Stäfa

Mit der Gitarre auf einer musikalischen Weltreise

Der Gitarrist und Songwriter Levin Deger hatte eine spontane Solo-Show im Rössli. Angesagt war das Trio Singer’s Tale, dessen Sängerin kurzfristig ausfiel.

Der Stäfner Levin Deger spielte und sang im Rössli.

Der Stäfner Levin Deger spielte und sang im Rössli. Bild: Sabine Rock

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Die Konzertbesucher erfahren es erst an der Kasse von der Intendantin des Kulturkarussells Rössli: «Die Sängerin von Singer’s Tale ist heute Nachmittag unerwartet erkrankt und kann nicht auftreten», entschuldigt sich Sue Rösli am Freitagabend bei ihren Gästen, kündigt aber im gleichen Atemzug die kurzfristige Programmänderung an: «Einer der beiden Gitarristen des Trios, Levin Deger, hat sich aber spontan bereit erklärt, allein aufzutreten.» Würde dieser nicht einspringen, hätte das Konzert abgesagt werden müssen, denn die Gitarristen hätten ohne ihre Sängerin kein Repertoire parat für ein Ersatzprogramm. Kein einziger Besucher macht rechtsumkehrt, alle kaufen ihre Tickets, nehmen im gut gefüllten Saal Platz und werden es nicht bereuen.

Denn Levin Deger ist ein Vollblutmusiker: Der 34-jährige Singer-Songwriter aus Stäfa, der seit zehn Jahren in Kempraten bei Rapperswil wohnt, bringt eine reiche Konzerterfahrung mit, ob solo, in wechselnden Formationen oder verschiedenen Projekten. Am 16. Mai wird er nach 30 ausverkauften Vorstellungen ein letztes Mal mit «A Tribute to Frank Sinatra» mit Pino Gasparini, Sandra Studer und Raphael Jost? im Theater Rigiblick auftreten. Auch liegen schon drei Alben mit eigenen Kompositionen vor.

Mit sechs die erste Gitarre

Nun hat er Platz genommen, nicht auf der Bühne, sondern fast auf Augenhöhe mit dem Publikum auf einem kleinen Podest. Ausgestattet lediglich mit seiner verstärkten spanischen Gitarre und der Loop-Station: Damit nimmt er sich selber auf, indem er mit der Schuhspitze auf diverse Knöpfe am Boden tippt, diese Sequenzen abspielt, während er neue Rhythmen kreiert und so die Klangvielfalt ausdehnt, dass man zuweilen meinen könnte, ein ganzes Orchester spielte da vorne.

Levin, wie sein Künstlername lautet und er sich vorgestellt hat, kündigt im instrumentalen ersten Set eine Weltreise an. Die irische Eigenkomposition durchmischt er mit melodiösen Passagen und schlägt den Rhythmus auch mal perkussiv auf den Saiten an. Feurig dann das andalusische Arrangement von Paco de Lucía, das dem Flamenco nachempfunden ist. Dazwischen dankt er seinen Eltern, die im Publikum sitzen, dafür, dass sie ihm im Alter von sechs Jahren die erste Gitarre schenkten, die seither sein Instrument ist, obwohl er auch das Klavierspiel beherrscht.

Griechische Rhythmen nimmt er genauso spielend auf wie den melancholischen Klang aus Kuba, währenddem seine Hände auf den Saiten einen wirbelnden Tanz vollführen. Er spielt ohne eine einzige Note, die Melodien fliessen aus ihm heraus. So auch im orientalisch anmutenden Stück «Taxi Drive in Istanbul», wo er klanglich dem Puls der Metropole am Bosporus, der Geburtsstadt seines Vaters, nachspürt.

Videoclip geplant

Eine Offenbarung ist im zweiten Konzertteil Levin als Sänger. Mit dem weichen Timbre seiner klaren Stimme ist er sowohl im Jazz als auch im Pop zu Hause. Im melodiösen «If a Song» fragt er, was wäre, wenn ein Lied der Schlüssel zu allen Träumen wäre. Beim Refrain «Oh oh oh» stimmt das Publikum mit ein, es kann nicht anders, derart fährt das wunderschöne Lied ein. Eigenen Songs lässt der Songwriter auch Coverversionen folgen, etwa «Hey Jude» von den Beatles oder Frank Sinatras «Flying to the Moon», das in einen Kontrabass-Solo gipfelt, mit einem Augenzwinkern ausgeführt auf der Gitarre. Auch das gelingt dem sichtlich aufgestellten Musiker, der sich an diesem spontanen Auftritt zur Höchstform steigert und den Saal mit jedem Song regelrecht zum Toben bringt.

Als Überraschung präsentiert er schliesslich das noch nicht veröffentlichte Lied «Am schöne Rapperswiler Ufer» in Mundart, eine Ode an seinen Wohnort, gewürzt mit einer Prise Parodie. Demnächst werde dazu ein Videoclip gedreht, die Musik würde eine Band mit Akkordeon, Klavier, Kontrabass und Perkussion beisteuern, er musste sich halt mit dem Saitenspiel begnügen. Auf die Frage, ob es gefallen habe, braust ihm tosender Applaus entgegen.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.05.2019, 17:56 Uhr

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