Meilen

Meilemer belassen nach hitziger Diskussion den Steuerfuss

An der Meilemer Gemeindeversammlung standen am Montag mit 79, 82 und 84 gleich drei Steuerfüsse zur Diskussion. Die Stimmberechtigten votierten für 79 Prozent – und damit für den Antrag des Gemeinderats.

Die Meilemer Gemeindeversammlung hatte es in sich: Hitzige Voten zu möglichen Steuerfüssen, Konsternation über den Finanzausgleich und ein Portemonnaie zückender Roberto Martullo-Blocher.

Die Meilemer Gemeindeversammlung hatte es in sich: Hitzige Voten zu möglichen Steuerfüssen, Konsternation über den Finanzausgleich und ein Portemonnaie zückender Roberto Martullo-Blocher. Bild: Archiv Moritz Hager

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

So gut besucht war die reformierte Kirche in Meilen wohl schon lange nicht mehr. 422 Stimmberechtigte folgten der Einladung zur Gemeindeversammlung. Das Budget und der Richtplan versprachen intensive Debatten. Gemeindepräsident Christoph Hiller (FDP) konnte sich zu Beginn, als er das Jahr mit Aktivitäten in der Gemeinde passieren liess, einen Seitenhieb nicht verkneifen. «Ein attraktives Dorfleben kostet nicht nur», sagte er.

Finanzvorsteherin Beatrix Frey-Eigenmann (FDP) bezeichnete die Rückstellung in Höhe von 9 Millionen Franken für den Finanzausgleich als spektakulärste Veränderung zum Vor­anschlag 2017. Diese seien zwar jetzt noch freiwillig, aber mit dem neuen Rechnungslegungsmodell HRM2 obligatorisch. «Machen wir das jetzt nicht, sind später auf einen Schlag 50 bis 60 Millionen Franken fällig.»

Martullo zeigte Portemonnaie

Die Finanzvorsteherin sprach vom angespannten Finanzhaushalt der Gemeinde – und daraus resultierend unter anderem von der Plafonierung der Investitionen. Trotzdem beantragte sie die Beibehaltung des Steuerfusses bei 79 Prozent. Eine Forderung, der Dieter Zaugg (FDP), Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK), 84 Prozent entgegensetzte – derselbe Satz, mit dem der Gemeinderat 2016 gescheitert war. «Es hat sich seit letztem Jahr nichts zum Besseren verändert», sagte er. Es sei schlecht, wenn Schulden auf die Nachkommen übertragen würden. Die CVP sprach sich für eine Erhöhung um 3 Prozentpunkte aus.

Die Debatte gestaltete sich hitzig. Befürworter der Anträge der RPK und des Gemeinderats wetzten die Klingen. Roberto Martullo-Blocher (SVP), der an der letzten Budgetversammlung mit der Ankündigung einer Steuernachzahlung überrascht hatte, hielt erneut sein Portemonnaie in die Höhe. Es sei dünner geworden. «Die Rückstellung ist nicht nötig», sagte er. Finanzprofessor Reiner Eichenberger legte nach. Meilen verfüge aktuell über kein Defizit, sondern über ein Plus. Auch auf der anderen Seite fanden sich beherzte Unterstützer – so machte sich unter anderen SP-Kantonsrat Hanspeter Göldi stark für eine Erhöhung.

Fortsetzung am Dienstag

Die Abstimmung selber glich einer Turnübung. Hiller wies die Stimmberechtigten an, aufzustehen – um dann Schritt für Schritt über die beantragten 79, 82 beziehungsweise 84 Steuerprozent abzustimmen. Der Antrag des Gemeinderats wurde schliesslich mit 242 Ja-Stimmen angenommen.

Zuvor hatte die Versammlung der Bauabrechnung des Pavillons in der Schulanlage Allmend zugestimmt. Auch den Baukredit für die Aufstockung des Spezialtrakts in derselben Schulanlage wurde bewilligt. Der Richtplan kam nicht mehr zur Abstimmung. Hochbauvorsteher Heini Bossert (FDP) stellte das Geschäft aber noch vor. Heute Abend geht es weiter. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.12.2017, 08:04 Uhr

Artikel zum Thema

Martullo-Millionen schenken ein: Meilen rechnet mit Steuerplus

Meilen Die Steuereinnahmen dürften in Meilen nächstes Jahr sprudeln. Doch genau diese Millionen haben einen drastisch negativen Einfluss aufs Budget 2018, welches ein Minus von 9,2 Millionen vorsieht. Grund dafür ist der Finanzausgleich. Mehr...

Meilen wartet noch auf die Martullo-Millionen

Meilen Einen Tag nach der Ankündigung einer Steuernachzahlung von 6,4 Millionen Franken durch die Familie Martullo-Blocher herrscht im Meilemer Gemeindehaus immer noch Erstaunen. Eine Zahlungsforderung hat die Gemeinde nämlich nie verschickt. Mehr...

Meilemer Steuerstreit zur besten Sendezeit

Meilen Sogar das Schweizer Fernsehen hat über die Folgen der Meilemer Gemeindeversammlung berichtet. Gegen den Vorwurf eines Wirtschaftsprofessors, den Kontakt zu guten Steuerzahlern zu wenig zu pflegen, wehrt sich der Gemeinderat. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!