Meilen

Meilemer Skiliftpionier baute robuste Seilbahnen

Karl Brändle träumte als Junge vom Fliegen. Später sorgte er als Ingenieur dafür, dass die Wintersportler auf den Berg kommen.

Der Skilift Schilt in mollis im Kanton Glarus ist heute einer der ältesten noch betriebenen Skilifte von Brändle.

Der Skilift Schilt in mollis im Kanton Glarus ist heute einer der ältesten noch betriebenen Skilifte von Brändle. Bild: BAK / Erwin Bloch

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Im Winter stand der Vater mit seinen Söhnen praktisch jedes Wochenende auf den Ski. In der Lenzerheide, in Oberiberg oder in Bivio brausten die Brändles die Piste herunter. Die Skilifte konnten sie in vielen Skigebieten gratis benutzen. Der ältere der beiden Söhne, Urs Brändle, erinnert sich auch, wie er als Kind mit dem Vater lange Wanderungen unternahm. Der Vater nahm die Route genau unter die Lupe. Er plante eine neue Anlage. Der Meilemer Karl Brändle war einer der bedeutendsten Schweizer Seilbahnhersteller.

Der 1920 in Arbon geborene Lehrersohn träumte vom Fliegen und entschied sich gegen den Willen seines Vaters für eine Maschinenschlosserlehre. In Uetikon nahm der spätere Ingenieur seine erste Stelle bei Ernst Wirz Kipperfahrzeuge an. Die Tätigkeit im Kranbau und Seilbahnsektor bei der Eisenbaugesellschaft Zürich zeichnete seine Karriere vor. 1951 machte sich Brändle selbstständig und stellte im Auftrag des Tellerlift-Erfinders, Heinrich Vogler, ein Dutzend Tellerlifte her.

Lift in schwierigem Gelände

1953 gründete Brändle, mittlerweile in Herrliberg und später in Feldmeilen wohnhaft, an der General-Wille-Strasse in Feldmeilen die Firma Karl Brändle & Co. Diese spezialisierte sich auf die Planung und den Bau von Skiliften, Sesselliften und Luftseilbahnen. Zuvor erwarb er das Konkurrenzunternehmen Sameli-Huber in Feldmeilen, das über das Patent des Skilift-Erfinders Ernst Constam verfügte (siehe Kasten).

In den 50er- und 60er-Jahren baute der Unternehmer in der Schweiz rund 60 Schlepplifte, Sesselbahnen und Luftseilbahnen. Für die Wintersaison 1952 und 1953 erstellte der Meilemer im Davoser Skigebiet Parsenn den ersten Schlepplift in schwierigem Gelände. Die Anlage stattete er mit robusten Stahlstützen aus. Die Stützen kamen später bei sämtlichen Brändle-Schleppliften zum Einsatz.

Seilbahn am Meer

1954 begann der Ingenieur, kleine Pendelbahnen zu konstruieren. Eine der ersten erschloss das Walliser Embd oberhalb von Kalpetran. Die erste grössere Bahn folgte im Muotatal und führte in die Glattalp. 1954 stand in Davos die erste Kombibahn der Marke Brändle. Auch in Gletschergebieten wie der Diavolezza transportierte eine seiner Sesselbahnen Passagiere.

Als die Nachfrage nachliess, verkaufte Brändle Fabrikations­lizenzen nach Frankreich, Schweden, in die USA, Griechenland und nach Israel. 1971 erstellte der Pionier in Israel auf dem wenige Meter über Meer liegenden Ma­sada-Plateau die tiefstgelegene Luftseilbahn der Welt. Bis 2010 war im Zoo von Stockholm eine von Brändle gestaltete Kabinenbahn in Betrieb. Diese verfügte über eine eigens konstruierte Klemme.

Unverwüstliche Konstruktion

1969 übergab der Pionier seine Firma der Thuner Habegger AG. Bis zur Pensionierung arbeitete er dort als Verkaufschef. Danach war er als Berater tätig. Im Februar 2014 starb Brändle 93-jährig im Alterszentrum Platten in Meilen.

Noch heute sind in Bivio, der Lenzerheide, Maloja, in Oberiberg oder Zuoz Schlepplifte und Sessel- und Kabinenbahnen der Marke Brändle in Betrieb. Laut dem Schweizer Seilbahninventar zählt der Skilift Schilt mit Baujahr 1959 in Mollis zu den ältesten noch betriebenen Karl-Brändle-Liften der Schweiz und stellt daher ein wertvolles Zeugnis der Schweizer Skiliftgeschichte dar. Dass heute noch zahlreiche Seilbahnen in Betrieb sind, führt das Portal «Schweizer Seilbahnen in Wort und Bild» auf die robusten Konstruktionen zurück. Die Autoren des Portals beschreiben die Konstruktionen als zwar kostspielig im Bau, aber so haltbar, dass sie bei Umbauten gerne wiederverwendet wurden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.04.2015, 09:46 Uhr

Ein Meilemer will hoch hinaus

Karl Brändle und Sohn auf Ski und mit Hund, St. Moritz 1958. (Bild: zvg)

Am See entsteht Neues

Der Zürcher Ernst Gustav ­Constam (1888–1965) erfand den modernen Bügelskilift und die Sesselbahn. 1934 wurde der erste Bügellift auf dem Bolgen in Davos in Betrieb genommen. Constam arbeitete in seinem Ingenieurbüro in Zollikon für die Schweizer Vertretung der Leipziger Firma Bleichert, den weltweit führenden Seilbahnhersteller. In den USA entwickelte er die Sesselbahn. Kurz bevor der Pionier 1940 nach Amerika emigrierte, liess Constam einige Weiterentwicklungen seiner Erfindungen in der Schweiz patentieren. Mit den Patenten konstruierte der Ingenieur Henri Sameli-Huber (1892–1983) aus Feldmeilen in der Schweiz zwei Dutzend Anlagen nach Constams Ideen. 1942 tauschte Sameli-Huber für den Sommerbetrieb die Schleppliftbügel durch Einersessel und Stehkabinen aus. Die erste Kombibahn war entstanden. (bz)

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