein erst nach neuen Beschäftigungen umsehen. Denn die Gastronomie sei ihr Leben gewesen, seit ihrem 19. Altersjahr habe sie nichts anderes gemacht und auch keine Hobbys gebraucht. «Vielleicht gehe ich nachher ja im Badikiosk arbeiten», scherzt die 66-jährige Feldmeilemerin, die in der Schützenstube jeweils selber am Herd gestanden hat. Eher aber wird sich das Wirtepaar vermehrt auf Kreuzfahrt begeben und Zeit mit den Enkeln verbringen.

Erstellt: 14.10.2016, 16:56 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles