Meilen

Meilemer zeichnet EM-Fussballer für Tschutti-Heftli

Für die nächste Fussball-Europameisterschaft wird es wieder eine künstlerische Alternative zum Panini-Album geben. Unter den dafür ausgewählten Künstlern ist auch Olivier Samter aus Meilen.

Oliver Samter begeisterte sich von klein auf fürs Malen, Zeichnen und Gestalten.

Oliver Samter begeisterte sich von klein auf fürs Malen, Zeichnen und Gestalten. Bild: Sabine Rock

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In ein paar Monaten geht das Sammelfieber wieder los. Dann werden sich wieder Tausende Kinder und Erwachsene an das Sammeln der Panini-Fussballbildchen für die Europameisterschaft machen, um das eigene ­Album zu füllen. Ein Riesen­geschäft. Um diesem Kommerz entgegenzusteuern, gibt der Luzerner Verein Tschutti-Heftli für die kommende EM zum fünften Mal eine Alternative heraus. Und zwar eine künstlerische. Auch ein Album mit allen Mannschaften und ihren jeweiligen Spielern, aber alle Spieler werden künstlerisch gestaltet anstatt fotografiert. Dazu wurde ein Illustrationswettbewerb lanciert. Einer von 215 über die ganze Welt verstreuten Teilnehmern war Olivier Samter aus Meilen.

24 Künstler ausgewählt

«Als der Wettbewerb ausgeschrieben wurde, habe ich gedacht, ich versuche es einfach mal», sagt der 22-Jährige. Beim Wettbewerb habe man Zidane gestalten müssen. Dabei habe es Werke aller Art gegeben. Er habe es mit einem Cartoon-Stil versucht, sagt «Owley», so sein Künstlername. Schliesslich seien 24 Künstler ausgewählt worden, die je eine Mannschaft gestalten mussten. Unter anderen auch er. «Sich gegen so eine ­ grosse Konkurrenz durchgesetzt zu haben, ist natürlich schon schön für das eigene Ego», sagt er mit einem verschmitzten Lächeln.

Die Jury des Vereins, der nicht gewinnorientiert ist und pro verkauftem Sticker einen Teil an ­Terre des Hommes spendet, bestand unter anderem aus Gilbert Gress und Marcel Koller. Dieser zeigte sich begeistert von den künstle­rischen Werken. «Ich war beeindruckt von der Vielfalt der Einsendungen», sagte er.

Hochschule ohne Matura

Inzwischen wurde den Künstlern die jeweilige Mannschaft zugeteilt. Samter fiel die rumänische zu. Hätte er lieber ein prominenteres Team gehabt? «Nein, denn so mache ich mir nicht so einen Druck, da man die Spieler nicht wirklich kennt», antwortet er. Anders wäre es etwa bei der Schweiz gewesen. Denn da kenne man die Spieler und müsse diese dann auch so gestalten, dass man sie erkenne. Aber das sei eben das Tolle bei dem Heft, dass es keine 08/15-Bilder seien, sondern dass jede Mannschaft von einem anderen Künstler gestaltet sei und ­damit einen eigenen Stil habe, ­erklärt Samter.

Der Meilemer studiert an der Luzerner Hochschule Animation. Ein Fach, das man nur dort studieren könne, erklärt er. Er sei schon von klein auf begeistert gewesen von Malen, Zeichnen oder Gestalten. «Jeder in meiner Familie ist schon immer kreativ unterwegs gewesen», erklärt er schmunzelnd. Die Idee, Animation zu studieren, sei aber erst spät gekommen. Und zwar habe er in Zürich einen Vorkurs in Animation besucht, der ihn schliesslich dazu bewogen habe, es auch zu studieren. Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: «Auch wenn es vielleicht nicht die besten Zukunftsaussichten hat.» Aber es mache Spass, und man lerne viel.

Bereits ein Buch veröffentlicht

Deshalb habe er sich an der Hochschule Luzern beworben und sei prompt aufgenommen worden – obwohl er keine Matura hatte. «Einen kleinen Anteil an Plätzen vergeben sie auch an Leute, die zwar keine Matura, aber dafür ­Talent haben», erklärt er. Das sei natürlich etwas, was auch nur bei gestalterischen Studiengängen möglich sei.

Das Tschutti-Heftli ist nicht Owleys erstes öffentliches Projekt. Im Mai dieses Jahres hat er schon sein erstes Buch veröffentlicht, in dem für jeden Tag ein anderes Monster abgebildet ist. Das habe ihm ein gutes Feedback eingebracht. Als nächstes Projekt wolle er dann irgendwann vielleicht einen Comicband machen, sagt er. «Aber frühestens, wenn ich fertig bin mit der Fussballmannschaft.»

Blog mit Filmkritiken

Nebenbei führt er seit über sechs Jahren einen eigenen Blog auf seiner Website (www.owley.ch), wo er sich auf Filmkritiken spezialisiert hat. «Den Blog verfolgen relativ viele Leute, sodass sich der Aufwand für mich lohnt», sagt Samter. Filme sind eine weitere grosse Leidenschaft des passionierten «Star Wars»-Fans. Deshalb arbeite er auch neben dem Studium in einem Kino in Zürich. Aber erst mal gebe ihm die Fertigstellung der rumänischen Mannschaft genug zu tun, sagt er. Denn das Album komme schon am 8. April in den Verkauf.

Für seine Zukunft hat Samter noch keine konkreten Pläne. «Früher stand natürlich mal noch die Idee im Raum, zu einem grossen Animationsstudio in die USA zu gehen», sagt er. Aber inzwischen sehe er das realistischer. Denn dort sei man nur ein kleines Zahnrad im grossen Getriebe, das schrecke ein bisschen ab. Aber er schaue entspannt in die Zukunft. Trotz der vielleicht nicht idealen Zukunftsaussichten. ()

Erstellt: 25.11.2015, 08:57 Uhr

Mit dieser Zeichnung von Zidane schaffte es Samter ins Tschutti-Heftli. (Bild: zvg)

Die Alternative zum Panini-Album

Seit 2008 gibt das Tschutti-Heftli Fussballern ein künstlerisches Gesicht. Anders als im Panini-Album werden die Fussballer nicht fotografiert, sondern von verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern gestaltet. Auch beim Tschutti-Heftli werden die Fussballer-Porträts in ein Album eingeklebt. Das Projekt hat keinen kommerziellen Hintergrund. Weitere Informationen unter: www.tschuttiheft.li. (zsz)

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