Meilen

Neben dem Kirchturm entstehen 30 neue Wohnungen

Die reformierte Kirche Meilen plant auf der Stelzenwiese hinter dem Bahnhof gemeinnützige Wohnungen. Nun ist klar, wie diese aussehen könnten. Das letzte Wort haben aber die Stimmberechtigten.

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Die reformierte Kirche möchte neben der katholischen bauen. Zu Zeiten, als das Verhältnis zwischen den beiden Konfessionen noch angespannt war, wäre das wohl ein delikates Vorhaben gewesen.

Heutzutage sorgt es jedoch nicht für böses Blut, zumindest nicht in Meilen, wo Katholiken und Reformierte friedlich zusammenleben. Auf dem besagten Areal, das der reformierten Kirchgemeinde gehört und vom modernen Betonturm der katholischen Kirche überragt wird, war sogar einmal ein ökumenisches Zentrum geplant, was allerdings von den Stimmberechtigten vor über 50 Jahren abgelehnt wurde.

Heute schwebt der reformierten Kirche eine profane Verwendung für die Stelzenwiese vor, die sich hinter dem Bahnhof und neben der Guetzlifabrik Midor befindet. Sie will hier Wohnungen bauen und hat mit der Gewomag, der gemeinnützigen Wohnbau Meilen AG, eine Partnerin gefunden. Deren Hauptaktionärin ist die Gemeinde Meilen.

Es geht nicht nur um Rendite

Ein mögliches Projekt liegt ebenfalls bereits vor. Die Kirchenpflege und die Gewomag haben einen Architekturwettbewerb durchgeführt, an dem fast 80 Bewerbungen eingingen. Das Siegerprojekt des Zürcher Büros Gmür & Geschwentner Architekten + Stadtplaner wurde am Mittwochabend vorgestellt. Zudem erläuterten Vertreter der Kirchgemeinde und der Gewomag, welche Ziele sie mit der Überbauung verfolgen.

Die Kirche beabsichtigt nicht, die grösstmögliche Rendite aus der Parzelle herauszupressen. So geht aus dem Kaufvertrag von 1953 hervor, dass sie das Grundstück seinerzeit für gemeinnützige öffentliche Nutzungen erworben hat.

Aus diesem Grund plant die Kirchenpflege nun ein Projekt für «generationenübergreifendes Wohnen zu moderaten Preisen», wie es im Beschrieb des Architekturwettbewerbs heisst. Auch sollen Nutzungen von öffentlichem Interesse im Erdgeschoss Platz haben. Andreas Galli, Mitglied der Wettbewerbsjury, führte an der Informationsveranstaltungen Arztpraxen als Beispiel an sowie anderes stilles Gewerbe, etwa eine Kindertagesstätte. Die Erwähnung letzterer entlockte bei einigen der rund 20 Anwesenden ein belustigtes Lächeln – offenbar hatten sie sogleich schreiende Kinderhorden vor Augen.

Platz für Praxen oder Kitas

Beschlossen ist auch, dass die Grundstückseigentümerin nicht als Immobilienmaklerin auftreten will. «Die Kirche soll sich nicht mit dem Vermieten von Wohnungen befassen», sagte Kirchengutsverwalter Marcel Andris. «Wir wollen diese Aufgabe einer professionellen Organisation übertragen.» Dazu braucht es einen Baurechtsvertrag mit der Gewomag, über den die reformierte Kirchgemeindeversammlung am 18. September abstimmt. Sagen die Reformierten Ja, könnte die Gewomag 2021 mit Bauen beginnen, wie Peter Jenny, Verwaltungsrat der Firma und Meilemer Gemeinderat (SVP), ausführte.

Mit einem verschmitzten Lächeln fügte er aber hinzu, dass sich dies durchaus verzögern könnte, wenn jemand Einsprache einlegen würde. Dann wären die Wohnungen kaum wie beabsichtigt bis 2023 fertig. Von den Anwohnern, die an der Veranstaltung anwesend waren, kamen aber praktisch keine kritischen Voten zum Projekt.

Dieses sieht eine viergeschossige Siedlung vor, die zwischen der Stelzen- und der Bruechstrasse in den Hang gebaut ist. Im Erdgeschoss sind die Räume fürs Gewerbe geplant. Von den 30 Wohnungen haben acht 4 ½ Zimmer, 13 weisen 3 ½ Zimmer auf und neun haben 2 ½ Zimmer. Über die Mietpreise können die Verantwortlichen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Angaben machen.

Holz gegen Glockengeläut

Weiter verfügt der Wohnbau über einen Innenhof, in dem sich die Bewohner begegnen sollen, sowie über eine Tiefgarage mit 52 Parkplätzen. Speziell erwähnte Jury-Mitglied Galli die vertikal strukturierte Holzverkleidung des Gebäudes: Sie ist schallabsorbierend – ein Segen für jene Mieter des reformierten Wohnbaus, die sich allenfalls am katholischen Glockengeläut stören.

Erstellt: 11.07.2019, 15:43 Uhr

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