Männedorf

Männedorf vermietet Strandbad für Electro-Party

Statt Familien werden am Samstag im Männedörfler Strandbad hunderte Feierwütige erwartet. Nicht jeder ist allerdings glücklich über die geplante Party mit House-Musik.

Statt geruhsamer Badi-Atmosphäre werden am Samstag im Männedörfler Sonnenfeld Techno-Beats wummern.

Statt geruhsamer Badi-Atmosphäre werden am Samstag im Männedörfler Sonnenfeld Techno-Beats wummern. Bild: Reto Schneider

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Trance Beats wummern aus den Boxen, zu denen junge Menschen im Freien ihre Körper wiegen. Die Frauen und Männer tragen allesamt Sonnenbrillen sowie sommerliche Kleidung und strecken ihre Handys in Richtung des auflegenden DJs: Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich. Diese Szenen zeigt ein Film auf der Facebook-Seite des Musiklabels Naturklang Bookings GmbH.

Das Besondere daran? Mit dem Video wird die Veranstaltung «Barfuss am See» angekündigt, die an diesem Samstag im Männedörfler Strandbad Sonnenfeld stattfinden wird. «Barfuss am See tanzen und richtiges Festival Feeling am Zürichsee geniessen», verspricht Naturklang den Ticketkäufern. Angekündigt sind Musiker wie «Yoko0» oder Lauren Ritter aus New York, aber auch die einheimische Djane Patrischa.

Das Nachsehen haben die Gäste des Strandbads. «Viele, viele Badegäste sind fassungslos und sogar wütend», schreibt ein Leser der ZSZ, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Er bezeichnet die Veranstaltung als lokalen Skandal und enerviert sich, dass sogar Alkohol ausgeschenkt werde.

Tatsächlich hat der Anlass mit einem normalen Badebetrieb wenig zu tun. Wer bei «Barfuss am See» dabei sein will, muss ein Ticket kaufen – und deren Preise übersteigen diejenigen der Badi bei Weitem. Je nach Art des Eintritts bezahlt man zwischen 29 und 79 Franken – für die Badi zahlen die Gäste gerade mal vier beziehungsweise einen Franken für ein Kind. Zutritt haben am Samstag neben den Ticketkäufern einzig Saisonkarteninhaber. Familien können trotzdem nicht in die Badi: Das Mindestalter ist 20.

Alte Bekannte

Gemeindeschreiber Jürg Rothenberger berichtet jedoch nur von zwei Rückmeldungen auf die Veranstaltung. Diese seien aufgrund falscher Annahmen entstanden und man habe beide Männedörfler beruhigen können. Eine Premiere ist die Party auf Männedörfler Boden nicht. Bislang hat das Label zwei so genannte Daydance-Anlässe mit elektronischer Musik in der Pfruenderhaab durchgeführt. «Wir haben gute Erfahrungen mit dem Veranstalter gemacht, aber es gibt optimalere Orte für einen solchen Anlass als die Pfruenderhaab», sagt Rothenberger. Dieses Jahr seien die Veranstalter dann mit der Idee gekommen, den Anlass in der Badi zu organisieren. Weil es weniger Anwohner gibt und das Spital nicht direkt daneben liegt. «Für die Gemeinde ist das eine unterstützenswerte Verschiebung.»

Keine Rolle spielt laut Rothenberger der finanzielle Zustupf durch die Miete. «Für uns ist der finanzielle Aspekt keine Motivation, bei der Frage, ob eine Veranstaltung stattfinden kann.» Und was sagt Rothenberger dazu, dass gewisse Männedörfler am Samstag gerne einen ruhigen Tag in der Badi verbringen würden? «Wir möchten auch der Männedörfler Bevölkerung, die gerne an solchen Veranstaltungen teilnimmt, eine Plattform bieten.» Es sei eine Frage des Abwägens, aber Anlässe von Drittanbietern wie beispielsweise auch das Public-Viewing brächten Leben ins Dorf. Die Naturklang Booking GmbH reagierte nicht auf die Anfragen der ZSZ.

Rettungsschwimmer vor Ort

Auffällig ist jedoch, dass der Anlass in Männedorf sehr zurückhaltend beworben wird. Auf der Startseite der Gemeinde-Website gibt es keinen Hinweis auf «Barfuss am See» und auch am Aushang am Badi-Eingang wies gestern kein Flyer auf die Party hin. «Im Bereich Infrastruktur auf der Website wird auf den Anlass hingewiesen», sagt Rothenberger. Dass auf der Startseite nichts stehe, sei unglücklich. Die Veranstaltung werde aber auch mit Aushängen auf dem Badigelände angekündigt.

Auch wenn die Türöffnung von «Barfuss am See» bereits um 11.30 Uhr erfolgt und der Anlass bis Mitternacht dauert, soll das Strandbad am nächsten Tag wieder ganz normal öffnen. «Bis 9 Uhr am Sonntag wird der Platz geräumt sein, so dass die Badegäste die Badi wieder nutzen können», sagt Rothenberger dazu.

Die Sicherheit während des Anlasses ist für die Gemeinde ebenfalls ein Thema. «Stark alkoholisierte und/oder unter Drogeneinfluss stehende Personen und aggressive Personen wird der Einlass verwehrt beziehungsweise können vom Gelände verwiesen werden», ergänzt der Gemeindeschreiber. «Rettungsschwimmer überwachen den Wasserbereich, um die Sicherheit aufrecht zu halten.» Trotzdem: Schwimmen erfolgt auf eigenes Risiko und ist zudem nach 20 Uhr nicht mehr erlaubt. «Sowohl der Veranstalter als auch die Gemeinde lehnen jegliche Haftung ab», betont Rothenberger.

Verstärkt werden die Rettungsschwimmer durch einen privaten Sicherheitsdienst, der vor Ort ist. Zudem habe der Veranstalter ein 13-seitiges Sicherheits- und Verkehrskonzept vorgelegt, wie vom Gemeindeschreiber zu erfahren war. Ob es sich bei der Party um eine einmalige Sache handelt oder ob die Badi künftig öfters an andere Anbieter vermietet wird, muss sich noch zeigen. «Der Anlass ist ein Versuch», sagt Rothenberger. «Sollte er erfolgreich über die Bühne gehen, kann man sich weitere Events sicher vorstellen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.07.2018, 16:45 Uhr

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