Hombrechtikon

Reif für den Tanz

Professionelle Hulahoop-Tänzerinnen lassen sich in der Schweiz an zwei Händen abzählen. Die Hombrechtikerin Andeli Zumbühl-Baur zählt zu ihnen.

Die Hombrechtikerin Andeli Zumbühl-Baur ist mit dem Hulahoop gerne im Flow.

Die Hombrechtikerin Andeli Zumbühl-Baur ist mit dem Hulahoop gerne im Flow. Bild: Patrick Gutenberg

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«Manchmal lache ich über mich selbst, das kann ich sehr gut», sagt Hulahoop-Tänzerin Andeli Zumbühl-Baur. «Eine gewisse Verrücktheit muss man schon mitbringen, wenn man mit einem farbigen Plastikreifen tanzt.» Was belustigend wirken mag, braucht viel Körperbeherrschung, Kraft und Koordination. Die Flowart, wozu sowohl das «Hoopen» und das Poi – das Spiel mit zwei Bällen an Schnüren – gehört, versetzt einen durch den Fluss der Bewegung in einen tranceähnlichen Zustand, ähnlich der Meditation.

Ein Zustand, der die quirlige 42-Jährige immer wieder auf den Boden holt. Im Kursraum an der Eichtalstrasse in Hombrechtikon ist die Hulahooperin in ihrem Element. Sie ist hier und da, begrüsst Schülerinnen und Schüler mit herzlichen Worten, ihr Lachen steckt an. «Unterrichten könnte ich tagelang, das gibt mir wahnsinnig viel und fördert meine Kreativität», sagt sie nachdenklich.

Diese braucht sie für ihre Performances. Sie tritt in zwei verschiedenen Konstellationen auf: Mit der Feuergruppe Foyk und den Fire Queens. «Bei einem Auftritt wirft man immer einen kleinen Teil des Herzens ins Publikum, das braucht Energie», sagt sie dazu, «aber ich mache auch das unheimlich gern.»

Internationale Szene

So selbstbewusst die Hombrechtikerin in ihrem Proberaum wirkt, so kritisch ist sie mit sich selbst. «Oft tüftle ich stundenlang an einem Move, bis er wirklich perfekt ist», sagt sie. «Dann kann ich bis tief in die Nacht nicht mehr aufhören und muss mich zwingen, nach Hause zu gehen». So ist auch der «step – through – jump» entstanden, ein Bewegungsablauf, der Zumbühl in der internationalen Hulahoop-Szene bekannt gemacht hat.

Sie lässt den Reif kreisen: Andeli Zumbühl zeigt ihr Können mit dem Hula-Hoop-Reifen. Quelle: youtube.com.

«Es ist natürlich toll für mich, wenn ich für Workshops im Ausland gebucht werde», sagt Zumbühl, und ihre Begeisterung ist spürbar. Mittlerweile war sie in England, Österreich und Italien. Selbst organisiert sie zusammen mit Reni Hardmeier, der Begründerin der Schweizer Hulahoop-Szene, die 7. Hulahoop Convention vom 28. bis 30. September in Wetzikon, wo ebenfalls internationale Profis auftreten werden. «Dieser Event liegt mir sehr am Herzen», sagt die Tänzerin. «Nirgendwo sonst trifft sich die crème de la crème der Hulahoop-Szene in der Schweiz.»

Für Körper und Seele

«Flowart endet nicht, das ist das Schöne daran», schwärmt Zumbühl. «Das erdet mich» Ihr selbst hat die Auseinandersetzung mit dieser Bewegungsform im Leben viel gebracht. «Man lernt beim Hulahoop, mit Frust umzugehen, ausserdem setzt man sich ganz intensiv mit seinem Körper auseinander», erklärt die Hombrechtikerin, «deshalb ist es für jede Altersklasse geeignet.»

Nicht nur mental bringt Hulahoop viel, auch für die Fitness wird in einem Workshop Allerlei getan: «Es stärkt die Rückenmuskulatur, den Beckenboden, fördert Konzentration und Koordination», bringt es Zumbühl auf den Punkt. Nebst den Workshops für Kinder und Erwachsene beginnt am 15. September erstmals ein Kurs für über 50-Jährige. «Frauen in diesem Alter haben andere Bedürfnisse als 20-Jährige», begründet Zumbühl ihr neues Kursangebot. «Und diesem möchte ich auch gerecht werden.»

«Man lernt beim Hulahoop, mit Frust umzugehen.»Andeli Zumbühl, Hulahoop-Tänzerin

Schon als kleines Mädchen reizte Zumbühl die Bühne. Sie gab Vorführungen und organisierte Zirkusvorstellungen. Bis sie als Flowart-Performerin auftrat, vergingen aber einige Jahre. Nach der Ausbildung zur Medizinischen Praxisassistentin strebte sie eine Karriere als Profi-Boardercrosserin an. «Nach zwei schlimmen Unfällen musste ich diese Pläne an den Nagel hängen», erinnert sie sich. Es folgten Jahre im Gastgewerbe, als Pächterin der Hombrechtiker Lützelsee-Badi und auf dem Wagen der Müllabfuhr, dazwischen unternahm sie immer wieder lange Reisen nach Südostasien. «Auf einer dieser Reisen sah ich erstmals Menschen, die Poi praktizierten, das brachte mich zur Flowart», sagt sie.

Beruflich hatte Zumbühl unterdessen eine weitere Bestimmung gefunden: Die Arbeit mit suchtkranken Menschen. Bis heute ist sie neben ihrer Tätigkeit als Flowart-Profi dabei geblieben. «Allerdings musste ich nach und nach das Pensum auf ein Minimum kürzen, damit das funktioniert», sagt sie. «Eigentlich habe ich drei Berufe: Workshop- Leiterin, Performerin und die Arbeit mit suchtkranken Menschen», fasst sie zusammen. «Und alle drei zusammen machen mich glücklich.»

Hulahoop Convention, Kulti Wetzikon: Öffentliche Galashow am Samstag, 29. September, www.kulturfabrik.ch. Der Workshop für Ü50 beginnt am Samstag, 15. September. www.ande.li (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.09.2018, 15:53 Uhr

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