Herrliberg

Mit Gold gefeiert, was einst holprig begann

Der Musikverein Herrliberg hat mit einem grossen Konzert sein 125-Jahr-Jubiläum gefeiert. Neben der Musik gab es auch Rückblicke in die bewegte Vereinsgeschichte zu hören.

Der Musikverein Herrliberg präsentierte unter der Leitung von Edin Pasalic ein goldenes Jubiläumsprogramm.

Der Musikverein Herrliberg präsentierte unter der Leitung von Edin Pasalic ein goldenes Jubiläumsprogramm. Bild: Manuela Matt

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Hat Adolf Ammann wohl je daran gedacht, was sich am Samstag just bei seinem Wohnhaus abspielen wird? Wohl kaum. Hätte er es gewusst, es wären ihm einige Sorgen erspart geblieben. Denn am Samstag hat der Musikverein Herrliberg in der Vogtei Herrliberg sein 125-jähriges Bestehen gefeiert. Dies vor zahlreich aufmarschiertem Publikum im Zehntensaal.

Unter den gut 240 Zuschauern sitzen auch Gemeindepräsident und -schreiber. Ersterer, FDP-Politiker Gaudenz Schwitter, stimmt im Laufe des Abends eine Lobeshymne auf den Verein an. Auch die Präsidentin des kantonalen Blasmusikerverbands, Ursula Buchschacher, macht ihre Aufwartung. Ebenso Vertreter der lokalen Musikszene.

Was das mit Adolf Ammann zu tun hat? Der wohnt vor 125 Jahren nicht nur in der Vogtei, wie dies in der Chronik der Herrliberger Musiker vermerkt ist. Er ist zudem einer der Männer, die sich anno dazumal versammeln und den Verein gründen. «Mutig» seien sie gewesen, diese Dörfler, die sich Anfang November 1894 im Restaurant Post zusammengefunden hätten, meint der aktuelle Vereinspräsident Fredy Bühler in seiner Ansprache. Vielleicht darum, weil der Verein drei Jahre später schon wieder beschliesst sich aufzulösen. Um gut fünf Monate darauf doch «den Mut zu fassen», weiterzumachen. Ein etwas holpriges Glück also, das der einstige Vogteibewohner mit seinen Musikfreunden erleben musste. Und nun ist es dennoch in den zelebrierten Jubiläumsanlass gemündet – in dem die Siegesfarbe Gold denn auch eine bedeutende Rolle spielt.

Erste Frau ab 1965

Das erste Anzeichen für den Erfolg der Blasmusiker waren vielleicht die «bereits 18 Aktivmitglieder» von 1906. Heute sind es deren 27. Zwar feiern sie weder eine «gerade noch eine Schnapszahl», stellt Bühler fest. Dafür ein «Golden Jubilee», wie sie ihre 125 Jahre nennen. Und das widerspiegelt sich auch in ihrem Konzertprogramm: «Goldene Trompeten», «Golden Swing Time» oder «Golden Eye» sind nur einige der Titel, die das Jubiläum ins Musikalische übersetzen. Die Stücke, vorgetragen unter der Leitung von Edin Pasalic, kommen an beim Publikum. Mit rhythmischem Klatschen, Bravorufen und begeistertem Applaus kommentiert es etwa die Darbietung von «Latin Gold». Das schwungvolle Medley aus verschiedenen Hits wie «La Bamba» oder «Tequila» bringt denn auch die harmonisch gestalteten Rhythmuswechsel und überhaupt die Spielfreude der Männer und Frauen zum Ausdruck.

Apropos Frauen: Diese sind zu Zeiten von Ammann und Konsorten noch von einer Mitgliedschaft im Verein ausgeschlossen. Rund 70 Jahre nach der Gründung hält die erste Frau als aktive Musikantin Einzug: Man schreibt das Jahr 1965. Ein Meilenstein für den Verein, wie Präsident Bühler sagt. Und heute? Es sind fast die Hälfte der Blech- und Holzblasinstrumente, die im Musikverein Herrliberg von weiblichen Händen gehalten werden.

Weibliche Stimmen erklingen dann im zweiten Teil des Jubiläumsanlasses im Raum. Es sind dies – und da passen Name, Jubiläumsmotto und lokaler Bezug grad wie ausgemacht zueinander – «The Golden Voices». Die in Herrliberg ansässige private Gesangsschule von Edith Akça? wirkt als Gast bei den Bläsern. Besonders das noch sehr junge Trio, das gleich mit «Mein kleiner grüner Kaktus» einsetzt, hat alsdann die Zuschauer für sich gewonnen. Dies mit seiner erfrischenden Natürlichkeit, der Gesangssicherheit und den beeindruckenden Soli.

«Ohne Bier»

Wichtige Wegmarken gab es freilich zuhauf für den Musikverein Herrliberg – grössere wie kleinere. Die erste Uniform etwa, die erste Fahne, die erste Teilnahme am Sechseläuten. Unzählige Einweihungen, Dorffeste und Musikanlässe haben die Herrliberger Musiker mitgestaltet. Dazu gibt Bühler manche Anekdote zum Besten. «Letzter Rang in der 3. Kategorie, aber trotzdem zufrieden», habe man 1931 am Eidgenössischen Musikfest bilanziert. «Bei heissem Wetter ohne Bier» 1955 die Grundsteinlegung der katholischen Kirche begleitet. Das sind zwar Tempi passati. Nicht aber, dass die Bläser nach wie vor beim Publikum für einige Unterhaltung sorgen – wie die Stimmung unter demselben verrät.

Erstellt: 23.06.2019, 18:32 Uhr

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