Bezirksgericht Meilen

Raser benutzte Seestrasse wie eine Autobahn

Mit 130 km/h raste ein Deutscher Tourist auf der Seestrasse durch Herrliberg. Dafür kassiert er eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten.

Ein Lenker verwechselte die Seestrasse in Herrliberg mit einer Autobahn und wurde mit 130 km/h geblitzt. Der gebürtige Türke musste sich am Montag vor dem Bezirksgericht in Meilen verantworten.

Ein Lenker verwechselte die Seestrasse in Herrliberg mit einer Autobahn und wurde mit 130 km/h geblitzt. Der gebürtige Türke musste sich am Montag vor dem Bezirksgericht in Meilen verantworten. Bild: Archiv Moritz Hager

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Der türkische Staatsangehörige, der für ein abgekürztes Verfahren vor dem Bezirksgericht Meilen erscheinen musste, sollte sich mit Verkehrsregeln eigentlich auskennen: Der im deutschen Ludwigsburg lebende Mann arbeitet als Fahrer für ein Busunternehmen, vorher war er für eine Speditionsfirma tätig. Doch bei einem Besuch in der Schweiz im August 2016 verwechselte er die Seestrasse in Herrliberg offenkundig mit einer Autobahn: Mit 130 km/h bretterte er mit einem Sportwagen, den er sich für einen Tag von einem Kollegen ausgeliehen hatte, über die Seestrasse in Herrliberg. Erlaubt sind an der Stelle, an der er von einem Radargerät erfasst wurde, 60 km/h. Der Fahrer war also mehr als doppelt so schnell unterwegs wie erlaubt.

Mit seiner krassen Missachtung der geltenden Höchstgeschwindigkeit machte sich der 44-Jährige einer «qualifizierten und groben Verletzung der Verkehrsregeln» schuldig, wie die Staatsanwaltschaft in der Anklage festhält. Vor allem aber nahm der Beschuldigte mit seiner Raserei das grosse Risiko in Kauf, einen Unfall mit Schwerverletzten oder gar Todesopfern zu verursachen. Diese Gefahr war erst recht gross, weil der Mann mit dem extrem übersetzten Tempo an mehreren Liegenschaften mit Ein- und Ausfahrten vorbeifuhr. Wären andere Lenker aus einer solchen Ausfahrt auf die Seestrasse gefahren, hätten sie nie mit einem so schnell näher kommenden Auto rechnen können, argumentierte die Anklage. Es wäre trotz Vortritt sehr gefährlich geworden.

Angeblich zu spät gemerkt

Die Richterin wollte bei der Befragung wissen, warum der Mann derart schnell gefahren war. Er habe es einfach zu spät realisiert, zumal es in Deutschland gerade auf Autobahnen normal sei, mit hohen Tempi zu fahren, sagte der Beschuldigte. Sein Fehlverhalten hatte er aber schon gegenüber dem Staatsanwalt zugegeben und alle Vorwürfe akzeptiert. Der Verteidiger verzichtete denn auch darauf, den Sachverhalt und die geforderte Strafe weiter zu kommentieren. Sein Mandant sei auch damit einverstanden, wenn das Urteil über das für solche Raserdelikte in der Schweiz übliche Mass von einem Jahr Freiheitsstrafe hinausgehe.

Das Gericht ging mit seinem Urteil in der Tat über die Mindeststrafe hinaus und folgte praktisch vollständig dem Antrag des Staatsanwalts: Es verurteilte den Mann aus Deutschland, der als Tourist in der Schweiz war, zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten bedingt – bei einer Probezeit von zwei Jahren. Zudem muss er die Verfahrenskosten von rund 3500 Franken sowie Gerichtskosten von 3000 Franken bezahlen. Letztere hat das Gericht im Vergleich zum Antrag um 1000 Franken erhöht, weil der Beschuldigte zu einem ersten Gerichtstermin in Meilen nicht erschienen war und deshalb ein zweiter Termin nötig wurde. Ausserdem muss der Mann auch die Kosten für den Verteidiger zurückzahlen, falls es seine – derzeit eher bescheidenen – wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen sollten.

Eminent gefährlich

In ihrer Begründung beurteilte die Richterin die Strafe vor allem wegen der «eminenten Gefahr» eines möglichen, schweren Unfalls als angemessen. Erschwerend sei dazugekommen, dass der Mann schon früher eine Busse wegen Tempoüberschreitung in Schaffhausen kassiert hatte. Das habe seinen Leumund zusätzlich getrübt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.04.2018, 15:52 Uhr

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