Küsnacht

Mit dem Museum auf Spurensuche nach unbekannten Nachbarn

«Grün stadt grau» heisst die aktuelle Sonderausstellung des Ortsmuseums Küsnacht. Dahinter steckt eine vielseitige Beschäftigung mit dem Thema Natur im Siedlungsraum.

Ein grüner Faden zieht sich durch die Ausstellung, die Diana Marti, Elisabeth Abgottspon und Dieter Koenig organisiert haben.

Ein grüner Faden zieht sich durch die Ausstellung, die Diana Marti, Elisabeth Abgottspon und Dieter Koenig organisiert haben. Bild: Sabine Rock

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Er ist nicht nur häufig gesehen in den hiesigen Gärten, entlang von Flüssen und in Wäldern. Sondern auch so etwas wie eine leere Pralinenschachtel: der violett blühende Sommerflieder. Wer diesem rätselhaft anmutenden Vergleich begegnet, ist schon mitten in der aktuellen Sonderausstellung des Ortsmuseums Küsnacht. «Grün stadt grau» heisst diese – und das Wortspiel nimmt es vorweg: Dass es um die Natur im Siedlungsraum geht, aber auch um unterschiedliche Lesarten und Herangehensweisen an das Thema. Vor kurzem nun ist die Ausstellung eröffnet worden.

Getreu ihrem Gegenstand führt durch die Ausstellung kein roter Faden. Ein grüner allerdings schon. Dies in Form einer entsprechend angestrichenen Holzleiste, die sich durch den Raum im Untergeschoss zieht. Und die so zum einen die fünf Stationen der Ausstellung miteinander verbindet. Sie stehen für die wichtigsten Lebensräume von Flora und Fauna inmitten der menschlichen Zivilisation von Küsnacht: für grössere und kleinere, augenfällige und verborgene, häufiger und seltener anzutreffende. Zum anderen symbolisiert das grüne Band, wie sehr die einzelnen Bereiche zusammenhängen – auch wenn sie für sich betrachtet mehr den Charakter von Oasen haben.

Ideen zum Aktiv werden

So fokussiert einer der Schwerpunkte auf Bäume und Sträucher. Und hierbei kommt nun die leere Pralinenschachtel zum Zug: als spielerische Verdeutlichung dessen, was eingeschleppte Pflanzen für heimische Insekten bedeuten: fehlende Nahrung, wo mitunter vorgegeben wird, welche vorhanden zu sein – und was hiervon die Folgen für das ganze Ökosystem bis hin zum Menschen sind.

In diesem Kontext liest sich der Ausstellungstitel als Aufforderung: Zur bewussten Wahl einheimischer Pflanzen als Beitrag für mehr Artenvielfalt. Aufzuzeigen, dass der Einzelne auf unterschiedlichste Weise hierin etwas bewirken kann, ist denn auch ein wiederkehrender Aspekt in der Ausstellung. Sei es mit Nistkästen für Vögel oder Fledermäuse. Sei es mit einer Wildblumenwiese oder mit Asthaufen, die Kleinstlebewesen Unterschlupf bieten. «Dabei soll deutlich werden, dass auch der Mensch einen Gewinn davon hat», sagt Kuratorin Elisabeth Abgottspon. Vergleichfotos von verschiedenen Wiesenbepflanzungen – vom akkuraten Rasen bis hin zur dicht überwachsenen Fläche mit bunt blühenden Blumen und Stauden – animieren den Besucher, gewohnte Sichtweisen zu hinterfragen.

So liest sich in dem Ausstellungstitel auch die Ermunterung zum Hinsehen, Beobachten und Entdecken: Dass manches auf den ersten Blick Graue voller Leben ist, wie Mauerspalten und Steinfugen. Und mehr noch: Dass sich in den sonst kaum beachteten Pflänzchen, die aus Ritzen oder kargem Kiesboden hervorwachsen, ungeahnte Schätze verbergen – Heil- oder Gewürzkräfte etwa. Eine Tatsache, die sie selber überrascht habe, sagt Abgottspon. Darauf aufmerksam geworden sei sie durch Wildkräuterexpertin Regula Jaeger, die im Rahmenprogramm der Ausstellung mitwirkt. «Sie hat ganz in der Nähe des Museums sieben Sorten von Teepflanzen gefunden.» Darunter etwa die Gundelrebe – die meistens als Unkraut ausgerissen werde.

Natur nach zehn Jahren

Den Entdeckergeist sollen die Besucher der Ausstellung indes nicht für sich allein behalten. Vielmehr sollen sie mit ihren Erfahrungen und Erlebnissen in Sachen Siedlungsnatur an einem neuen Ortsplan von Küsnacht mitwirken. Ein selbiger liegt denn auch in der Mitte des Raumes auf – und wartet darauf, dass die Gäste ihre Beobachtungen von Wildtieren oder Lebensräumen mit einer Stecknadel dokumentieren.

Wie für das Küsnachter Ortsmuseum gewohnt, gibt es also auch diesmal wieder für alle Sinne und Altersstufen viel zu entdecken. «Nach zehn Jahren war es wieder Zeit für ein Naturthema», erklärt Abgottspon die Themenwahl. Bei der genaueren Recherche habe sie das Naturnetz Pfannenstil kontaktiert – das unter anderem Gemeinden bei der naturnahen Umgebungsgestaltung berät – und mit dessen Unterstützung sei bald einmal das Thema festgestanden.

Natur- und Umweltfachfrau Diana Marti vom Naturnetz habe sie während der Planung der Ausstellung in den fachlichen Belangen unterstützt. «Zudem gab das 80-jährige Jubiläum des Natur- und Vogelschutzvereins Küsnacht einen weiteren Grund für das Thema», sagt die Kuratorin. So hat sie denn auch mit diesem, namentlich Präsident Dieter Koenig, für Ausstellung und Rahmenprogramm zusammengearbeitet.

Erstellt: 13.06.2019, 16:54 Uhr

Vielseitiges Rahmenprogramm

Die Ausstellung im Ortsmuseum Küsnacht dauert noch bis zum 19. April 2020 und ist jeweils Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Ein vielseitiges Rahmenprogramm beleuchtet die Thematik zusätzlich. Nächste Veranstaltung: Natur nahe am Siedlungsrand – Walderlebnis für alle Generationen. Mit Förster und Naturpädagoge Erich Gyr. Samstag, 9 bis 14 Uhr, Treffpunkt Allmend Küsnacht, Kosten 30 Franken/Familie, 15 Franken/Einzelperson. Weitere Informationen: Ortsmuseum, Tobelweg 1, Küsnacht, www.ortsmuseum-kuesnacht.ch. (and)

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