Männedorf

Männedorf bekommt ein Eisenbahntrassee geschenkt

Der Kanton übergibt der Gemeinde kostenlos ein Stück Bahngeschichte: Er hat keine Verwendung mehr für das ehemalige Trassee der Wetzikon-Meilen-Bahn.

Der geschwungene Damm der Wetzikon-Meilen-Bahn ist noch heute gut zu erkennen.

Der geschwungene Damm der Wetzikon-Meilen-Bahn ist noch heute gut zu erkennen. Bild: Moritz Hager

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Das Weglein beschreibt hinter dem ehemaligen Restaurant Frohsinn einen grossen Bogen und steigt dann unterhalb der Sportanlage Widenbad sanft an. Etwas unnatürlich wirkt der Wall, auf dem die Kurve verläuft – und tatsächlich: Er wurde künstlich geschaffen. Es handelt sich um den einstigen Damm der Wetzikon-Meilen-Bahn, die sich am Männedörfler Allenberg den Hang hochschraubte, an der Grenze zu Stäfa über ein Viadukt ratterte und anschliessend bis ins Stäfner Mühlehölzli und weiter ins Zürcher Oberland fuhr. Von den Schienen sieht man zwar auf dem noch heute bestehenden Trassee nichts mehr, doch vielen Einheimischen ist bekannt, dass hier früher eine Bahnlinie vorbeiführte.

Was hingegen die meisten nicht gewusst haben dürften: Das Überbleibsel, ein schmaler Wegstreifen, ist grösstenteils im Besitz des Kantons. Nun aber will das Immobilienamt der Baudirektion das rund 900 Meter lange Stück ab der Wendeschleife bis zur Grenze zu Stäfa der Gemeinde Männedorf schenken. Der südliche Teil unterhalb der Oberallenbergstrasse befindet sich bereits in deren Besitz.

Für den Kanton, heisst es in einem öffentlich zugänglichen Protokoll des Männedörfler Gemeinderats, möge der Weg- und Strassenstreifen keinerlei Nutzen darstellen. Für die Gemeinde jedoch befinde er sich an bevorzugter Aussichtslage mitten in der Natur in einem der beliebtesten Naherholungsgebiete. «Mit Blick auf den historischen Verkehrsweg ist die Strecke zudem ein interessanter Teil der Männedörfler Geschichte.»

Eine Luftaufnahme von 1931 zeigt die Schienen, die an den Rebflächen am Allenberg entlang vorbeiführten. Das Trassee geht in den Besitz der Gemeinde Männedorf über. Fotos: Walter Mittelholzer/Hans-Peter Bärtschi, ETH-Archiv

Wurst mit Brot

Die Wetzikon-Meilen-Bahn, abgekürzt WMB und im Volksmund liebevoll «Wurst-mit-Brot-Bahn» genannt, ist denn auch vielen Leuten in der Region ans Herz gewachsen. Sie verkehrte während verhältnismässig kurzer Zeit, von 1903 bis 1950. Die WMB entstand wie andere mittlerweile eingestellte Linien, etwa die Uerikon-Bauma-Bahn, im Zuge der Bahneuphorie um die Jahrhundertwende. Die 22,5 Kilometer lange Strecke führte von der Schiffstation in Meilen über Obermeilen, das Uetiker Grossdorf und Kleindorf, Männedorf, Oetwil und Grüningen nach Wetzikon. Die Fahrt mit Halt an 20 Stationen dauerte 77 Minuten.

Das blau-weisse Bähnlein sah ähnlich aus wie das alte Züri-Tram.

Mancherorts sind die Strassen noch nach der elektrischen Schmalspurbahn benannt: etwa die Tramstrasse in Uetikon und Männedorf sowie besagter Trämliweg in Männedorf, der nun vollständig in den Besitz der Gemeinde übergehen soll. Wie die Namen dieser Strassen nahelegen, war das Züglein eher Tram als Bahn. Die Wagen waren blau-weiss und ähnelten dem alten Züri-Tram. Im besten Jahr, 1920, transportierte es über eine halbe Million Passagiere und 11000 Tonnen Güter, unter anderem auch Briefe und Pakete der Post.

Wegen des zunehmenden Strassenverkehrs und des technisch veralteten Zustands der Bahn geriet die WMB aber schliesslich ins Hintertreffen. 1946 entschied das Zürcher Stimmvolk, sie aufzuheben. Am 13. Mai 1950 verkehrte die Bahn schliesslich zum letzten Mal. Sie wurde durch den Busverkehr der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) ersetzt. Das schnurgerade Trassee am Allenberg und das Viadukt an der Grenze zwischen Männedorf und Stäfa gehören zu den am besten sichtbaren Überbleibseln. Hier entstand auch ein Bahnlehrpfad.

Ein Weg für Spaziergänger

Was aber kann die Gemeinde nun mit dem neu gewonnenen Stück Land anfangen? Im Grunde genommen nicht viel. Männedorf hat für den Kanton den Abschnitt schon immer auf eigene Kosten unterhalten, wie aus dem Protokoll des Gemeinderats hervorgeht. Die Gemeinde wird dies auch weiterhin tun. Zwei Abschnitte der geschenkten Strecke – die Kurve mit zahlreichen Hecken sowie der Hohlweg Richtung Stäfa – stehen überdies unter kommunalem Natur- und Landschaftsschutz. Für den Gemeinderat steht denn auch der Erhalt des Erholungsraums im Vordergrund. Viel ändern wird sich somit nicht. Zwar sind die Zeiten, als hier noch ein Bähnlein hochrumpelte, vorbei. Dafür werden aber wie in den vergangenen Jahren auch künftig noch manche Spaziergänger den Weg hochschnaufen.

Erstellt: 11.10.2019, 10:55 Uhr

Ein Schutzwäldchen als Geschenk

Fast könnte man meinen, für die Gemeinde Männedorf sei eine Zeit der ungewöhnlichen Geschenke angebrochen: Nebst einem alten Eisenbahntrassee kommt sie nämlich auch in den Besitz eines Tobelwäldchens. Private Eigentümerinnen bieten ihr eine 929 Quadratmeter grosse Waldfläche am Brähenbach oberhalb der Aufdorfstrasse an, die sie nicht mehr selber bewirtschaften wollen. Die Parzelle ist amtlich als Schutzwald deklariert, der die Gefahr von Schnee-, Stein- und Hangrutschen, Murgängen und Hochwassern vermindern soll. Das Grundstück sei Teil eines wichtigen Vernetzungsstreifens, der vom Dorf bis in die Boldern reiche und damit ökologisch wie auch für das Orts- und Landschaftsbild einen wertvollen Beitrag leiste, heisst es im Protokoll des Gemeinderats. Die Gemeinde rechnet mit geringfügigen Kosten für den Unterhalt des Wäldchens.

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