Stäfa

Morddrohung erschüttert Schule Stäfa

Nach den Missbrauchsvorwürfen in einem Stäfner Kinderhort will die Schule, dass endlich Ruhe einkehrt. So weit kommt es allerdings nicht. Ein Flugblatt macht Stimmung gegen die Schule.

Heftige Kritik an der Schule: Ein offener Brief zu den Missbrauchsvorwürfen in einem Stäfner Kinderhort sorgt für Aufsehen.

Heftige Kritik an der Schule: Ein offener Brief zu den Missbrauchsvorwürfen in einem Stäfner Kinderhort sorgt für Aufsehen. Bild: Symbolbild/Keystone

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«Wir möchten, dass endlich Ruhe einkehrt.» Es sind eindringliche Worte der Stäfner Schulpräsidentin Cristina Würsten (FDP). Sie hat unruhige Monate hinter sich: Einem Hortmitarbeiter des gemeindeeigenen Betreuungsangebots Mikado wurde unter anderem vorgeworfen, ein 12-jähriges Mädchen an den Brüsten berührt zu haben oder es aufgefordert zu haben, das T-Shirt auszuziehen. Eine Vertrauensperson von Hortmitarbeiterinnen hatten den Fall publik gemacht.

Eine vertiefte Untersuchung gegen den Mitarbeiter wurde von der Staatsanwaltschaft allerdings schon gar nicht an die Hand genommen. Die Tatbestände waren offensichtlich nicht erfüllt. Eine Administrativuntersuchung der Gemeinde kam zum Schluss, dass der beschuldigte Mitarbeiter im Umgang mit Nähe und Distanz jedoch nicht immer die notwendige Sensibilität gezeigt hat. Zudem kam die externe Untersuchung zum Schluss, dass die Professionalisierung der Betreuung vorangetrieben werden muss. «Wir möchten uns jetzt wirklich mit den Themen beschäftigen, die notwendig sind», sagt Würsten. Dazu zählt die vertiefte Ausarbeitung von Verhaltensrichtlinien, aber auch die Weiterbildung der Mitarbeiter. «Aber immer wieder werden wir davon abgelenkt», sagt die Schulpräsidentin.

Brief aus heiterem Himmel

Jüngstes Beispiel ist ein Brief, der in viele Stäfner Haushalte verteilt wurde – offenbar über einen Werbeversand. Gezeichnet ist der zweiseitige Brief von Silvia Frommelt, jener Vertrauensperson also, welche die Vorwürfe publik gemacht hat. Die Schule hatte nach Publikation der Medienmitteilung zur Administrativuntersuchung, die auch an Silvia Frommelt übermittelt wurde, keinen Kontakt mit ihr. Entsprechend überrascht reagiert die Schule nun auf den Brief. «Er kam wirklich aus heiterem Himmel», sagt Würsten. Ob die Schule rechtliche Schritte einleiten will, kläre man derzeit ab.

«Wir sind bestürzt über die Drohung und haben der Mitarbeiterin psychologische Unterstützung angeboten.»Cristina Würsten, Schulpräsidentin Stäfa (FDP).

Silvia Frommelt wiederholt im Brief ihre Vorwürfe an die Schule, wonach die Verantwortlichen die gemeldeten Vorfälle ignoriert hätten. Zudem hätten sie und die Mitarbeiterinnen nie Missbrauchsvorwürfe gemacht, sondern nur «unangemessene Verhaltensweisen» gemeldet. Die meldenden Betreuerinnen seien von anderen Mitarbeitern verunglimpft worden. Frommelt schreibt weiter: «Ich möchte, dass Sie wissen, was in der Kinderbetreuung als Standard betrachtet wird.» In einer Chronologie listet sie zudem noch einmal alle Ereignisse aus ihrer eigenen Sicht auf. Für Aussenstehende wird aus dem Brief nicht klar, in welchem Verhältnis Frommelt zu den Mitarbeiterinnen des Stäfner Kinderhorts steht, und dass sie in Zürich eine private Kindertagesstätte leitet. Frommelt selbst liess bis Freitagnachmittag Anfragen unbeantwortet.

Psychologische Hilfe

In der Chronologie macht Frommelt auch klar, dass es Ende April eine Morddrohung gegen eine der beiden Stäfner Mitarbeiterinnen gegeben hat, die den Vorfall der Schule gemeldet hatten. Konkreter wird sie allerdings nicht. Die Kantonspolizei Zürich bestätigt auf Anfrage, dass eine Anzeige wegen eines Drohbriefs eingegangen ist. Die Schule Stäfa hat erst Anfang dieser Woche von der Drohung erfahren. «Wir sind äusserst bestürzt darüber und haben der betroffenen Mitarbeiterin psychologische Unterstützung angeboten», sagt Würsten. Die Schulpflege begrüsst die Strafanzeige.

Mitarbeiterinnen krank

Über die eigentlichen Vorfälle im Hort konnte die Schule mit den Mitarbeiterinnen nach Abschluss der Untersuchungen nicht sprechen. Die beiden Melderinnen hätten sich bereits vor der entsprechenden Mitteilung an die Eltern und Medien Anfang April krank gemeldet. Laut Würsten muss die Schule nun mit Aushilfen arbeiten. «Besonders bedauernswert ist das deshalb, weil damit auch für die Kinder im Hort keine Ruhe einkehren kann.»

Erstellt: 10.05.2019, 16:55 Uhr

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